Sexuelle Nötigung vor Gericht Küsse im abgeschlossenen Auto in Delmenhorst

Von Ole Rosenbohm

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Vor dem Amtsgericht Delmenhorst wird nun wegen des Vorwurfs auf sexuellen Missbrauch ermittelt. Symbolbild: dpaVor dem Amtsgericht Delmenhorst wird nun wegen des Vorwurfs auf sexuellen Missbrauch ermittelt. Symbolbild: dpa

Delmenhorst. Wegen sexueller Nötigung steht nun ein 33-Jähriger vor dem Amtsgericht Delmenhorst. Er soll eine Frau auf einem Gewerbeparks-Parkplatz bedrängt haben. Er hingegen bestreitet die Tat.

Sexuelle Nötigung wie angeklagt? Nur ein Übergriff in einem minderschweren Fall, wie die Richterin urteilte? Oder ein Freispruch, den neben der Verteidigung sogar die Staatsanwaltschaft forderte? Der Prozess am Mittwoch vor dem Amtsgericht Delmenhorst zeigte, wie hoch die Bandbreite unterschiedlicher Bewertungen eines Sachverhalts sein kann.

Er sagt: freundschaftlicher Kuss

Die Beteiligten widersprechen sich wie so oft bei Sexualstraftatsprozessen. Klar ist nur: Am vergangenen 12. Januar hatte der 33-jährige Angeklagte die junge Frau Anfang 20, beide aus Delmenhorst, auf einem Gewerbegebiets-Parkplatz in seinem Auto geküsst. Er sagt, nur auf die Wange, ein freundschaftlicher Kuss, „ganz normal“ bei zwei, die sich als Nachbarn kennen und schon ab und zu gemeinsam etwas unternommen haben.

Sie sagt: Griff unters Shirt

Sie sagt: nicht nur auf die Wange, sondern auch auf den Hals und auf den Mund. Obwohl sie klar Nein gesagt hatte. Einen Zungenkuss habe sie verhindert, indem sie ihre Lippen zusammenpresste. Und dann habe er sie auch noch unter ihrem Shirt betatscht. Raus habe sie nicht gekonnt, die Türen seien abgeschlossen gewesen. Mehr noch: Sie habe gar nicht einsteigen wollen, als sie sich zuvor an der Bahnhofstraße begegneten. Er habe sie aber am Arm zum Wagen gezogen. Und schon dort habe er sie eingeschlossen, als er kurz Zigaretten kaufen war.

Für eine derartige sexuelle Nötigung unter Gewaltanwendung würde der alle Vorwürfe bestreitende Angeklagte laut Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem bis fünf Jahren kassieren. Doch in diesem Fall rückte das Gericht vom Gewaltvorwurf ab und verschob den strafrechtlichen Rahmen Richtung eines minderschweren sexuellen Übergriffs.

Glaubwürdigkeit steht in Frage

Denn Ungereimtheiten sind vorhanden: Warum hat die angeblich eingesperrte junge Frau nachmittags im Auto auf der Bahnhofsstraße nicht auf sich aufmerksam gemacht oder jemanden angerufen? Warum hat sie ihrem Freund später bei weitem nicht das erzählt, was sie zwei Tage später der Polizei berichtete? Und danach wollte sie ihre Strafanzeige gar wieder zurücknehmen. Auch jetzt noch wolle sie nicht, dass er bestraft wird, sagte sie. Der Anwalt des Angeklagten überlegte, ein Glaubwürdigkeitsgutachten über sie zu beantragen.

Berufungsprozess wahrscheinlich

Aber auch sein Mandant wird sich noch peinlichen Fragen stellen müssen in einem ziemlich wahrscheinlichen Berufungsprozess vor dem Landgericht: Was wollte der Familienvater von der jungen, offensichtlich unsicheren Frau in der hintersten Ecke eines großen Parkplatzes? Und was ist dran, dass er ihr schon Wochen vorher gesagt haben soll, ihre Beziehung sei bald vorbei, sie würde dann ihm gehören?


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