Klagen gegenüber Wohnungsbaugesellschaft Müllberge plagen GSG-Mieter in Delmenhorst

Beschweren sich über Zustände in GSG-Wohnungen: Die Mieter (v. li) Selvi und Suna Colak, Manfred Suchan, Alexander Simon, Uwe Hillmann und Marco Kemkes. Eine ihrer Klagen beziehen sich auf den Müll, der überall herumliegt. Den Haufen auf dem Hof hat die GSG mittlerweile beseitigt. Foto: Kai HasseBeschweren sich über Zustände in GSG-Wohnungen: Die Mieter (v. li) Selvi und Suna Colak, Manfred Suchan, Alexander Simon, Uwe Hillmann und Marco Kemkes. Eine ihrer Klagen beziehen sich auf den Müll, der überall herumliegt. Den Haufen auf dem Hof hat die GSG mittlerweile beseitigt. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Mieter von GSG-Wohnungen bemängeln ein ziemliches Müllproblem im Bereich der Syker Straße. Die GSG räumt akute Probleme mit der Beseitigung von Müll bestimmter Mieter ein – teilweise müssen die Abfallberge mit Radladern beseitigt werden.

Uwe Hillmann ist sauer. Er steht auf einem Garagenhof an der Straße Am Fuhrenkamp. Das Areal zwischen der Bremer und Syker Straße ist umringt mit Wohnbauten. Hillmann ist Mieter der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GSG. Sie vermietet in dem Bereich mehrere Wohngebäude. Und Hillmann hat einige Klagen über seine Vermieterin. Er hat sich mit einigen Nachbarn zusammengetan, um vor dem dk dem Ärger Luft zu machen. In die Liste der Beschwerden ist lang. Ein Ausschnitt:

Müll sammelt sich in Kellern und auf Grundstücken

Da ist etwa die Sache mit dem Müll: „Wenn ein Nachbar auszieht, bleibt oftmals Sperr- oder Hausmüll über, der einfach stehen gelassen wird. Der sammelt sich in Haufen im Keller, auf dem Hof oder den Grünflächen“, erzählt Hillmann. Seine Mitstreiter nicken übereinstimmend. Der GSG macht er den Vorwurf, auf Meldungen der Mieter erst spät zu reagieren. „Bis der Müll entfernt wird, dauert es.“ Damit nicht genug: Hillmann klagt, dass die Kosten fürs Räumen auf die Hausgemeinschaft umgelegt würden – die Allgemeinheit dürfe also für die Unordnung anderer bezahlen.

Ungerechte Wasserabrechnung beklagt

  • Da ist die Sache mit dem Wasser: „Ich wohne alleine in meiner Wohnung und komme erst spät von der Arbeit nach Hause. Mit mir im Haus wohnen mehrköpfige Familien, und die verbrauchen am Tag auch mehr Wasser.“ Die Nebenkostenabrechnung werde aber durch die Anzahl der Haushalte geteilt, „eine Ungerechtigkeit“, fühlt sich Hillmann übervorteilt. Ein extremes Beispiel nennt GSG-Mieterin Selvi Colak: „Meine Eltern verbringen sieben Monate im Jahr in der Türkei. Für den Wasserverbrauch zahlen sie aber so viel wie die Nachbarn, obwohl sie viel weniger verbrauchen.“

Kaputte Fenster und Türen

Da ist die Sache mit den Fenstern und Türen: Hillmann: „Mehrere alte Haustüren in den Gebäuden schließen nicht richtig, sie sind einige Zentimeter zu kurz. Die kalte Luft pfeift in die Gebäude. Das haben wir bei der GSG lange bemängelt, aber keine Antwort erhalten.“ Die Mieterin Suna Colak ergänzt: „Eines der älteren Fenster in meiner Wohnung ist blind. Ich warte seit Monaten, dass es ausgetauscht wird.“

Reinigungsarbeiten

Und: Da ist die Sache mit der Treppenhausreinigung: Manfred Suchan lebt seit 1972 in seiner Wohnung Am Fuhrenkamp. In den vergangenen Jahren habe sich die Mieterschaft sehr verändert. Die Treppenhausreinigung sei eigentlich Aufgabe der Mieter – und diese sei zuletzt an ihm allein hängengeblieben. „Ich habe aufgegeben“, sagt Suchan. Die Folge: Die GSG lasse das Treppenhaus reinigen, die Kosten würden auf die Mieter umgelegt.

