HWK-Geschäftsklima-Index steigt Gute Geschäfte in Delmenhorst – dank Dieselskandal

Von Ole Rosenbohm

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Gerade im Kfz-Handwerk läuft es derzeit gut – auch dank des Dieselskandals. Symbolbild: dpaGerade im Kfz-Handwerk läuft es derzeit gut – auch dank des Dieselskandals. Symbolbild: dpa

Oldenburg/Delmenhorst. Den Handwerksbetrieben im Kammerbezirk Oldenburg, zu dem auch Delmenhorst gehört, geht es gut. Das geht aus der Herbstumfrage unter 411 regionalen Betrieben hervor. Nur an Arbeitnehmern mangelt es an allen Ecken.

Das Handwerk ist in seiner Gesamtheit schon seit einigen Jahren auf Aufschwungs-Kurs, aber die jetzt verkündeten Zahlen sind enorm: Um 19 Zähler auf 142 ist der aktuelle Geschäftsklima-Index gegenüber dem Vorjahr gestiegen – Höchstwert und größte Steigerung in 14 Jahren Umfrage-Geschichte. Für die Ermittlung befragte die Handwerkskammer Oldenburg (HWK) 411 Betriebe im Kammerbezirk. Ergebnis: durch die Bank Zuversicht und Zufriedenheit, alle Branchen berichten laut HWK „von einer hervorragenden Geschäftslage“.

Kfz-Gewerbe top dank Dieselskandal

Antreiber dieser Entwicklung sind das Baugewerbe (138 Indexpunkte/plus 10), das Ausbauhandwerk (148/plus 21) und die Zulieferer für den gewerblichen Bedarf (136/plus 21). Auch das Kfz-Gewerbe brummt (139/plus 24), Dieselskandal und den damit verbundenen Umrüstungen zum Dank. Den größten Sprung machten die Gesundheitshandwerke (130/plus 33), allerdings kommend von einer eher unzufriedenen Stimmungslage. Kein so schlechtes Schlusslicht ist das Nahrungsmittelgewerbe mit immerhin auch positiver Entwicklung (125/plus 5).

Gegen den Trend

Die guten Zahlen, sagte Kammerpräsident Manfred Kurmann, seien auch deshalb bemerkenswert, weil im Herbst sonst immer eine deutlich gedämpftere Stimmung im Gegensatz zum euphorischeren Frühjahr herrsche. Es läuft halt: Die Kammer rechnet für 2018 mit einem Wachstum im Handwerk von drei Prozent. Und sie rückt auch nicht von der Zahl ab, obgleich die Wirtschaftsweisen der Bundesrepublik ihre Wachstumsprognose gerade nach unten korrigiert hatten.

Investitionen angekündigt

Und wann geht’s wieder runter? Erstmal nicht, glaubt die Kammer. Hauptgeschäftsführer Heiko Henke sagt, der hohe Arbeitnehmerstand belebe den Binnenmarkt, und das Ende des Baubooms sei angesichts des knappen Wohnraums auch nicht abzusehen. So habe die Landesregierung ja gerade Investitionen in den Sozialen Wohnungsbau von 500 Millionen Euro angekündigt. Ein Problem dabei sei lediglich: Es gibt zu wenig Bauplätze.

Mehr Beufsorientierung gefordert

Ein zweites Problem ist der offenbar immer weiter voranschreitende Mangel an Arbeitskräften. So wolle jeder zweite an der Umfrage beteiligte Betrieb neue Mitarbeiter einstellen. Mitarbeiter, die der Markt in der Gesamtheit aber nicht hergibt. Die HWK fordert in diesem Zusammenhang mehr Berufsorientierung an Schulen, vor allem an Gymnasien. Praktisch veranlagten Schülern sollten mehr Möglichkeiten aufgezeigt werden. Und vielleicht sollte man „auch mal wieder den uralten Werkunterricht machen“, sagte Henke.

Am Menschen orientiert

Aus der Praxis berichtete bei der Vorstellung der Umfragezahlen der Oldenburger Augenoptiker Stefan Dieker („Die Diekers Brillenladen“, „Dika Eyewear“): Bewerbungen auf eine Ausbildung etwa seien äußerst selten, sagte Dieker. Dabei sei sein Beruf spannend wie kein zweiter und angesichts von einem ständig steigenden Anteil von Brillenträgern (aktuell laut Dieker 60 Prozent in Deutschland) auch zukunftsträchtig: „Wir sind Händler, Handwerker, arbeiten mit Menschen und müssen modisch orientiert sein.“ So eine Vielfalt könne kaum ein zweiter Beruf bieten.


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