Getötete Obdachlose Verdacht wegen Totschlags gegen Delmenhorster erhärtet sich

Von Ole Rosenbohm

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Der Verdacht gegen den ehemaligen Lebensgefährten der am Winterweg in Delmenhorst getöteten Obdachlosen hat sich erhärtet. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpaDer Verdacht gegen den ehemaligen Lebensgefährten der am Winterweg in Delmenhorst getöteten Obdachlosen hat sich erhärtet. Symbolfoto: Volker Hartmann/dpa

Oldenburg/Delmenhorst. Der wichtigste Zeuge im Prozess gegen den ehemaligen Lebensgefährten der am Winterweg in Delmenhorst getöteten Obdachlosen hat überraschend ausgesagt. Der Richter sieht nur wenige Chancen auf einen Freispruch.

Der Mann spricht kaum Deutsch, die Obdachlosigkeit ist ihm anzusehen, und fast jeder Prozessbeteiligte war überrascht, dass der Mann Donnerstag seinen Platz auf dem Zeugenstuhl im Landgericht Oldenburg einnahm. Der 58-Jährige ist einer der wichtigsten Zeugen im Prozess gegen einen 30-Jährigen, der am 3. November 2017 seine 51-jährige Lebensgefährtin in einer Obdachlosen-Behausung am alten Delmenhorster Güterbahnhof mit 80 Schlägen mit Hammer und Brett aus Eifersucht erschlagen haben soll.

Verdacht hat sich erhärtet

Der Angeklagte bestreitet die Tat. Aber nach der Aussage des Zeugen räumte ihm der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann in einer persönlichen Einschätzung nur noch wenige Chancen auf einen Freispruch ein: „Der Verdacht gegen Sie hat sich heute deutlich erhärtet.“

Alle Beteiligten stammen aus Wollepark-Blöcken

Gesehen hat wohl niemand die brutale Tat, auch der Zeuge nicht. Aber der Angeklagte soll sie ihm gebeichtet haben, beim Trinken kurz vor Weihnachten. Sie sind gut bekannt: beide obdachlos, beide wie das Opfer Polen, alle drei wohnten bis wohl kurz vor der Tat am Wollepark.

Schlüssel zum Schuldspruch für sich behalten

Belasten wollte der Zeuge den Angeklagten sichtlich nicht. Die Tat gehe nicht in seinen Kopf rein, sagte er. Er hätte sie doch so geliebt. Monate schleppte er das Wissen mit sich rum. Auch als er Mitte Januar von der Polizei zum Fall befragt wurde, hielt er dicht. Dann offenbarte er sich einer Freundin. Die riet ihm: „Geh nochmal zur Polizei.“ Er sagte aus. Auch die Frau meldete sich dort.

Zeuge bestätigt Aussage

Jetzt in Oldenburg dauert es, bis er die Aussage wiederholt. Immer wieder wandert sein Blick zum Angeklagten. Er glaube nicht, dass er es war, sagt er, er habe dem nichts hinzuzufügen. Doch Bührmann bohrt, hält ihm seine Aussagen vor. Immer wieder. Dann bestätigt der Mann, wie der Angeklagte ihm von den Hammerschlägen erzählte, wohin dieser das Opfer geschlagen habe und dass er mit dem Brett Spuren der ersten Schläge verwischen wollte. Er bestätigt, was er der Polizei sagte und was er auch einem Richter in Delmenhorst berichtete.

Fortsetzung am 20. Dezember

Eine entscheidende Aussage. Der Mann wirkt glaubwürdig und weiß Dinge, die nur ein direkt Beteiligter wissen kann. Täterwissen, das wohl nur vom Angeklagten kommen kann, findet Bührmann. Am 20. Dezember wird der Prozess fortgesetzt.


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