Rasend schnelle Digitalisierung Airbus-Chef berichtet vor Delmenhorster Maxe-Schülern

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Bremer Airbus-Chef Dr. André Walter schilderte auf Einladung von Schulleiterin Cordula Fitsch-Saucke vor Elftklässlern des Max-Planck-Gymnasiums, wie die Digitalisierung künftig die Arbeitswelt verändern wird. Foto: Bettina Dogs-PrößlerDer Bremer Airbus-Chef Dr. André Walter schilderte auf Einladung von Schulleiterin Cordula Fitsch-Saucke vor Elftklässlern des Max-Planck-Gymnasiums, wie die Digitalisierung künftig die Arbeitswelt verändern wird. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst Wie sehr verändert die Digitalisierung die künftige Arbeitswelt? Und inwieweit ist sie schon Alltag in deutschen Unternehmen? Airbus-Chef Walter gab am Maxe nun Antworten.

Es ist keine vier Wochen her, da warnte der Deutsche Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) davor, dass Deutschland die Ingenieure ausgehen. Das Ergebnis einer Studie des Verbandes ergab: Das Land steuere auf die größte Ingenieurlücke in der Elektro- und Informationstechnik aller Zeiten zu. In zehn Jahren würden mehr als 100.000 Ingenieure fehlen.

Miteinander von Mensch und Roboter am Arbeitsplat

Wie das Ingenieurs-Dasein vor Ort aussehen kann, hat Dr. André Walter, Chef vom Airbus-Standort Bremen, am Donnerstag am Max-Planck-Gymnasium vorgestellt. Vor Schülern des elften Jahrgangs sprach der Manager aus Ganderkesee über das Miteinander von Mensch und Roboter am Arbeitsplatz, künstlicher Intelligenz, Industrie 4.0 und den digitalen Entwicklungen in der Zukunft.

(Weiterlesen: Industrie drängt auf Fortschritte bei Digitalisierung

Lager fast zu 100 Prozent digital gesteuert

„Es gibt viele Tätigkeiten, die Mitarbeiter immer noch schneller machen als ein Roboter“, sagte Walter vor den Schülern im Maxe-Campus. Durch eine sinnvolle Digitalisierung von Arbeitsprozessen und einen überlegten Einsatz künstlicher Intelligenz könne die Arbeit für die Mitarbeiter jedoch leichter und effizienter gestaltet werden. So sei bei Airbus Bremen unter anderem ein Roboter im Einsatz, der selbstständig Werkzeug zum Arbeitsplatz liefere oder wieder wegbrächte. Oder ein autonomes Transportsystem, das Landeklappen zur Ausfertigungsstelle liefere. „Unser Lager ist fast zu 100 Prozent digital gesteuert, nur die Paletten werden noch per Hand bestückt.“ So ließe sich heute mit dem Smartphone schon fast die gesamte Fertigung steuern; derzeit entwickelt das Unternehmen spezifische Apps, um das umzusetzen.

Zähe Melde-Hierarchien abgeschafft

Über Störungen bei Arbeitsabläufen wird der Standortleiter per Nachricht auf die Smartwatch informiert – sofern sie länger als drei Stunden dauern. „Alles darunter erledigt ein Unterstützungsteam zum Teil digital-virtuell, wodurch 90 Prozent der Probleme umgehend behoben werden können.“ Früher sei das undenkbar gewesen. Walter: „Da gab es zeitaufwendige und umständliche Meldewege, die mehrere Hierarchie-Ebenen durchlaufen mussten und überhaupt nicht effizient waren.“ Am Bremer Standort sei die gesamte Werkshalle hingegen inzwischen Bluetooth-vernetzt. „Die Digitalisierung überholt uns mit einer rasanten Geschwindigkeit“, so der 53-Jährige. Um hier mithalten zu können, brauche das Unternehmen gute Mitarbeiter und Ingenieure, die das lieferten, was die Zukunft erfordere.

Fachkräftemangel plagt Airbus

Doch auch Airbus macht der Fachkräftemangel zu schaffen. „In den technischen Berufen geht die Bewerberzahl gravierend zurück“, sagte Walter vor den angehenden Abiturienten. Im Werk ausgebildete Mechatroniker würden zum Teil noch vor ihrem Abschluss von anderen Unternehmen angeworben.

Karriere auch im Ausland

Und so warb der Bremer Airbus-Chef für sein Unternehmen, das regionale Bodenständigkeit und ein internationales Betätigungsfeld gleichermaßen böte. USA, Canada, China, Frankreich, Spanien: „Wer will, kann von Bremen aus auch in andere Länder gehen.“ Vorausgesetzt, sie oder er spricht hinlänglich Englisch. Darüber hinaus verfüge der Standort an der Weser über einen eigenen Kindergarten und ausreichend Teilzeitarbeitsplätze. „Wir machen viel möglich, damit auch junge Familien bei uns arbeiten könne.“ Der Ganderkeseer Manager betonte hierzu einen überdurchschnittlichen Anteil an Ingenieurinnen. „Wir sind zwar noch nicht so weit wie in Spanien, wo die Hälfte der Ingenieure Frauen sind, aber dafür liegen wir über dem bundesweiten Durchschnitt.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN