„Tiere gehören nicht unter Weihnachtsbaum“ Tierschutzverein Delmenhorst warnt vor Tier-Geschenken

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Delmenhorst Das Fest der Liebe bedeutet nicht für alle eine schöne Zeit. Noch immer landen viel zu oft Tiere unter dem Tannenbaum, die kurz darauf wieder abgeschoben werden.

Jedes Jahr das gleiche Drama: Sind die Festtage vorüber, ist die feierliche Stimmung auch für viele Tiere plötzlich zu Ende. Kein Freudekreischen mehr beim Anblick flauschiger Kaninchenohren, kein Strahlelächeln, wenn Katzenbaby oder Hundewelpe um die Ecke getapst kommen. Stattdessen ungeschmückte Ernüchterung: Plötzlich sind da Arbeit, Dreck und die Einschränkung, die ein Tier bedeutet.

Fehlender Wille, Tiere artgerecht zu versorgen

„Direkt nach den Feiertagen haben wir es hier in Delmenhorst zwar nicht verstärkt mit ausgesetzten Tieren zu tun“, sagt Ulrike Büthe, Pressesprecherin des Delmenhorster Tierschutzvereins. Trotzdem sei für viele Tiere Weihnachten mit viel Leid verbunden. „An Weihnachten, da gehen die Herzen auf. Da begehen viele den Fehler und kaufen in rühriger Stimmung ein Tier ohne sich im Klaren zu sein, was dieses Tier überhaupt braucht“, schildert Büthe. Und das sei tatsächlich ein gravierendes Problem: Ob Katze, Meerschwein oder Kaninchen: Ist der Zauber der ersten Tage verflogen, verfliege bei manchem der Wille, sich artgerecht um ein Tier zu kümmern.

Tierschutzhof nahm 2017 über 90 Katzen auf

Mehr als 90 Katzen sind 2017 über das Jahr verteilt als Fundtiere auf den vereinseigenen Tierschutzhof in Schillbrok gekommen, außerdem zehn Kaninchen und Meerschweinchen. „Bei den Fundtieren können wir ja nur schwer etwas zum Hintergrund sagen, aber Tiere, die unüberlegt unter dem Tannenbaum landen, werden in der Regel auch nicht gleich nach den Feiertagen ausgesetzt“, schildert die Pressesprecherin. „Meistens versuchen es die Leute noch ein paar Monate, bis sie dann doch die Nase voll haben.“

Nicht jede Katze will dauernd schmusen

Wenn der Kaninchenkäfig etwa zu stinken anfange oder die Katze nicht immer totgeschmust werden wolle. Büthe: „Das nervt viele, weil das Tier plötzlich mit Arbeit, Schmutz und Verantwortung verbunden ist.“ Oder es nicht so funktioniere wie man sich das vorgestellt habe. „Da kratzt oder beißt es plötzlich, weil die Leute nicht wissen, was die typischen Bedürfnisse von Katzen, Kaninchen oder Meerschweinchen sind.“

Tierschützer raten zu gründlicher Information vor Tierkauf

Deshalb appelliert der Tierschutzverein ganz eindringlich, zu Weihnachten keine Tiere zu verschenken. „Tiere gehören einfach nicht unter den Weihnachtsbaum“, betont Büthe. Stattdessen sollte man sich ausgiebig überlegen, ob man dem Tier gerecht werden könne und im Vorfeld darüber informieren, was es braucht, um sich wohl zu fühlen. So würden Kaninchen und Meerschweinchen oft in kleinen Käfigen alleine vor sich hin vegetieren. Büthe: „Dabei brauchen beide zwingend Artgenossen, um zufrieden zu sein.“

Alte Katzen einfach entsorgt

In ihrer täglichen Arbeit erleben die ehrenamtlichen Helfer viel zu oft, wie rücksichtslos Menschen Tieren gegenüber sein können. „Es verschlägt uns manchmal den Atem, wenn wir sehen, wozu Menschen in der Lage sind“, so Büthe. Besonders hart treffe es alte und kranke Katzen, die ausgesetzt würden, weil sie anfingen, Kosten zu verursachen. „Wenn sie zu uns gebracht werden, sind sie teilweise in solch einem schlimmen Zustand, dass wir sie nur noch von ihrem Leid erlösen können.“

Die ehrenamtliche Tierschützerin ruft deshalb dazu auf, Tiere in schwierigen Situationen nicht auszusetzen, sondern im Tierheim oder auf dem vereinseigenen Tierschutzhof Schillbrock abzugeben. „Wenn es doch nicht mit der Haltung geht oder das Geld für Behandlungen fehlt, dann sollte man das Tier nicht sich selbst überlassen“, so Büthe. „Kein Tier muss ausgesetzt werden.“

Tierschutzhof über Weihnachten zu

Um nicht auch noch selbst zum Unglück beizutragen, bleibt der Tierschutzhof über die Weihnachtszeit geschlossen. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, um keine Kurzschlussentscheidungen zu unterstützen“, sagt Büthe. Vom 15. Dezember bis zum 9. Januar werden deshalb keine Tiere vermittelt.


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