Glaube in Delmenhorst Verein Islamischer Weg sucht den Dialog mit Christen

Von Niklas Golitschek

Pastor Detlef Korsen und Yavuz Özoguz suchten verbindende Elemente zwischen ihren Religionen. Foto: Niklas GolitschekPastor Detlef Korsen und Yavuz Özoguz suchten verbindende Elemente zwischen ihren Religionen. Foto: Niklas Golitschek

Delmenhorst. Miteinander reden statt übereinander – das ist für Detlef Korsen, Pastor in Brinkum, ein Anliegen. Deswegen folgte er der Einladung des Delmenhorster Vereins Islamischer Weg zur Podiumsdiskussion „Müssen Christen Angst vor Muslimen haben?“ am Freitagabend in die Markthalle. Auch, wenn der Verein durchaus umstritten ist.

Der Einladung zu der Diskussion durch den Vorsitzenden des „Islamischen Wegs“ waren christliche Vertreter offenbar bis auf Detlef Korsen keiner gefolgt. Laut Yavuz Özoğuz hatte der Verein alle Kirchengemeinden in Delmenhorst zu der Podiumsdiskussion „Müssen Christen Angst vor Muslimen haben?“ eingeladen. Ob das mit der Beobachtung des Vereins in der Vergangenheit durch den Verfassungsschutz wegen Propaganda gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung zu tun hat, lässt sich nur schwer sagen. Doch auch Korsen sagte, er sei von Berufskollegen gefragt worden, ob er wisse, worauf er sich da einlasse. „Wenn ich um einen Dialog gebeten werde, nehme ich ihn an“, stellte er klar.

Angst vor regulierender Macht

Zwischen den beiden Akteuren auf der Bühne, Özoğuz und Korsen, die sich bereits von einer Veranstaltung in Oldenburg kannten, entwickelte sich ein durchaus interessanter Austausch über Religion. Dem folgten die etwa 80 Gäste im Saal, unter denen Özoğuz zwei Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirche und etwa 20 Christen ausmachte. Das schmälerte in der Markthalle keineswegs die Qualität des Austauschs, wenn auch dieser sich vorwiegend auf theologischer oder allgemein-gesellschaftlicher Ebene abspielte. „Wir müssen Angst vor jeder Bewegung haben, die Macht gewinnt – und sie nutzt, um zu regulieren“, sagte etwa Pastor Korsen mit Blick auf die Fragestellung der Veranstaltung. Er habe festgestellt, dass die Verbindung zu Gott – unabhängig von der Religion – einen respektvollen Umgang lehre.

„Angst vor einer gottlosen Gesellschaft“

Özoğuz suchte verbindende Elemente zwischen Islam, Christentum und auch dem Judentum. Alle ihre Religion praktizierenden Menschen seien in Deutschland in der Minderheit. „Ich habe mehr Angst vor einer gottlosen Gesellschaft“, stellte der Vereinsvorsitzende klar. Die in Deutschland sei zudem nicht christlich, sondern christlich geprägt, arbeitete er einen feinen Unterschied heraus. „Die Politik hat mit der Jesu-Lehre nichts zu tun“, sagte Özoğuz. Er merkte an, dass die Gesellschaft in verschiedensten Bereichen gespalten werde und werde das Gefühl nicht los, dass eine kleine Elite soziale Spannungen führe, um die eigene Macht zu sichern: „Chaos scheint Normalität zu werden.“ Die Angst vor Religion werde als Vorwand genutzt, um von anderen Themen abzulenken.

Auf fremde Menschen zugehen

Damit rannte er auch bei Pastor Korsen offene Türen ein, wie der selbst sagte: „Alles wird nach Euro und Cent beziffert.“ Religion dagegen bewahre die Erinnerung und das Wissen an eine Glückseligkeit, die nichts kostet. „Das ist schädlich für die Wirtschaft“, bilanzierte er. Um die geschürte Angst vor dem Fremden zu überwinden, plädierte Korsen dafür, sich selbst als Gesprächspartner anzubieten, auf fremde Menschen zuzugehen.

Das tat er dann auch selbst an einem der Thementische. Faszination Frau im Islam, warum lässt Gott Leid zu, Dialog zwischen Christen und Muslimen, können Muslime Deutsch sein – darüber unterhielten sich die Gäste anschließend. Und immer wieder war dabei auch zu hören: „Wie ist das eigentlich in deiner Religion?“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN