Registrierung in Delmenhorst Jeder zehnte Leukämiepatient findet keinen Spender

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Ihren Mitschülern bei der Registrierung helfen Meryem Kizil (von links) und Anna Jesussek. Foto: Vincent BußIhren Mitschülern bei der Registrierung helfen Meryem Kizil (von links) und Anna Jesussek. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Alle 15 Minuten erkrankt laut der DKMS in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs. Dass Stammzellenspenden Leben retten können, weiß eine Delmenhorster Schülerin aus eigener Erfahrung.

Die Diagnose kam Ende letzten Jahres: Blutkrebs. „Der Bruder von einem Kumpel war erkrankt“, erzählt die 17-jährige Meryem Kizil. Sie erlebte den Schicksalsschlag direkt mit. Doch innerhalb von vier Monaten fand sich ein Stammzellenspender. „Wir waren alle total erleichtert“, erinnert sich die Delmenhorsterin. „Nun ist alles wieder gut.“ Auch deshalb hilft Kizil, die das Berufsgymnasiums Gesundheit und Pflege besucht, bei der Spenderregistrierung von Schülern am Mittwoch, 5. Dezember, in der Kerschensteiner-Schule.

Warum es so schwierig ist, Spender zu finden

So viel Glück wie Kizils Bekannter haben nicht alle. Jeder zehnte Patient findet laut DKMS keinen Spender. Und die Nachfrage ist groß: Laut Zahlen der DKMS erkrankt in Deutschland alle 15 Minuten ein Mensch an Leukämie. Darunter nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Zwar besitzt die DKMS nach eigenen Angaben mit acht Millionen typisierten Spendern die größte Datenbank weltweit. Doch das Gewebe von Erkranktem und Spender muss übereinstimmen.

Und diese Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Das Gewebe weist mehr als 18.000 Merkmale auf, die in Millionen verschiedener Kombinationen auftreten. Die Konsequenz laut der DKMS: „Da draußen gibt es vielleicht einen Blutkrebspatienten, der nur durch Ihre Stammzellenspende geheilt werden kann.“ Auch Erkrankte in anderen Ländern berücksichtigt die DKMS.

So soll die Angst vor der Registrierung genommen werden

Trotzdem gibt es gewisse Hemmungen. „Viele haben Angst vor der Blutentnahme oder der Operation“, vermutet Kizils Mitschülerin Anna Jesussek. Deshalb werden die Schüler der Delmenhorster Fachoberschulen und der beruflichen Gymnasien am Mittwochvormittag über Stammzellenspenden aufgeklärt. „Eine Schülerin hatte erst Angst“, erzählt die 17-jährige Jesussek. „Aber dann hörte sie die Präsentation und ließ sich doch registrieren.“

Wer spenden will, muss sich nämlich nicht unter Vollnarkose Knochenmark operativ entnehmen lassen. Es reicht auch eine größere Blutabnahme. „Die dauert vier bis fünf Stunden“, erklärt Lehrer Pascal Lubin. Er vergleicht die Blutentnahme mit einer Dialyse. Einzige Nebenwirkung: Das Medikament, das vorher verabreicht wird, kann laut DKMS grippeähnliche Symptome verursachen.

Eine weitere Sorge nicht-registrierter Menschen kennt Kizil. „Einige fürchten sich, dass sie zur Spende gezwungen werden.“ Aber selbst, wenn es eine Übereinstimmung zwischen Spender und Erkranktem gibt, können Erstere noch ablehnen.

Die Zukunft der Aktion

Freiwillig ist auch die Registrierung am Aktionstag „Lebensspender finden – ein Projekt, das Hoffnung schenkt“ in der Kerschensteiner-Schule. Dabei helfen einige Jugendliche nach einer Einweisung durch die DKMS mit. Sie reichen ihren Mitschülern Wattestäbchen, mit denen diese selbst Speichelproben nehmen.

Gerade in Schulen lohne es sich, Registrierungen anzubieten, sagt Gerd Holzhauer von der DKMS. „Viele junge Leute sind noch nicht erfasst.“ Weil man bis zum 61. Lebensjahr in der Datenbank bleibt, lohnt sich die Registrierung von Schülern laut Holzhauer besonders. Das Mindestalter für Neuzugänge beträgt 17 Jahre, das Maximalalter 55 Jahre. Chronische Krankheiten sind ein Ausschlussgrund.

Die Aktion findet an der Kerschensteiner-Schule zum ersten Mal statt. Der Plan sei, sie regelmäßig durchzuführen, sagt Lehrer Lubin. Kizil und Jesussek sprechen sich dafür aus: „Wer die Chance hat, Leben zu retten, sollte sie nutzen“, findet Kizil.


Wer Stammzellen spenden möchte, findet die nächsten Termine unter www.dkms.de. Dort kann auch ein Registrierungsset für zuhause angefordert werden. Zudem bittet die DKMS um finanzielle Spenden, da jede Registrierung sie 35 Euro kostet.

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