„Hørst“-Neueröffnung Neuer Laden in Delmenhorst: Ein Zwischending aus allem

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„Geld verdienen hat nicht die Priorität“: Saskia Behrens hat an der Langen Straße den Laden „Hørst“ eröffnet. Sie will viel mehr, als Kleidung verkaufen. Die spartanische Ausstattung in dem 280 Quadratmeter großen Laden ist durchaus gewollt . Foto: Frederik Grabbe„Geld verdienen hat nicht die Priorität“: Saskia Behrens hat an der Langen Straße den Laden „Hørst“ eröffnet. Sie will viel mehr, als Kleidung verkaufen. Die spartanische Ausstattung in dem 280 Quadratmeter großen Laden ist durchaus gewollt . Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Seit dem Auszug des Herrenausstatters im Frühjahr 2018 stand das Ladenlokal an der Ecke Lange Straße/ Schulstraße leer. Der Hertie-Misere wegen. Nun ist „Hørst“ eingezogen. Doch dem Nachfolger sind Einnahmen gar nicht so wichtig.

Ein neuer Laden bereichert die Delmenhorster Innenstadt. Was er verkauft oder worin sein Zweck besteht, ist nicht leicht erklärt. Sicher ist nur, dass er ein Zeichen sein soll: gegen Leerstand und gegen die Ideenlosigkeit, diesen zu bekämpfen.

dwfg hält Ladenbetreiberin den Rücken frei

„Wenn ihr mir den Rücken freihaltet, dann komme ich.“ Mit diesen Worten hat Saskia Behrens auf die Anfrage der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (dwfg) reagiert, als diese bei ihr nachfragte, ob sie sich nicht in der Delmenhorster City ansiedeln wolle. Bei einem Unternehmer-Treffen in Delmenhorst sei der Kontakt entstanden. Die Genehmigungen bei den Behörden, der Versicherungskram, das nahm die dwfg ihr ab, hielt ihr den Rücken frei.

Ungewöhnliches Ladenkonzept

Behrens kam. Mit ihr ein Laden namens „Hørst“. Damit folgt an der Stelle des früheren Herrenausstatters an der Langen Straße auch ein ungewöhnliches Ladenkonzept: Vor einem Jahr gründete Behrens das Label „goodgang“, das unter anderem Kleidung oder Accessoires junger Designer in Kleinstauflagen vertreibt. Und das mit dem Vorhaben, sich für den guten Zweck einzusetzen. Der Verkauf von College-Jacken begünstigt etwa die Hilfsorganisation „SOS-Kinderdorf“; der von Mützen die Organisation „Support the mamas“, die Mütter im Alltag entlasten will; der Verkauf von Pullis mit der Aufschrift „Fuck AfD“ lässt Teile der Einnahmen Exit-Deutschland zukommen, eine Initiative, die Ausstiegswillige aus der rechtsradikalen Szene hilft. Insofern sei die Mode auch ein politisches Statement, sagt Behrens.

„Hørst“ ist der Nachfolger von „Kalle“

Alles fing an mit dem Bremer Laden „Kalle“, den Behrens vor sechs Jahren in Huckelriede gegründet hat. Das Konzept überträgt sie nun auf „Hørst“. Der Pop-up Laden soll zunächst drei Monate lang bestehen. Seit dem 3. Dezember ist der Laden geöffnet, am 28. Februar soll zunächst wieder Schluss sein – mit Option auf Verlängerung.

„Geld verdienen hat nicht die Priorität“

Doch Behrens will nicht nur Kleidung verkaufen: Blogger-Events organisieren, fair gehandelten Kaffee anbieten, Platz für Co-Working-Arbeitsplätze schaffen, einen Family-Day auf die Beine stellen oder Konzerte veranstalten – das alles gehört ebenso dazu. „Geld verdienen hat nicht die Priorität“, sagt Behrens. „Kleidung verkaufen ist nur ein Teil des Puzzles.“ Ist gerade nichts los im Laden, arbeitet sie eben an anderen Dingen, an ihrem Label „goodgang“ zum Beispiel. Dabei hat Behrens 20 Leute mit im Boot, die ähnlich wie sie bei „Hørst“ arbeiten.

Kreative Lösungen gegen das Einzelhandelssterben

Damit das alles in diesem Zwischending aus Laden/ Café/ Begegnungsstätte/ Konzertraum funktionieren kann, zahlt Behrens für die drei Monate keine Miete an den Vermieter Kristensen Invest. „Stadt ist immer das, was man aus ihr macht“, sagt Behrens. Sie spricht über die Leerstände in den Innenstädten und der Delmenhorster wie auch Bremer Motz-Mentalität. „Die Frage ist doch, wie man auf das Einzelhandelssterben reagiert. Man muss selbst gestalten, um eine Stadt erleben zu können. Das möchte ich mit ,Hørst‘ zeigen.“


Der Laden Horst an der Langen Straße 85-86 soll am Samstag, 8. Dezember, offiziell eröffnet werden. Die Einstiegsparty beginnt um 12 Uhr. Ab 14 Uhr gibt es eine Gesprächsrunde zum Thema Stadtentwicklung mit der dwfg.

Mehr Infos im Internet unter

www.Horst.goodgang.de.

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