Graft in Delmenhorst Rettungsplan für angeschlagene Baumriesen

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Katrin Stöver und Carina Brüning zeigen, wie der Silberahorn gerettet werden soll. Der Riss im Stamm wird sechsfach verbolzt. Foto: Kai HasseKatrin Stöver und Carina Brüning zeigen, wie der Silberahorn gerettet werden soll. Der Riss im Stamm wird sechsfach verbolzt. Foto: Kai Hasse 

Delmenhorst. Zwei Bäume aus der Zeit der Graftgründung sind bedroht: Sie drohen auseinanderzubrechen. Der Fachbereich Stadtgrün um Katrin Stöver will sie erhalten.

Die Stadt gibt einen Silberahorn und eine kaukasische Flügelnuss nicht verloren. Und der Einsatz für die beiden honorigen Bäume in der Graft wird einige Mühe kosten – mehr, als sie einfach abzuholzen. Aber das mit gutem Grund: Das Leben von Zeitzeugen der Graftgründung steht auf dem Spiel.

Katrin Stöver, die Chefin des Fachdienstes Stadtgrün, und ihre Mitarbeiterin Carina Brüning betrachten die beiden Bäume bei einem Ortstermin mit einem Hauch ärztlicher Fürsorge. Ein Problem hat vor allem der Silberahorn am derzeit gesperrten Weg hinter dem kleinen Sportplatz am Maxe. Der Stamm, Umfang von drei Mannslängen, gabelt sich auf gut zweieinhalb Meter Höhe. Dort spaltet sich der Baum – ein Riss mäandert von der Gabelung bis kurz über den Boden. Hier wird der Stamm bald der Länge nach durchbrechen, wenn ihm nicht geholfen wird.

Passanten wären gefährdet

Geheilt werden kann er nicht, sagt Stöver. Aber stabilisieren kann man ihn – oder: muss man ihn: „Wir sind die verkehrssicherungspflichtige Behörde“, sagt Stöver, „wenn ein Ast herunterbricht und jemand erschlagen wird, dann haben wir ein Problem.“ Und jeder eventuell herabkrachende Teil des Silberahorns wäre stark genug, um vorbeigehende Menschen zu töten. Der Weg ist deshalb gesperrt, und die beiden Kronenhälften des weit unten gegabelten Baums werden bereits jetzt mit starken Schnüren zusammengehalten. Was bald folgen soll, sind Gewindestangen, die auf drei Ebenen durch den Grundstamm hindurchgetrieben werden, um an beiden Enden gesichert zu werden und so die Statik des Stamms zu verstärken. Außerdem sollen die Kronen ausgedünnt und weiter zusammengehalten werden.

Eigentlich ist der Baum recht vital, aber: „Der vergangene Sommer war schlimm“, sagt Stöver. Viel zu trocken – der Baum verdunstete oben Feuchtigkeit, und von unten kam nichts nach. So entstand Totholz, und die gesamte Stabilität des Baumes litt. Starke Stürme fassten dann in die Kronen und hebelten den Stamm auf.

Ehrfurcht gegenüber Baumriesen

Es wäre leichter, ihn zu fällen. Und vermutlich billiger. Viele jüngere Bäume würden aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden. Aber Stöver findet: „Eine gewisse Ehrfurcht und Respekt gebühren ihm schon.“ Denn der Silberahorn ist rund 100 Jahre alt. „Er könnte einer der ersten Kollegen gewesen sein, die mit dem Anlegen der Graft gepflanzt wurden“, so Stöver. Der Baum, mit etwa demselben Jahrgang wie beispielsweise Stövers Großeltern, war dabei, als das neue Gesicht Delmenhorsts entstand. Und nicht nur deshalb gebühre ihm Respekt. Auch allein deshalb, weil er im ganzen Umfeld ein dominierender Baum ist, und das Fällen eine große Lücke im Umfeld reißen würde. Das Abschneiden, sagt Stöver, sei die letzte Methode.

Ein ähnliches Problem haben Stöver und Brüning mit einer kaukasischen Flügelnuss an der Brücke 100 Meter östlich des Graft-Spielplatzes. Dort lehnt einer der mehreren „Stämmlinge“ tief über den nahen Weg. Ein weiterer Stämmling droht ebenfalls in einer Gabelung zu reißen. Hier müsse ein Stamm abgestützt werden sowie ebenfalls eine Halterung in der Krone eingesetzt werden.


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