Dr. Wilfried Frank hört auf Patienten in Delmenhorst verlieren Lungenfacharzt

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In Delmenhorst muss sich auf lange Wartezeiten auf einen Termin einstellen, wer einen Lungenfacharzt sehen will. Symbolfoto: Michael GründelIn Delmenhorst muss sich auf lange Wartezeiten auf einen Termin einstellen, wer einen Lungenfacharzt sehen will. Symbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst. Mit dem Ruhestand von Dr. Wilfried Frank steht in Delmenhorst bald ein Lungenspezialist weniger zur Verfügung. Termine bei der einzigen Alternative vor Ort sind 2018 nicht mehr zu bekommen.

Rückschlag für die Gesundheitsversorgung in Delmenhorst: Wer sich bislang bei Problemen mit Lunge und Bronchien an Dr. Wilfried Frank an der Stedinger Straße 72a gewandt hat, muss sich jetzt einen neuen Facharzt suchen. Denn der 70 Jahre alte Mediziner hört auf.

Nach Auskunft der Praxis schließen sich die Türen nach der letzten Sprechstunde am Freitag, 14. Dezember, für immer. Dem Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde ist es nach eigenen Angaben nicht gelungen, einen Nachfolger für die Praxis zu finden. Zwei Jahre lang habe er gesucht, vergeblich.

In Ganderkesee schneller Termin zu bekommen

Damit wird es ausgerechnet in der kalten Jahreszeit schwierig, vor Ort einen Termin zu bekommen. In Delmenhorst gibt es jetzt nur noch eine auf Lungenerkrankungen spezialisierte Praxis, die Gemeinschaftspraxis von Dr. Uwe Bülow und Ute Hesebeck an der Langen Straße 35. Und dort werden erst für Ende Februar Termine angeboten.

Deutlich schneller geht es in der näheren Umgebung bei Lungenfacharzt Dr. Dieter Busch, der in Ganderkesee, Am Glockenstein 3, niedergelassen ist. „Bei uns können sie noch einen Termin vor Weihnachten bekommen“, heißt es auf Nachfrage seitens der Praxis.

Schlüssel für verschiedene Fachrichtungen

Besteht also in Delmenhorst und Umgebung ein Versorgungsproblem bei Lungenfachärzten? Rein statistisch ist das nicht der Fall, ergibt eine Anfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Grundlage für die Analyse der fachärztlichen Versorgungssituation ist die vom Gesetzgeber geforderte Bedarfsplanung, die für die einzelnen medizinischen Fachrichtungen einen Schlüssel festlegt, wie viele Spezialisten in einer Region für eine gesicherte Versorgung benötigt werden.

Statistische Überversorgung in der Region

Lungenfachärzte werden dabei laut Detlef Haffke, Pressesprecher der KVN, in die Gruppe der Internisten einsortiert, und Delmenhorst wird dem Großraum Oldenburg zugeschlagen, mithin ein grobes Raster angelegt. Und im Bereich der Inneren Medizin ergebe sich nun mal in diesem Großraum, der auch die Landkreise Oldenburg und Diepholz mit einschließt, ein Versorgungsgrad von 238 Prozent, erläutert Haffke. Erst wenn der Schwellenwert von 75 Prozent unterschritten wird, sei die KVN verpflichtet, für die Ansiedlung neuer Ärzte zu sorgen.

Längere Anfahrtswege zugemutet

„Die Bedarfsplanung ist ein Rechenmodell, das in vielen Regionen mit der tatsächlichen Versorgungssituation wenig zu tun hat“, räumt Haffke ein. „Den Patienten in Delmenhorst ist nicht geholfen, wenn wir sagen, statistisch seid ihr doppelt überversorgt.“ Der Gesetzgeber mute den Menschen zu, bei gewissen Facharztgruppen längere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen.

Angesichts der Tatsache, dass es für die Bevölkerung in vielen Bereichen immer schwerer werde, Facharzttermine zu bekommen, plädiere die Kassenärztliche Vereinigung dafür, die auf Zahlen aus den 90er Jahren beruhende Bedarfsplanung „auf neue Füße zu stellen“. Gezeigt habe sich in den vergangenen Jahren, dass die Deutschen im Schnitt nicht nur älter werden, sondern auch immer häufiger zum Arzt gehen.

Hoher Altersschnitt trifft auf Nachwuchsmangel

Gleichzeitig müssen sich die Patienten in Niedersachsen darauf einstellen, dass sehr viele Ärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand treten: Die 13.800 niedergelassenen Ärzte in dem Bundesland sind laut Haffke im Schnitt 54,1 Jahre alt. Angesichts des mangelnden Nachwuchses stelle sich die Frage: „Woher sollen die Ärzte kommen?“ Gravierender noch als bei den Fachärzten sei der zu erwartende Mangel bei den Hausärzten.


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