Integrationsprogramme in Delmenhorst Sozialpolitiker setzen Zeichen für Integrationshilfen

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Welche Umgangsformen werden im Betrieb verlangt? Diese Frage beantwortet die Kausa-Servicestelle vor Geflüchteten etwa mit einem Azubi-Knigge. Archivfoto: Jasmin JohannsenWelche Umgangsformen werden im Betrieb verlangt? Diese Frage beantwortet die Kausa-Servicestelle vor Geflüchteten etwa mit einem Azubi-Knigge. Archivfoto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Der Sozialausschuss hat ein deutliches Zeichen für den Erhalt von Integrationshilfen für Zugewanderte gesetzt. Ein Grundproblem bleibt aber, dass in einem System auslaufender Förderzeiträume dauerhaft keine verlässliche Unterstützung angeboten werden kann.

„Am Ende des Jahres läuft die Förderung aus. 800 Menschen stehen dann ohne Beratung da. Ihre Kinder nicht mitgerechnet. Was wird aus ihnen? Was wird aus uns?“ Diana Dineva hat am Mittwoch im jüngsten Sozialausschuss deutlich ihre Sorgen zum Ausdruck gebracht. Dineva ist eine von fünf Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle des Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (Ehap). Als solche berät sie für die Diakonie und die Awo vor allem Zugewanderte aus Osteuropa über frühe Bildung für Kinder und in sozialen Fragen.

Angst um Klienten und Arbeitsplätze

Dinevas Angst um Klienten und um die eigene Arbeit macht deutlich, wie es um die Problemlage in der Frage der wegbrechenden Hilfen für Zuwanderer im Stadtgebiet bestellt ist. Nun hat der Sozialausschuss ein Signal für den Erhalt der derzeit bestehenden Angebote über den 31. Dezember hinaus gesetzt: Einen entsprechenden Antrag der Gruppe SPD & Partner leitete das Gremium bei einer Enthaltung weiter. Nun hat der Rat das letzte Wort.

Wie berichtet, laufen die Landesförderungen für die Kausa-Servicestelle aus, die vornehmlich zum Ziel hat, junge Migranten und Geflüchtete in Ausbildungsstellen zu vermitteln. Und auch bei der Ehap-Beratungsstelle läuft die Förderung aus.

Polizeichef und IHK melden sich zu Wort

Das Thema ist nicht ohne Brisanz: Polizeichef Jörn Stilke hatte sich unlängst gegen diese Stellen- und Mittelkürzungen in der Integrationsarbeit ausgesprochen und vor einer in der Folge möglichen, ansteigenden Kriminalität gewarnt. Und auch die örtliche Industrie- und Handelskammer (IHK) warnt mit Blick auf die Berufsberatung der Kausa-Servicestelle, Förderangebote zu stoppen. Viele Unternehmen suchten „händeringend nach Auszubildenden und Fachkräften“, teilt der Vorsitzende des Beirats, Stefan Schnier, mit. „Erst jetzt haben viele Flüchtlinge ein Sprachniveau erreicht, das eine zielführende Ausbildung im Unternehmen ermöglicht.“

Grundproblem: Fördermittelbefristung

Dieser Meinung war auch Gabi Baumgart (SPD & Partner) im Sozialausschuss. „Die Integration von Geflüchteten rollt gerade erst an.“ Und dass diese Arbeit keine einfache ist, machte Saskia Kamp als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände (AGFW) und als Geschäftsführerin der Diakonie deutlich. Generell sei es ein Problem, dass Fördermittel stets befristet seien. Diese Art der Förderung sei nicht dauerhaft und nicht nachhaltig. Kamp sieht zudem die Gefahr, dass Erfolge der Sozialarbeit „einfach verpuffen“, werden die Projekte nicht weiter verfolgt. „Dann wäre all die Arbeit umsonst.“

„Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter“

Kamp schilderte die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter in den Nachbarschaftszentren als „prekär“, und zwar in dem Sinne, dass durch die Förderfristen niemals langfristige Arbeitsplatzsicherheit bestehe. Mitarbeiter hangelten sich quasi von Vertrag zu Vertrag. Kamp kritisierte auch einen Vorschlag des Ersten Stadtrats Markus Pragal, der angeregt hatte, Ehap und Kausa vorerst aus städtischer Kraft nur bis 31. März zu betreiben. Zudem schlug Pragal vor, den Beschluss der Fortführung der Integrationsangebote in den Verwaltungsausschuss zu verschieben. So solle der Ausgang der Gespräche zur Finanzierung der Angebote mit dem Land abgewartet werden. Kamp: „Ihr Vorschlag sagt meinen Mitarbeitern: ,Geduldet Euch drei Monate, dann sehen wir weiter.‘ In der Zeit sind sie weg und haben sich woanders beworben.“ Für Edith Belz (Die Linke) war Pragals Vorstoß ein „Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter“. Und Frauke Wöhler (CDU) pflichtete Kamp bei: „Delmenhorst ist eine friedliche Multikulti-Stadt. Daran haben die Nachbarschaftszentren einen großen Anteil.“

Verträge müssen angeglichen werden

Sollte der Entschluss, Ehap und Kausa, zu erhalten auch vom Rat bestätigt werden, steht der Fachbereichsleiter für Soziales, Rudolf Mattern, vor dem Problem, bis Jahresfrist entsprechende Verträge mit Awo und Diakonie auszuhandeln, weil das über seine Entscheidungsbefugnisse hinausgeht. Das machte Mattern am Mittwoch recht deutlich. Die Politik signalisierte ihm aber einhellig, ihn notfalls mit entsprechenden Vollmachten auszustatten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN