CSM Bakery Solutions Donut-Riese investiert in Delmenhorst

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Delmenhorst. Bis zu 70.000 Donuts in der Stunde laufen bei CSM Bakery Solutions in Delmenhorst vom Band. Der Standort blickt auf eine bald 110-jährige Geschichte zurück.

Als Hermann Petersen im Jahr 1910 seine Margarinefabrik in Delmenhorst gegründet hat, da hätte selbst der weitsichtige Unternehmer wohl kaum daran gedacht, dass knapp 110 Jahre später am selben Standort noch immer Margarine produziert wird. Und das dort, wo alles begann, heute in einer Stunde bis zu 70000 Donuts vom Band laufen können. Donuts dürfte er auch noch gar nicht gekannt haben.

Gründergeist legt Grundstein

Petersens Gründergeist legte aber den Grundstein dafür, dass von Delmenhorst aus Waren über die Grenzen Deutschlands hinaus geliefert werden. Der Standort Delmenhorst, gelegen zwischen Bremer Feld und Bremer Straße, gehört heute zu CSM Bakery Solutions, einem international führenden Unternehmen der Backwarenindustrie. Horst von Soosten, seit Mai 2017 Niederlassungsleiter in Delmenhorst, kennt die Firmengeschichte und die Verbundenheit des Traditionsstandorts mit Delmenhorst. Und er ist in der neuen Welt zuhause, eine Welt, in der zwar noch immer Margarine produziert wird, in der sich die Produktionstechnik aber immer weiter entwickelt hat. „Etwa 50.000 Tonnen Margarinen und Fette stellen wir pro Jahr her“, erläutert von Soosten. Kunden sind vor allem Bäckereien. Margarine, Fette, Öle, Trennmittel, das ist eine tragende Säule von CSM in Delmenhorst. Und es gibt eine zweite: „In unserer Tiefkühlfabrik stellen wir das her, was heute als ,American Bakery‘ bezeichnet wird, vor allem Donuts in allen Formen und Farben. Aber auch klassische Tiefkühlbackwaren wie Croissants, Berliner, Quarkbällchen und vieles mehr entstehen in diesem Teil der Produktion“, sagt von Soosten. CSM beliefert zum Beispiel große Discounter- und Fast-Food-Ketten. „Wir sind der größte Donut-Hersteller Europas und liefern unsere Produkte europaweit“, betont von Soosten und ergänzt: „Man kann davon ausgehen, dass jeder Bürger in Deutschland schon einmal ein Produkt aus unserem Haus im Mund gehabt hat.“

Fachkräfte dringend gesucht

Damit die Nachfrage nach Margarine und süßen Leckereien gestillt werden kann, beschäftigt CSM in Delmenhorst 400 Mitarbeiter, 350 davon sind fest angestellt, zehn befinden sich derzeit in einer Ausbildung. „In den vergangenen Jahren haben wir Kollegen, die als Leiharbeiter bei uns beschäftigt waren, mit CSM-Verträgen ausstatten können. In diesem Jahr 40, 2017 sogar 47 Kollegen“, sagt von Soosten. Mitunter habe man aber das Problem, dass es an Fachkräften mangele. Zuletzt habe man lange nach einem Elektriker gesucht.

Die Donut-Produktion ist stetig erweitert worden. Heute zählt die Anlage zu den größten in Europa. Die Arbeitswoche startet im Schichtsystem am Sonntag um 22 Uhr und endet am darauffolgenden Sonntag um 6 Uhr. So stehen die Bänder nur für wenige Stunden still.

Um am Markt bestehen zu können, sei Innovation unerlässlich. Immer wieder gelte es, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Gebäck passend zu Disney-Produktionen wie „Frozen“ und „Star Wars“ oder zur Kultserie „Die Simpsons“ nennt von Soosten als Beispiele. Trends müsse man im Blick haben. „Der Weg führt zurzeit weg vom Massenprodukt hin zu einem Premiumprodukt, das zwar industriell hergestellt ist, aber wie ein handwerklich gemachtes Produkt aussieht.“ Auch Kundenwünsche komme man nach, Gebäck, in dem Zucker und Salz reduziert werden, zum Beispiel, auch da suche man nach Neuerungen.

Hohe Investitionen für 2019 angekündigt

Neue Ideen sind oft auch mit Investitionen verbunden. „Im kommenden Jahr investieren wir in Delmenhorst rund 3,5 Millionen Euro. Wir wollen die Verpackungen für Donuts verändern. Kleinere Einheiten – ein, zwei oder drei Donuts – können so direkt im Werk verpackt werden“, sagt von Soosten. Man schaue dabei darauf, wie man Umweltstandards verbessern kann. „Wir werden durch die Investition viel weniger Verpackungsmüll erzeugen“, sagt von Soosten. Zusätzlich werde eine Summe von 500.000 bis 1 Million Euro für weitere Effizienzsteigerungsmaßnahmen zur Verfügung stehen. „Diese Summen zeigen auch, dass wir an den Standort Delmenhorst glauben. Die Investitionen deuten in die Zukunft“, sagt der 41-jährige von Soosten. Erweitern könne man am Standort zwar nicht mehr, die maximale Bebauung sei erreicht. „Aber wir können immer besser und effizienter werden.“ Effizienter, das Stichwort gilt dabei auch beim Energieverbrauch. „Wir nutzen ein Blockheizkraftwerk, das der Stadt gehört. Wir sind derzeit im Austausch, ob das Kraftwerk erweitert werden kann. Auch über das Thema Fotovoltaik denken wir aktuell nach.“

Bekenntnis zum Standort Delmenhorst

Den Standort verlegen, auf die grüne Wiese? Das sei nicht einmal ein Gedankenspiel. Man fühle sich in Delmenhorst sehr wohl, sagt von Soosten, der selbst auch in die Stadt gezogen ist. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass das Werk in einem Mischgebiet stehe, also in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnhäusern. „Wir befinden uns im kontinuierlichen Austausch mit den Nachbarn“, sagt der Niederlassungsleiter. Es habe auch vereinzelt Beschwerden gegeben, über Lärm und Geruch. „Wir halten die Grenzwerte ein, das ist uns erst kürzlich wieder in einem Gutachten bestätigt worden. Wenn Klagen kommen, suchen wir natürlich nach schnellen Lösungen.“

Für Delmenhorst spreche auch der gute Austausch mit der Stadt und der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft. „Und nicht zuletzt sprechen auch die Zahlen für Delmenhorst: Wir gehören zu den drei größten Standorten unseres Unternehmens, zählen zu den produktivsten Werken und erzielen Gewinne“, sagt von Soosten.

Bis zu 70.000 Donuts pro Stunde laufen bei CSM Bakery Solutions in Delmenhorst vom Band. Foto: Marco Julius

Der Niederlassungsleiter erinnert sich gut an seine ersten Tage im Werk. „Das war für mich ein Nach-Hause-Kommen. Der Geruch, endlich wieder Teig. Ich bin ja gelernter Bäcker, habe den Ingenieur für Lebensmitteltechnologie draufgesattelt“, sagt der Chef. Über ein Jahrzehnt hat er in einem anderen großen Unternehmen im Bereich Frühstückscerealien gearbeitet. Da hat er den „Backstubengeruch“ dann doch vermisst. Über so viel Liebe zum Beruf hätte sich wohl auch Hermann Petersen gefreut, mit dem 1910 alles seinen Anfang nahm.


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