Lebensbilder: Elfriede Fitger Nach der Hochzeit in Delmenhorst ausgewandert

Von Herbert Frommeyer

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Delmenhorst. Eine jüngere Schwester des Malerpoeten Arthur Fitger wanderte 1869 nach Amerika aus. Ihr weiteres Leben verbrachte sie im Indianerland unweit des Lake Michigan.

Elfriede, die jüngere Schwester des aus Delmenhorst stammenden Malerpoeten Arthur Fitger, folgte nach der Heirat ihrem Ehemann Ferdinand Krieger in die Ferne. Der war schon als 15-Jähriger nach Amerika ausgewandert.

Elfriede Fitger wurde am 26. August 1845 in Delmenhorst im alten Fitgerhaus am Marktplatz geboren, wo heute das Neue Fitgerhaus steht. Sie verbrachte hier ihre Kindheit und Jugend. Sie war eine Schwester des bekannten Künstlers Arthur Fitger und des ausgewanderten Bierbrauers August Fitger (s. Lebensbild August Fitgers in HuH, 3. März 2018).

Ins Land der Indianerstämme

Die junge Frau lernte Ferdinand Krieger kennen, der seit 1867 aus Amerika auf Heimatbesuch war, vermutlich auf Brautschau, da damals in der neuen Heimat Frauenmangel herrschte. Das Paar heiratete am 23. Mai 1869 in der evangelischen Stadtkirche zu Delmenhorst und Elfriede folgte ihrem Ehemann noch im selben Jahr nach Kiel (Wisconsin) ins Indianerland. In diesem Gebiet am Sheboygan River westlich des Michigansees waren damals die Indianerstämme der Potawatomi und der Menominee ansässig, die aber von immer neuen Einwanderern nach und nach zurückgedrängt wurden.

Siedler lebten in Blockhäusern

Die Indianer siedelten vorrangig an Wasserstraßen und gingen in den Wintermonaten längerfristig auf Jagd, mit den neuen Siedlern betrieben sie Tauschhandel. Städtenamen wie Milwaukee, Sheboygan, Waukesha oder Manitowoc zeugen noch heute von der indianischen Vergangenheit.

Die neuen Siedler lebten anfangs in einfachen Blockhäusern. Waldrodung und Urbarmachung waren schwere körperliche Arbeiten, wobei Pferde eine wichtige Rolle spielten. Das Halten dieser Tiere war eine Gemeinsamkeit mit der Urbevölkerung.

Volkszählung nach der Ankunft

Ein Jahr nach der Ankunft des Ehepaares fand im Jahre 1870 in Wisconsin eine Volkszählung statt. Vier Personen gehörten damals zum Haushalt der Familie Krieger. Als Beruf des Mannes ist Einzelhändler angegeben, er betrieb jetzt ein Geschäft, das er von der Familie Reichert gekauft hatte. Neben den Eltern ist ein gerade geborenes Kind noch ohne Namen aufgeführt (Edmund), außerdem lebte noch ein Hausangestellter aus dem Oldenburgischen in der Familie.

Zwei Dienstmädchen und viele Kinder

In den folgenden Jahren kamen weitere Kinder zur Welt, die Volkszählung von 1880 nennt folgende Personen im Haushalt: Lebensmittelhändler Ferdinand, Hausfrau Elfriede, zwei Dienstmädchen und folgende Kinder: Edmund (geboren 1870), Frida (1871), Ferdinand (1873), Jessie (1875), Walther (1877) und Arthur (1880). Tochter Helen (geboren 1878) wurde nicht im Zensus aufgeführt, da sie einjährig starb. In den folgenden Jahren wuchs die Familie um weitere vier Kinder: Clara (1881), Hertha Pauline (1882), Cornelia (1887) und Gerhard (1892).

Liebe zum Vereinsleben mitgenommen

Nicht nur Elfriede hatte eine große Familie zu versorgen, auch ihr Schwager August Krieger war Vater von zehn Kindern. Schule und Ausbildung einer so großen Kinderzahl erforderten einen großen Einsatz.

Viele Deutsche lieben das Vereinsleben, so gründete damals Elfriedes Mann den Kieler Turnverein. Später war Tochter Hertha, die auch nach ihrer Heirat im Ort blieb, im Turnverein, im Frauenverein und in der Kirche aktiv.

Die Lebensbedingungen im Ort verbesserten sich laufend, so wurde eine neue Überlandstraße zwischen den Städten Green Bay und Milwaukee und eine Brücke über den Sheboygan River gebaut. Ähnlich wie in Delmenhorst brachte auch hier die Eröffnung der Eisenbahnlinie im Jahre 1872 einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Zahlreiche Nachkommen im ganzen Land

Elfriede starb am 22. Juli 1902 im Alter von 56 Jahren, sieben Jahre später folgte ihr Ehemann, der in seinen letzten Lebensjahren von seinen Töchtern Frida und Hertha betreut wurde. Beide Ehepartner sind auf dem Kiel Cemetery begraben. Heute leben zahlreiche Nachkommen dieser großen Familie über das ganze Land verstreut.

Ein besonderer Dank gilt Rose Mohnsam aus Kiel (Wisconsin), durch deren Informationen und Fotos dieser Bericht ermöglicht wurde.


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