„Ziemlich beste Freunde“ für Evan in Hasbergen Neue Inklusions-Kindergruppe in Delmenhorst

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Marcella Becker mit Evan (links) und Noah. Sie will in Hasbergen eine Gruppe für Kinder mit und ohne Behinderungen aufbauen. Foto: Kai HasseMarcella Becker mit Evan (links) und Noah. Sie will in Hasbergen eine Gruppe für Kinder mit und ohne Behinderungen aufbauen. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Marcella Becker aus Hasbergen sucht „ziemlich beste Freunde“. Das soll der Name sein für eine neue Kinder-Freizeitgruppe in Hasbergen. Das besondere daran: Sie soll für Kinder mit und ohne Behinderungen sein. Denn daran, meint die Mutter eines behinderten Kindes, fehlt es noch ein wenig in Delmenhorst.

Evan soll Spielkameraden haben. Ganz leicht ist das in seinem Fall nicht. Denn für Kinder wie ihn gibt es nicht viele passende Angebote, meint seine Mutter. Nun will sie selbst eine Gruppe auf die Beine stellen.

Evan ist ein kleiner Kerl, der etwas aussieht wie Michel von Lönneberga. Blonder Pilzkopf, entschlossene Gesichtszüge, ständig in Bewegung. Aber Evan ist kein so genannter „normaler“ Junge. Seine Hände sind oft kalt. Sein Herz schlägt anders. Buchstäblich: Er hat einen Herzfehler. Evan macht sein eigenes Ding. Ebenfalls buchstäblich: Er ist Autist.

Evan macht, was er will

Marcella Becker hat damit zu kämpfen, dass ihr größeres von zwei Kindern schwer zu betreuen ist. „Ich würde gern auf den Weihnachtsmarkt mit ihm, oder auf den Freimarkt. Mit Evan wird das aber nicht gehen.“ Evan ist sprunghaft, macht stets was ihm gerade in den Sinn kommt, und läuft weg, wenn man nicht jede Sekunde aufpasst. Der Garten des Hauses ist mit einem hohen Zaun umgeben, damit er nicht wegrennt. An der Behinderung Evans und den besonderen Anforderungen an die Mutter und ihre Freunde seien Freundschaften kaputt gegangen. Andere seien hinzugekommen, mit Eltern, die vergleichbare Probleme haben. Aber dennoch bleibt das Leben mit dem behinderten Kind schwer. Evan soll Laternelaufen, ohne dass sie fürchten muss, dass er wegläuft. Er soll zu Kindergeburtstagen eingeladen werden bei Kindern, mit denen er sich identifizieren kann und die er mag.

Evan ist ein Dreieck

Marcella Becker hat einen Blog: www.andersunddochnormal.de. Darin beschreibt sie an einer Stelle ihren Sohn als Dreieck, das einfach kein Kreis sein kann. Sie schreibt: „Ich fühle mich oft nicht der Gesellschaft zugehörig. Wir sind das Dreieck und die Gesellschaft ist der Kreis. [...] Ich bin formbar, mal bin ich mehr Kreis, mal bin ich mehr Dreieck – aber immer so dehnbar, immer so flexibel, beides sein zu können. Evan? Evan ist ein Dreieck.“ Zwar schaffe er es manchmal kurz, der „Kreis“ zu sein, den die Gesellschaft einfordert, „um gleich im nächsten Moment in seine alte Form zu wechseln: das Dreieck.“

Mehrere Angebote der Stadt

Mittlerweile ist Evan sieben und damit in einem Alter, in dem es schwer wird, eine Freizeitgruppe für Kinder mit Behinderungen zu finden. Die Stadt Delmenhorst führt allerdings einige Angebote auf: Die städtischen Jugendhäuser haben Integrationsgruppen für Kinder mit und ohne Behinderung. Zwei bis drei Stunden in der Woche werden sie betreut und ihnen werde Unterstützung angeboten. Es gebe Freizeitangebote wie Ferienfreizeiten oder Tagesfahrten. Auch beim Sommerferienprogramm sei eine Teilnahme möglich. Infos dazu finden sich beispielsweise auf der Homepage der Stadt.

Ziemlich beste Freunde

Nichtsdestotrotz will Becker zusätzlich eine Gruppe ins Leben rufen für Kinder, die eine noch intensivere Betreuung brauchen könnten. Die Gruppe wäre dann ein Zusatzangebot im privaten Rahmen, auch mit Hilfe der Kirchengemeinde Hasbergen. „Ziemlich beste Freunde“ soll sie heißen, angelehnt an einen französischen Film, der die Freundschaft eines Gelähmten mit einem sportlichen jungen Mann in Szene gesetzt hat. „Behinderte und nicht behinderte Kinder können voneinander lernen und zusammen spielen“, sagt Becker. Eltern könnten gemeinsam auf die Kleinen aufpassen, und so einigen von ihnen für etwas Zeit Freiraum verschaffen. Raum zum Luftholen. Das Areal – ein Bereich beim Gemeindehaus ist angedacht – wäre umzäunt, sodass niemand weglaufen kann, ist barrierefrei und bietet Rückzugsmöglichkeiten.

Gemeinsam Laternelaufen

So wäre nicht nur Platz zum Luftholen für die Eltern. Sondern auch für die Kinder. Behindert, nicht behindert, durch viele zusammen beaufsichtigt. Als Dreieck wie Evan, als Kreis wie das Kind ohne Behinderung. Oder als Viereck, Ellipse oder Stern – als „ziemlich beste Freunde“ gemeinsam Laternelaufen beim Gemeindehaus. Das will Marcella Becker. Und sie weiß, dass andere Eltern das auch wollen. Ein erstes Treffen ist bereits geplant für den 7. Januar im Gemeindehaus Hasbergen.

Wer Interesse hat, kann sich bei Becker unter 0157-30894067 melden.


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