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Christian Brück macht Weiterbildung Delmenhorsts erster Brotsommelier will Brot zum Erlebnis machen

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Bäckermeister Christian Brück (34) aus Delmenhorst lässt sich zum Brotsommelier weiterbilden. Foto: Bettina Dogs-PrößlerBäckermeister Christian Brück (34) aus Delmenhorst lässt sich zum Brotsommelier weiterbilden. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Bäckermeister Christian Brück will Delmenhorsts erster Brot-Sommelier werden. Dazu fragt er auch Flüchtlinge, wie deutsche Brotsorten bei ihnen ankommen.

Für die einen ist es einfach nur: Brot. Trägermaterial für Butter, Käse und Salami, mit Körnern oder ohne. Für Christian Brück aber ist Brot vor allem: von fundamentaler Bedeutung. Ein Element, dem seine ganze Leidenschaft gehört, von dem er schwärmen kann wie andere nur von einem Fußballverein.

Wenn Christian Brück von Brot spricht, dann schwärmt er

Zum Beispiel: dem Becker-Laib – ein Roggenmischbrot typisch nordischer Art mit leicht gebräunter Kruste und saftigem Innenleben, mit dem die Wurst darauf zum echten Geschmackserlebnis wird. Wenn Christian Brück von Brot spricht, dann erzählt er nicht. Nein. Er schwärmt.

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Fahne für das Bäckereihandwerk hochhalten

Der 34-jährige Inhaber der Delmenhorster Traditionsbäckerei Becker hat eine Mission: „Ich will Brot wieder die Wertigkeit geben, die es besitzt.“ Vor nicht ganz drei Jahren hat Brück die Bäckerei an der Grünen Straße übernommen, die seit Jahrzehnten die Fahne für echtes Bäckereihandwerk hochhält. „Bei uns ist alles handgemacht. Keine Backmischungen, keine Fertigteilchen“, sagt der Bäckermeister. Stattdessen: vollster Geschmack. Und den will der 34-Jährige künftig als Delmenhorsts erster Brot-Sommelier unter die Kunden bringen.

Feinste Geschmacksnuancen herausschmecken

( Weiterlesen: Delmenhorsts Bäcker Becker gehört zu Deutschlands Besten)

Was man bislang vor allem aus der Welt des Weines kannte, gibt es seit drei Jahren auch in der Welt des Grundnahrungsmittels. „Die Branche erlebt ein Remake des echten Brotes“, sagt Christian Brück. Deshalb hat er sich vor einem Jahr dazu entschieden, tiefer in diese Welt einzutauchen. „Um zum Übersetzer zu werden zwischen Bäckerhandwerk und Kunden.“ Im Januar nun steht seine Abschlussprüfung als Brot-Sommelier in der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerkes an. Neben dem Herausschmecken feinster Geschmacksnuancen und dem Erschnuppern filigranster Duftnoten muss der Bäckermeister außerdem eine schriftliche Ausarbeitung einreichen, vergleichbar mit der einer Bachelorarbeit.

Für die hat Brück jetzt zwei Dinge zusammengebracht, die seiner Meinung nach bislang nur wenig Berührungspunkte miteinander hatten: deutsches Brot und geflüchtete Menschen, die in Delmenhorst eine neue Heimat gefunden haben. „Deutsches Brot ist in seiner Vielfalt einzigartig, bundesweit sind mehr als 3200 Sorten registriert“, sagt der 34-Jährige. „Ich wollte wissen, wie Menschen aus anderen Kulturkreisen auf diese Vielfalt reagieren.“ Zwar habe Brot in den meisten Ländern eine große Bedeutung, „aber im Großteil der Welt werden nur Fladenbrote gegessen“, sagt der 34-Jährige. Schon in den europäischen Nachbarländern seien dunkle Sorten unbekannt.

Fünfmal will Brück deutsches Brot verköstigen

Für seine Nachforschungen in Sachen deutscher Brotkultur hat Brück insgesamt fünf Verköstigungen angesetzt mit Teilnehmern unterschiedlichster Nationen. „Insgesamt stelle ich zehn unterschiedliche Brote aus unserer Bäckerei vor“, schildert Brück. Vom hellen Baguette bis zum dunklen Schwarzbrot. Und so unterschiedlich die Brote, so verschieden sind bereits die Reaktionen ausgefallen. „Je dunkler das Brot wurde, desto länger wurden die Gesichter“, so Brück. „Einige Sorten wurden gar nicht als Brot wahrgenommen.“ Ob Dinkelvollkorn, Roggenmischbrot, Butterweißbrot oder reines Roggen: „Von Zuspruch über Ablehnung war alles mit dabei.“

Bis Brück jedoch ein abschließendes Ergebnis vorstellen kann, müssen noch einige Brotstückchen über auserwählte Gaumen wandern. Drei weitere Verköstigungen liegen bis Mitte Januar vor ihm, dann muss er seine Abschlussarbeit abgegeben haben. Bis dahin wird er wissen, wie die deutsche Brotkultur auch in anderen Kulturkreisen ankommt. Und er die Sprache des Brotes noch besser sprechen.Als Delmenhorsts erster Brot-Sommelier.


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