Generationenkonflikt mal anders Wildes Rentnerleben im Delmenhorster Kleinen Haus

Von Florian Fabozzi

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Die Rentner Johannes (Siegfried Kadow), Anne (Claudia Rieschel) und Eddi (Winfried Glatzeder) feiern wie zu ihren besten Zeiten. Foto: Florian FabozziDie Rentner Johannes (Siegfried Kadow), Anne (Claudia Rieschel) und Eddi (Winfried Glatzeder) feiern wie zu ihren besten Zeiten. Foto: Florian Fabozzi

Delmenhorst. Aufgedrehte Rentner treffen auf zurückgezogene Studenten. In dem Theaterstück „Wir sind die Neuen“ werden klassische Stereotype auf den Kopf gestellt. 300 Zuschauer waren am Donnerstagabend dabei, als die Bühne im kleinen Haus zum Schauplatz eines skurrilen Generationenkonflikts wurde.

Einmal zurück ins Paradies – Diesen Wunsch hegt die von Armut geplagte Rentnerin Anne. Das ist der Beginn des Stücks „Wir sind die Neuen“, das nun im Kleinen Haus Delmenhorst gespielt wurde.

So alt wie man sich fühlt

Anne (Claudia Rieschel) beschließt, die Wohngemeinschaft aus ihrer Studentenzeit wieder zu vereinen und die Ära der Freiheit und Zwanglosigkeit neu aufleben zu lassen. An ihrer Seite: Frauenheld Eddi (Winfried Glatzeder) und der frühere Jurist Johannes (Siegfried Kadow). Getreu dem Motto „Man ist nur so alt, wie man sich fühlt“ zanken und feiern sie wie zu ihren besten Zeiten. Schnell ziehen sie jedoch den Unmut der Nachbarn auf sich: Eine dreiköpfige Studenten-WG mitten im Prüfungsstress. Statt ausgelassen zu feiern, verbringen sie den ganzen Tag still vor einem Berg von Büchern. Die anfänglichen Versuche der Alt-68er, eine freundschaftliche Beziehung zu den ungleichen Nachbarn aufzubauen, verlaufen im Sande und es entwickelt sich eine offene Abneigung zwischen beiden Lagern. Das Blatt wendet sich, als Student Torsten (Eric Bouwer) einen Bandscheibenvorfall erleidet und der Alltag ihrer WG zusammenbricht. Plötzlich sind die zuvor so selbstsicheren Studenten auf die Lebenserfahrung der älteren Nachbarn angewiesen. Auf diesem Weg finden die beiden Trios zueinander und aus erbitterten Feinden wird eine Solidargemeinschaft, in der beide Seiten einander helfen.

Unterhaltsamer Generationenkonflikt

In „Wir sind die Neuen“ wird den Zuschauern ein unterhaltsamer Generationenkonflikt vorgesetzt. Während die Seniorengemeinschaft in lange vergangene Zeiten schwelgen, sehen sich die Studenten den Leistungsdruck der heutigen Gesellschaft ausgesetzt. Dem Hinterhertrauern von gescheiterten Lebensentwürfen steht die bloße Zukunftsangst gegenüber. Der Gegensatz spiegelt sich besonders in den Mentalitäten wieder. So handeln die Protagonisten der 68er-Generation stets im Sinne der eigenen Ideale - den jungen Protagonisten geht es dagegen vor allem um Karriere und finanzielle Sicherheit.

„Born to be wild“ auf der Bühne

Dem Ensemble vom Berliner Theater am Kurfürstendamm gelang es, die eher dünne Handlung durch ein routiniertes und schlagfertiges Spiel zu kompensieren. Über die gesamten 90 Minuten hinweg lieferten sich die Protagonisten bissige und spöttische Dialoge und sorgten für Erheiterung im Publikum. In der alten Garde ragte Eddi, gespielt von Winfried Glatzeder, mit seiner rebellischen, aufbrausenden Art heraus. Ein nettes Detail: Ein Foto des Freiheitskämpfers Che Guevara, das auf seinem Shirt prangte. Bei den jungen Darstellern hatte Eric Bouwer als der pedantische und wehleidige Torsten die meisten Lacher auf seiner Seite. Wer dem Treiben auf der Bühne nichts abgewinnen konnte, durfte sich vielleicht an der musikalischen Auswahl erfreuen. „Born to be wild“ und „Dust in the Wind“ waren nur zwei von vielen Klassikern, die den Geist vergangener Tage zum Leben erweckten.


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