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28.11.2018, 09:23 Uhr KOLUMNE

Ka-Ching im Supermarkt

Von Marco Julius


Geduld ist vgefragt: Kunden stehen meist in der falschen  Schlange. Foto: imago/GeisserGeduld ist vgefragt: Kunden stehen meist in der falschen Schlange. Foto: imago/Geisser

Delmenhorst. Warum nur stellt man sich im Supermarkt immer an der falschen Schlange an? Eine neue Folge unserer wöchentlichen Kolumne „Quergedacht“.

Dass Kassiererin auf Chinesisch Ka Ching heißt, ist zwar eine Fehlinformation, führt uns aber heute dennoch nahe ans eigentliche Problem. In hektischen Zeiten wie unseren ist Langmut längst ein Fremdwort. Geduld mag eine Tugend sein. Und Konfuzius, ein Chinese aus Zeiten, die noch nicht so hektisch waren, sagt: Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern. Doch was bedeutet das, wenn man in einer Schlange an der Supermarktkasse steht? An der falschen Schlange, versteht sich.

Schwierige Aufgabe für Konfuzius

Denn immer und überall ziehen links und rechts die Kunden an einem vorbei, während der Mann ganz vorne in der Schlange den zu zahlenden Betrag langsam in Cent-Münzen vorzählt, die ihm folgende Dame vergessen hat, die Wurzeln zu wiegen oder der Vordermann erst bei der Nennung der Summe, die er zu begleichen hat, ganz plötzlich bemerkt, dass es möglicherweise nun doch vielleicht überraschend hilfreich wäre, das Portemonnaie endlich umständlich aus der Tasche zu fingern. Ganz zu schweigen von den Kunden, die, kaum sind sie gehalten, ihren Einkauf zu bezahlen, noch bemerken, dass sie Salz vergessen haben. „Bin gleich wieder dahaa!“ – Und schon verschwinden sie in dem, was sie für einen Laufschritt halten, im Laden, während man mal wieder wartet. Das alltägliche Warten nicht persönlich zu nehmen, ist da schon eine Übung, an der vielleicht sogar Konfuzius gescheitert wäre. Der Flughafen in Berlin, die Wiederbelebung des Hertie-Gebäudes in Delmenhorst – all das verblasst ja gegen die Wartezeit auf Ka-Ching.


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