(Weiterlesen: Zahl der Sozialwohnungen in Delmenhorst drastisch geschrumpft)

Der Geschäftsführer der GSG, Stefan Ludwig, sagt, er könne teilweise nachempfinden, dass sich die Mieter benachteiligt fühlen – etwa beim Wasser. Kann aber andere Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Verständnis für Ungerechtigkeitsempfinden

Zum Wasserverbrauch sagt Ludwig: „Viele unserer Wohnungen sind bereits älter und ein Wasserzähler ist bei vielen nicht vorhanden. Den Wasserverbrauch eines Hauses nach Quadratmetern der Wohnungen abzurechnen, ist aber vollkommen rechtens – auch wenn ich verstehen kann, dass die Mieter das als ungerecht empfinden.“ Über kurz oder lang soll dieses Übel ein Ende haben: Ludwig verweist auf Innensanierungen der GSG, durch die insgesamt bis 2028 25 Millionen Euro investiert werden sollen – dabei werden auch flächendecken Wasserzählern installiert.

Müllprobleme haben sich aus dem Wollepark verlagert

Beim Thema Müll gibt Ludwig aber Probleme zu: „Seit der Schließung der Blöcke Am Wollepark 11-12 hat sich das Müllproblem dort verlagert.“ Das betreffe zwar nicht nur, aber eben auch GSG-Wohnungen. Zum Hintergrund erläutert Ludwig, dass die Wohnungsgesellschaft teilweise vom Ordnungsamt der Stadt bestimmte Personengruppen – wie etwa Flüchtlinge oder Transferleistungsempfänger zugewiesen bekomme – „diese Bewohner kennen wir vorher nicht“, so Ludwig. „Und unter ihnen gibt es eine bestimmte Klientel an Mietern aus dem osteuropäischen Raum, die diese Vermüllung mit sich bringt. Und das im zunehmenden Maße.“ Die GSG beauftrage Drittfirmen auf eigene Kosten, um Müll zu entsorgen – teilweise gar mit Radladern. Je nach Fall werden diese Kosten auf die Hausgemeinschaft umgelegt. Aus der eigenen Tasche, also ohne Mieter zu beteiligen, zahle die GSG insgesamt etwa 30.000 Euro im Jahr für diese Müllbeseitigung. Im Falle des Fuhrenkamps, sagt Ludwig, sind Bewohner an Beseitigungskosten aber seit April 2017 nicht mehr beteiligt worden.

Zu den Fenstern und Türen sagt der GSG-Chef: „Wenn Defekte vorliegen, werden sie in der Regel unverzüglich behoben. Schließfehler werden etwa sofort geregelt.“ So seien Reparaturen an der Syker Straße 28 und 29 in Auftrag gegeben worden. Wenn eine Tür einfach nur alt sei, sehe die GSG aber keinen Handlungsbedarf.

Vermüllte Keller: Marc Kemkes und Uwe Hillmann in einem Keller voller Unrat. Foto: Kai Hasse

Und zur Treppenhausreinigung sagt Ludwig: „Wer nicht reinigt, zahlt. Müssen Reinigungen beauftragt werden, erhalten Mieter, die nicht putzen, die Rechnung.“ Mieter, die also ihre Pflichten wahrnähmen, müssten also nicht mehr zahlen.


Über die GSG

Der Gesamtbestand der GSG in Delmenhorst und Stuhr beläuft sich derzeit auf 2206 Wohnungen. Die Durchschnittsmiete beträgt laut Geschäftsführer Ludwig 5,18 Euro pro Quadratmeter. 620 Wohnungen der GSG sind Sozialwohnungen, die bei der Miete gedeckelt sind. Die Durchschnittsmiete aller Wohnungen beträgt laut Ludwig 5,18 Euro pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Nettokaltmiete in der Stadt beläuft sich laut Wohnungsmarktbericht auf 5,89 Euro.

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