Gedenken an Reichspogromnacht Jüdische Gemeinde Delmenhorst warnt vor neuer Gewalt

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Pedro Benjamin Becerra ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst. Archivfoto: Heike BentrupPedro Benjamin Becerra ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst. Archivfoto: Heike Bentrup

Delmenhorst. Die Jüdische Gemeinde Delmenhorst lädt zur Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht. Der Vorsitzende der Gemeinde, Pedro Benjamin Becerra, sieht das Wiedererstarken des Antisemitismus mit großer Sorge.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 haben organisierte Schlägertrupps der Nazis jüdische Geschäfte und Synagogen in Brand gesetzt – und das flächendeckend und auch in Delmenhorst. Juden wurden misshandelt, verhaftet, getötet. Mit einer Gedenkveranstaltung erinnert die Jüdische Gemeinde Delmenhorst am Freitag, November, ab 11 Uhr an der Lousienstraße 34 an die Reichspogromnacht. Der Vorsitzende der Gemeinde, Pedro Benjamin Becerra, sieht das Wiedererstarken des Antisemitismus mit großer Sorge.

dk: Herr Becerra, welchen Stellenwert hat das Gedenken an die Reichspogromnacht heute, nach 80 Jahren, für die Jüdische Gemeinde?

Für die Jüdische Gemeinde Delmenhorst, aber auch für die jüdische Gemeinschaft weltweit, ist dieser Tag von großer Bedeutung. Er ist wichtiger Teil unserer Erinnerungskultur. Fünf Jahre nach der Machtübernahme haben die Nazis in dieser Nacht vor 80 Jahren endgültig gezeigt, dass Antisemitismus und Rassismus bis zum Mord zu ihrem Programm gehören. Diese Nacht war so etwas wie der offizielle Beginn der Shoah, der Beginn des Völkermords.

Wir leben heute in Zeiten, in der das Gedenken nicht nur den Blick zurück wichtig erscheinen lässt.

Manchmal habe ich das Gefühl, wir erleben gerade eine Renaissance der späten Weimarer Zeit. Rechtspopulisten und Faschisten sitzen in vielen Regierungen Europas, in Deutschland sind Rechte in den Parlamenten vertreten. Wir erleben ein Wiedererstarken des Antisemitismus. Die Gewaltbereitschaft gegenüber Juden, aber auch gegenüber anderen Minderheiten nimmt zu. Die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis wachzuhalten ist wichtig. Wichtig ist aber auch, heute ein Zeichen zu setzen für Vielfalt. Die Aufgeklärten müssen Farbe bekennen und ihre Stimme erheben.

Wo kann man ansetzen, damit Menschen nicht den Parolen der Rechten folgen?

Wir müssen junge Menschen stärker für Geschichte interessieren, damit sie aus der Geschichte lernen können. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. In Delmenhorst sind wir da auf einem guten Weg. Schüler der IGS beteiligen sich zum Beispiel jedes Jahr an den Gedenkveranstaltungen. Das finde ich ganz toll, das ist ein Zeichen. Wir dürfen nicht resignieren und denken, der Zug sei schon abgefahren. Wir müssen auf allen Ebenen zeigen, wie wichtig die Vielfalt ist: sexuell, kulturell, religiös. Ausgrenzung, weil jemand anders ist, das ist der falsche Weg. Das muss schon in Schulen deutlich gemacht werden.


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