Beteiligungsverfahren für Bürger Direkt erfahren, wie Delmenhorst tickt

Bernd Hallenberg vom vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung sowie Christoph Jankowsky und Thomas Lauts von der Stadtverwaltung (v.li.) kooperieren bei einem groß angelegten Projekt, dass die „lokale Integration in der Stadt Delmenhorst“ in den Fokus nimmt. Foto: Marco JuliusBernd Hallenberg vom vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung sowie Christoph Jankowsky und Thomas Lauts von der Stadtverwaltung (v.li.) kooperieren bei einem groß angelegten Projekt, dass die „lokale Integration in der Stadt Delmenhorst“ in den Fokus nimmt. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Im Jahr 2019 wird ein Beteiligungsverfahren „Lokale Integration“ umgesetzt. Im Fokus steht das Zusammenleben innerhalb der vielfältigen Bürgergesellschaft in Delmenhorst, die durch Zuwanderung geprägt ist.

Die Ziele der Kooperation sind kurz umrissen folgende: die Stärkung der sozialen Teilhabe, des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der lokalen Demokratie – insbesondere vor dem Hintergrund der Zuwanderung in den vergangenen Jahren. Doch Christoph Jankowsky macht für die Stadtverwaltung auch klar: „Der Weg ist bei diesem Projekt das Ziel.“ Das bedeutet in diesem Fall, dass man sich schon auf dem Weg wichtige Erkenntnisse dafür erhofft, wie man die umrissenen Ziele erreichen kann.

„Passgenau für unsere Stadt und nicht von der Stange“, so bezeichnet Jankowsky das, was der vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung als Kooperationspartner der Stadt beim Thema „Lokale Integration“ liefern werde.

Gegen der Vertrauensverlust in Politik und Verwaltung

„Die Stärkung der lokalen Demokratie, die immer mehr unter Druck gerät – Stichworte sind Vertrauensverlust und Wahlabstinenz – ist wichtig für das Zusammenleben einer Gesellschaft“, sagt Bernd Hallenberg vom Bundesverband. Die gemeinnützige Einrichtung verfügt über jahrzehntelange Erfahrung. In Delmenhorst soll es im kommenden Jahr darum gehen, ein Beteiligungsverfahren auf den Weg zu bringen, dass möglichst viele unterschiedliche Bürger erreicht. „Auch die, sonst eher nicht erreicht werden, die vielleicht etwas am Rand stehen, die nicht oder nicht gut Deutsch sprechen“, sagt Hallenberg. Spracherwerb sei sowieso der wichtige Ansatzpunkt bei der Integration und der Teilhabe.

Von Zuwanderung geprägt

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht das Zusammenleben innerhalb der vielfältigen Bürgergesellschaft, die in Delmenhorst seit Langem durch Zuwanderung geprägt ist. Die von vhw 2017/2018 ermittelten Kenntnisse über die kleinräumige Sozialstruktur in Delmenhorst und die veränderte soziale Schichtung durch Zuzugsbewegungen sollen dabei als Grundlage für die Diskussionsprozesse vor Ort genutzt werden.

Wie sieht das weitere Vorgehen aus? Der Analyse der Daten schließt sich eine zweite Phase an, die Hallenberg mit Stimmungsbild überschreibt. Telefoninterviews, Fokusgruppen und Einzelinterviews sollen beleuchten, wie es sich in der Stadt lebt, welche Anliegen von Bürgern es gibt, wo Probleme und Chancen im Zusammenleben liegen. Kurz: Wie tickt die Stadt? Diese Erkenntnisse wiederum fließen dann im Spätsommer in die dritte Phase ein, den öffentlichen Dialog.

Stadtforschung betreiben

Für Jankowsky und Fachdienstleiter Thomas Lauts, der verwaltungsintern ab dem kommenden Jahr federführend das Projekt übernimmt, ist klar, dass es nicht nur um die Erhebung von Daten geht. Stadtforschung betreiben und Handlungsansätze gewinnen, darauf soll es hinauslaufen.

Im Projekt kommen auch Vertreter etwa aus den Bereichen Wohnen, Arbeit, Bildung, Sport und Integration zu Wort. Der besondere Blick gilt aber den Bürger der Stadt mit ihren vielfältigen individuellen Hintergründen. „Wir wollen eine Binnensicht auf die Stadt Delmenhorst liefern. Dabei sollen Probleme im Zusammenleben offen angesprochen werden können, denn nur dann kann man sie auch lösen“, sagt Hallenberg. Sein Verband hat bereits in vielen Städten ähnliche Projekte über die Bühne gebracht. Auf die Ergebnisse in Delmenhorst, einer Stadt in unmittelbarer Nähe zum Oberzentrum Bremen, sei man jetzt besonders gespannt.


Die finanzielle Beteiligung der Stadt an dem Beteiligungsverfahren wird sich nach derzeitiger Schätzung in der gesamten Laufzeit auf rund 3000 Euro belaufen. Den Löwenanteil in nicht genannter Höhe trägt der Bundesverband vhw.

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