Bahnhof Delmenhorst Anweisung nicht befolgt – zwei Jahre Hausverbot

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Abdullah Al-Kubaisi hat zwei Jahre Hausverbot am Delmenhorster Bahnhof. Foto: Sascha Sebastian RühlAbdullah Al-Kubaisi hat zwei Jahre Hausverbot am Delmenhorster Bahnhof. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Bei der Bahn können kleine Vergehen große Konsequenzen haben. Weil er sich einer Anweisung widersetzte, wurde einem 27-Jährigen jetzt ein zweijähriges Hausverbot im Delmenhorster Bahnhof erteilt.

Der Bahnhof Delmenhorst ist nicht nur Haltepunkt für Züge. Er bietet Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten und vor allem in dieser Jahreszeit Wärme. Und er ist ein Portal zwischen Jute-Center und Innenstadt. Dieses ist für Abdullah Al-Kubaisi für zwei Jahre geschlossen. Er hat Hausverbot. „Ich darf nur zehn Minuten im Bahnhof sein, wenn ich auf den Zug warte. Wenn ich zu Aldi möchte, muss ich außen rum“, ärgert sich der 27-jährige Flüchtling aus dem Irak. Der Sicherheitsdienst sei in seinen Worten sehr deutlich gewesen, als Al-Kubaisi nach Ausspruch des Verbots einmal Tabak im Bahnhof kaufen wollte. „Kein Service, kein Döner, kein Tabak“, sei ihm gesagt worden.

Anweisung nicht befolgt

Im schriftlich zugestellten Hausverbot steht als Grund für zwei Jahre Hausverbot „Nicht befolgen unserer Anweisung“. Al-Kubaisi sagt dazu, er habe im Februar seine heutige Verlobte am Bahnhof verabschiedet und sich anschließend gebückt, um sein Hosenbein runterzuschieben. Daraufhin habe sich der Sicherheitsdienst der Bahn erkundigt, was er da mache. „Ich habe in der Zeit in der Kaserne gewohnt und der Bus kam jede Stunde.“ Somit habe er im Gebäude warten wollen. Ohne Grund habe er den Bahnhof aber verlassen sollen, Al-Kubaisi weigerte sich ihm zufolge, in die Kälte zu treten. Nach einer Diskussion habe er seinen Ausweis zeigen müssen, danach wurde das Hausverbot mündlich ausgesprochen, der Brief kam erst vergangene Woche, zehn Monate später.

Bahn stellt Situation anders dar

Eine Bahnsprecherin erzählt die Geschichte auf Nachfrage dieser Zeitung ein wenig anders. Der Kunde habe im Hallenbereich geraucht und sei gebeten worden, in den Raucherbereich zu gehen. Doch er habe forsch und provozierend reagiert. Ein Grund für zwei Jahre Hausverbot? „Wäre er einfach raus gegangen, wäre das kein Thema gewesen.“ Wie oft solche Verbote ausgesprochen würden, kann die Bahn nicht beantworten. „Wir führen da keine Statistik. Es kommt immer mal wieder vor.“

Entschuldigung zwecklos

Eine Entschuldigung oder Reue bringt einem von einem Hausverbot betroffenen Kunden nichts, erklärt die Bahnsprecherin. „Das bleibt auch trotz Reue bestehen. Das wird durchgezogen und ist ein Lernprozess.“

Abdullah Al-Kubaisi hat zwei Jahre Hausverbot am Delmenhorster Bahnhof. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Al-Kubaisi fühlt sich ungerecht behandelt. „Das habe ich nicht gemacht. Wäre das so gewesen, wäre das Hausverbot gerechtfertigt. Aber nicht wegen nichts.“ Er arbeite zurzeit in zwei Berufen, als Lagerist und als Sicherheitsmann bei Werder-Spielen. Gerade aus seinem zweiten Job wisse er, dass sich die Sicherheitsleute in Delmenhorst nicht richtig verhalten hätten. „Das Hausverbot kam nur aus einem Gefühl heraus“, findet er.

Nur zehn Minuten im Bahnhof gestattet

Ob für ihn ungerechtfertigt oder nicht, natürlich werde er sich an das Hausverbot halten. Er versucht, nicht länger als nötig im Bahnhof zu bleiben, wenn er mit der Bahn fährt. Das darf er. „Dieses Verbot gilt nicht, wenn Sie in dem Bahnhof eine Reise antreten oder beenden“, heißt es im Hausverbot. Er muss sich aber auf kürzestem Wege rein oder raus bewegen. Sonst droht ein Strafantrag wegen Hausfriedensbruch. Er habe zehn Minuten Zeit, habe der Sicherheitsdienst gesagt.


Die Hausordnung der Bahn umfasst 21 Punkte, die nicht und acht Punkte, die nur nach Genehmigung gestattet sind. Verboten ist zum Beispiel, Gepäck unbeaufsichtigt stehen zu lassen, Wände zu beschmieren, Ballspielen oder auf Treppen zu sitzen. Außerdem dürfen metallbeschichtete Luftballons nicht mitgeführt werden, da Lebensgefahr aufgrund der stromführenden Oberleitungen besteht. Auch das Füttern von Vögeln, hören von lauter Musik oder übermäßiger Alkoholkonsum wird von der Bahn untersagt. Festgestellte Verstöße führen zu Hausverweis, Hausverbot, Strafverfolgung oder Schadensersatzforderungen, heißt es in der Hausordnung. Welche Strafe am Ende ausgesprochen werde, sei vom Einzelfall abhängig. „Das kommt immer auf die Situation vor Ort an“, heißt es von der Deutschen Bahn.

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