In Erinnerung an Wilhelm Schroers Delmenhorster Realschüler tauchen in die Geschichte ein

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Eindringlich: Der Schüler Hashir Khalid spielt in einer Szene Wilhelm Schroers, der gerade von einem Mann der Gestapo (Johannes Mitternacht) verhört wird. Foto: Marco JuliusEindringlich: Der Schüler Hashir Khalid spielt in einer Szene Wilhelm Schroers, der gerade von einem Mann der Gestapo (Johannes Mitternacht) verhört wird. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Mit seinem Einsatz gegen Faschismus und für die Demokratie ist Wilhelm Schroers bis heute Vorbild. Was Schroers ausmacht, haben jetzt Delmenhorster Realschüler für sich entdeckt.

Es ist still, ganz still. Die Klasse 10c der Realschule an der Holbeinstraße ist gefangen von der Szenerie, die der Theaterpädagoge und Schauspieler Johannes Mitternacht ins Klassenzimmer holt. Er liest aus den Erinnerungen des Delmenhorsters Wihelm Schroers. Wobei es das Wort lesen nicht trifft. Die Klasse ist gedanklich ganz nah dabei, als die Bomben der Allierten auf Delmenhorst fallen.

Für Klassenlehrer Jens Volbert ist es ein Geschenk, dass seine Klasse an diesem ganz speziellen Projekt teilnehmen kann. Initiiert und unterstützt vom Verein zur Förderung der kommunalen Kriminalprävention in Delmenhorst taucht Mitternacht mit der Klasse in das Leben Schroers‘ ein. Die Erinnerung wach halten an die Verbrechen des Faschismus, an die Schrecken der Kriege, das soll das Projekt, wie Dr. Norbert Boese, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, betont. Zeigen, dass Gewalt keine Lösung ist. „Geschichte und Stadtgeschichte, erzählt an einem wahren Leben“, das mache den Reiz aus sagt auch Angelika van Ohlen vom Förderverein.

Wer war Willi Schroers?

Für die Schüler war Wilhelm Schroers ein unbeschriebenes Blatt. Wer war der Mann? Sie haben sich seiner Biografie mit Fragen und Diskussionen genähert. Grundlage dafür lieferte das Buch „Wilhelm Schroers – Lebenserinnerungen – Widerstand und Wiederaufbau in Delmenhorst“, herausgegeben von Heiko Honisch und Hans-Joachim Olczyk.

Wer also war dieser Schroers, den seine Freunde nur Willi nannten? Er wurde im Januar 1900 in Bremen geboren. Nachdem er 1914 die katholische Schule in Delmenhorst beendet hatte, arbeitete er als Arbeiter in der Industrie, in der Landwirtschaft und auf dem Bau. Bereits als jugendlicher Arbeiter schloss er sich der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung an. Aufgrund seiner vielfältigen Aktivitäten innerhalb der Arbeiterbewegung gerieten er und seine Ehefrau Martha während der NS-Zeit sehr schnell ins Fadenkreuz der Gestapo. Mehr als zwei Jahre, fast 27 Monate, verbrachte Schroers in Gestapohaft, Gefängnis- oder Zuchthaushaft sowie Lagerhaft.

Politisch bis ans Lebensende

Schroers engagierte sich nach dem Krieg für seine Stadt, übernahm Ämter, gründete unter anderem die bis heute existierende Volkshochschule (VHS). Er blieb politisch bis zu seinem Tode 1981 politisch. Die Schüler sind beeindruckt von dem, was Schroers „in ihrer Stadt“ erlebte, „dass ihn die Zeit der NS-Verbrechen und die Erlebnisse des Krieges dazu gebracht haben, sich für seine Stadt und seine Mitmenschen einzusetzen“.


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