Neue Ausstellung auf der Nordwolle Steppdecken wie mit dem Pinsel gemalt

Maria Stoller stellt im Nordwollemuseum bis 17. März ihre „Art Quilts“ aus, die in ihrer Machart oft vielschichtig daherkommen. Foto: Birgit StamerjohannsMaria Stoller stellt im Nordwollemuseum bis 17. März ihre „Art Quilts“ aus, die in ihrer Machart oft vielschichtig daherkommen. Foto: Birgit Stamerjohanns

Delmenhorst. In einer Sonderausstellung im Museum auf der Nordwolle zeigt Maria Stoller, dass sich mit Stoff und Nähmaschine Kunstwerke erschaffen lassen.

Für einen kurzen Moment ist Maria Stoller sprachlos. Kaum hat sie den Blumenstrauß zur Eröffnung ihrer Ausstellung in der Nadelsetzerei entgegengenommen, stürmt ein Ehepaar auf sie zu: „Wir wollen Ihr Bild kaufen!“ Die beiden hatten sich in ein schwarz-weißes Werk mit dem Titel „Kristina“ verliebt und sind offenbar drauf und dran, das zarte Stoffbild nach Abwicklung der Zahlungsmodalitäten gleich von der Wand zu nehmen. Gestalterin Maria Stoller – kurz irritiert – erklärt den Kaufinteressenten, das Bild müsse aber schon noch bis zum Ende der Ausstellung hängen bleiben. „Auf’s Verkaufen bin ich heute gar nicht eingestellt“, gesteht die gebürtige US-Amerikanerin. Das Ehepaar muss sich also noch etwas gedulden: „Das macht nichts, Hauptsache, die Künstlerin kann sich von ihrem Werk trennen!“

Künstlerin lebt in der Schweiz

Damit wiederum hat Maria Stoller kein Problem: Sie lebt von ihren Kreationen aus Stoff und quiltet bereits seit mehr als 35 Jahren. Die in der Schweiz wohnhafte Künstlerin ist Preisträgerin des „Art Quilt Award 2017“, den die Patchwork Gilde Deutschland auslobt. Seit Sonntag sind ihre Entwürfe auf der Nordwolle zu sehen. Auch einige neue Exponate hat Stoller mit nach Delmenhorst gebracht: „Ich bin mir immer nicht sicher, wie meine neuen Kreationen bei den Besuchern ankommen, aber ich hoffe, das sie den Delmenhorstern gefallen“, so die Künstlerin.

Kunstwerke aus Stoffstücken zusammengesetzt

Das Quilten stammt ursprünglich aus China und dem asiatischen Raum. Bekannt ist es aber in den USA geworden, dort kennt jeder die Steppdecken, die Betten, Sofas oder Wände zieren. Sie sind in der Regel aus Stoffstücken zusammengenäht. Die Ausstellung mit dem Titel „Kinship“ – zu Deutsch Verwandtschaft – erinnert aber überhaupt nicht an die eher robusten und oft farbenfrohen Quiltdecken. „Ich zeichne mit der Nähmaschine auf Organza-Gewebe“, sagt Maria Stoller, „dessen Transparenz lädt den Betrachter dazu ein, sich die tieferliegenden Schichten des Bildes zu erschließen“. In der Tat wirken die zarten Stoff-Kunstwerke eher wie mit dem Aquarellpinsel gemalt. Erst bei genauem Hinsehen lassen sich verschiedene Stoffschichten und Nähte erkennen, ebenso Papier und Farbe. Stoller will Menschlichkeit und Emotionen darstellen und schafft es, Gesichter dreidimensional wirken zu lassen.

Schemenhafte Gesichter

„Die Frage, ob das Quilten eine Kunstform ist, stellt sich heutzutage nicht mehr“, bringt es Bürgermeisterin Antje Beilemann auf den Punkt. Schließlich seien genähte Bilder in vielen bedeutenden Museen weltweit zu sehen. Maria Stoller belässt es nicht bei Bildern, sondern zeigt in der Nadelsetzerei auch fast raumhohe, dreidimensionale Skulpturen. Sie sind aus Stoffbahnen zusammengesetzt. Immer wieder lassen sich schemenhaft Gesichter erkennen, die meisten wirken düster und ernst: „Zwischenmenschliche Beziehungen sind für mich gleichermaßen faszinierend wie auch verstörend“, so die Quilt-Künstlerin.


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