Therapie wird fortgesetzt Strafe gegen 43-jährigen Delmenhorster zurückgestellt

Von Ole Rosenbohm

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein ehemaliger Drogenabhängiger aus Delmenhorst hat am Landgericht Oldenburg ein mildes Urteil bekommen. Foto: Volker Hartmann/dpaEin ehemaliger Drogenabhängiger aus Delmenhorst hat am Landgericht Oldenburg ein mildes Urteil bekommen. Foto: Volker Hartmann/dpa

Oldenburg/ Delmenhorst. Ein 43-Jähriger Delmenhorster hat vor Gericht eine weitere Chance erhalten. Wegen Drogenabhängigkeit begang er Diebstähle und Betrügereien. Doch nun scheint er clean zu sein – und auf dem rechten Weg.

So zurückhaltend und höflich wie jetzt im Berufungsverfahren am Landgericht Oldenburg hat sich der 43-jährige Angeklagte in der Vergangenheit eher selten verhalten. Die Zahl der Straftaten des drogenabhängigen Delmenhorsters ist verwirrend hoch, Strafbefehle oder Verurteilungen gegen ihn wurden zeitweise im Monatsrhythmus ausgesprochen. Meist wurde er bei Diebstählen oder Schwarzfahrten erwischt, in der langen Liste tauchen auch Sachbeschädigungen und Körperverletzungen sowie zwei erfolgreiche Betrügereien auf, als er sich als ein anderer ausgab und sich von einer Bank zweimal 500 Euro auszahlen ließ. Gerichte und Bewährungshelfer schrieben ihm zu alledem hohes Aggressionspotenzial und geringe Verantwortungsbereitschaft zu.

Geld für Drogen

Das Geld brauchte er für Drogen, seit vielen Jahren ist er abhängig. Oft kämpfte er in Therapien gegen die Sucht, Rückfälle warfen ihn aber aus der Bahn. Die Bewährungshelferin schrieb in ihrem Bericht, er brauche nur ein einziges Bier zu trinken, um wieder in seine Suchtrolle zu verfallen.

Kein Rückfall trotz erheblicher Belastungen

Dennoch: Er versucht es. Seit Juni und noch bis kurz nach Weihnachten arbeitet er in einer stationären Therapie gegen seine Abhängigkeiten. Und die Einrichtung stellte dem Mann ein gutes Zwischenzeugnis aus: Trotz erheblicher Belastungen habe er keinen Rückfall erlitten.

Zwei Gefängnisstrafen

In zweiter Instanz in Oldenburg ging es für den Angeklagten um die Frage, ob er um den Knast herumkommen und so die Therapie ambulant fortführen kann, obwohl ihn das Amtsgericht Delmenhorst kurz vor Therapiebeginn zu zwei Gefängnisstrafen verurteilt hatte: einmal zu zehn Monaten, einmal zu 26 Monaten, also zu etwas über zwei Jahren.

Haft zurückgestellt

Die Richterin stand der Absicht eher wohlwollend gegenüber, die Möglichkeit einer Bewährungsstrafe lehnte sie allerdings ab: Zu viele Fälle, eine positive Sozialprognose könne sie da nicht erkennen. Allerdings ließen sich Gericht und auch Staatsanwaltschaft darauf ein, die 26-Monats-Strafe um zwei Monate auf genau zwei Jahre zu verkürzen. Damit war die Möglichkeit geschaffen, die Haft zurückzustellen, was der Anwalt des Angeklagten bei der Staatsanwaltschaft direkt beantragte.

Drogenabhängige haben besondere Rechte

Zurückstellungen sind bei Drogenabhängigen in Therapie möglich, wenn die Haftstrafe nicht mehr als zwei Jahre beträgt und die Taten aufgrund einer Betäubungsmittelabhängigkeit begangen wurden, was im Fall des 43-Jährigen der Fall war. „Ob das von Erfolg gekrönt ist, wird an Ihnen liegen“, sagte die Richterin zum Angeklagten. Der ist optimistisch: Er sei jetzt ein anderer, glaube an sich und wolle abstinent leben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN