Schwierige Mitarbeitergewinnung Kunden des Handwerks spüren Personalengpässe

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„Mitarbeitergewinnung 4.0“: Kreishandwerksmeisterin Britta Franke (l.) und Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, begrüßen die Personalberaterin Ulrike Winzer zum Vortrag beim Handwerksforum im Haus Adelheide. Foto: Dirk Hamm„Mitarbeitergewinnung 4.0“: Kreishandwerksmeisterin Britta Franke (l.) und Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, begrüßen die Personalberaterin Ulrike Winzer zum Vortrag beim Handwerksforum im Haus Adelheide. Foto: Dirk Hamm

Delmenhorst. Bei guter Konjunktur und rückläufigem Bewerberangebot wird es für Firmen immer schwerer, Fachkräfte zu gewinnen. Kunden bekommen das bereits zu spüren. Ein Vortrag bei der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land zeigte das überdeutlich.

Die Konjunktur brummt, die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe sind voll, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung – für Privatkunden kann das unangenehme Wartezeiten bedeuten, bis etwa der Fliesenleger kommt: „Betriebe müssen den einen oder anderen Auftrag ablehnen oder Kunden auf eine längere Wartezeit vertrösten, weil nicht genug Personal vorhanden ist“, sagt Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land.

Bewerbersituation hat sich dramatisch verändert

Die gute Konjunktur verschärfe noch eine völlig umgekehrte Balance zwischen Arbeitgebern und Fach- oder Nachwuchskräften, die eine Stelle suchen, hat Günnemann beobachtet: „Noch vor zehn, 15 Jahren hatten die Betriebe die freie Auswahl, weil der Bewerberpool so groß war. In den vergangenen zwei, drei Jahren hat sich die Situation komplett umgedreht.“

Weniger Lust am Job in der Werkstatt

Dass die Nachfrage nach guten Mitarbeitern im Handwerk mittlerweile viel größer ist als die Zahl der aktiv Jobsuchenden, liegt nicht nur am demografischen Wandel, weiß Wilhelm von Weyhe: „Die handwerklichen Berufe haben das Problem, dass sich nur noch wenige die Hände schmutzig machen wollen.“ Zwei oder drei Auszubildende stellt der Geschäftsführer der Am Donneresch ansässigen Firma Metalldesign H. v. Weyhe jedes Jahr ein, und außerdem gebe es unter den 40 Mitarbeitern immer eine gewisse Fluktuation. Für Arbeitsplätze im Büro, etwa den Beruf des Produktdesigners, gebe es deutlich mehr Bewerber als für Jobs in der Werkstatt.

Suche über Zeitungsanzeige reicht nicht mehr

Die klassische Rekrutierung allein über die Zeitungsanzeige ist längst Vergangenheit. Kreative und an die sozialen Medien angepasste Wege müssen beschritten werden, davon ist Wilhelm von Weyhe überzeugt. Die Berufsinformationstage in den Schulen sind für den Mittelständler unerlässlich, um freie Ausbildungsplätze besetzen zu können. Hinzu komme die Präsenz in digitalen Jobbörsen und Stellenportalen. Auch die sozialen Medien wie Facebook und der Online-Marktplatz Ebay spielten eine immer wichtigere Rolle bei der Mitarbeitergewinnung.

Anforderungen werden heruntergeschraubt

Und das alles in Konkurrenz zu den finanzkräftigen Konkurrenten aus der Industrie oder dem Sektor Handel, Banken, Versicherungen, gibt Hartmut Günnemann zu bedenken. Ausbildungsbetriebe müssen da schon mit den Anforderungen heruntergehen, erklärt Hartmut Wrede, Geschäftsführer der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn: „Wir nehmen bewusst auch Bewerber aus der Hauptschule. Die Theorie müssen wir dann nachjustieren. Entscheidend ist, Lust am Schrauben zu haben.“

Kreative Wege der Personalgewinnung

Wie entscheidend diese zeitgemäßen Kanäle für die gezielte Ansprache von potenziellen Mitarbeitern sind, wurde bei einem Forum der Kreishandwerkerschaft am Donnerstagabend im Haus Adelheide deutlich: Vor rund 70 Innungsmitgliedern zeigte die Personalberaterin Ulrike Winzer auf, wie wichtig es schon für kleine Firmen geworden ist, mit einem klugen Konzept auf der Klaviatur der schier unendlichen Möglichkeiten der Mitarbeiterwerbung zu spielen – von der Stellenanzeige auf der Brötchentüte beim Bäcker bis hin zur Einbettung von Videos in den Onlineauftritt. Emotional, authentisch, konkret bei den Anforderungen und Firmenvorzügen: All diese Kriterien sind laut Winzer bei der Gestaltung der „Mitarbeitergewinnung 4.0“ zu berücksichtigen.


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