Prozess gegen Niels Högel Josef-Hospital Delmenhorst fordert von Justiz volle Härte

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Der wegen vielfachen Mordes angeklagte Niels Högel steht in Oldenburg vor Gericht. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpaDer wegen vielfachen Mordes angeklagte Niels Högel steht in Oldenburg vor Gericht. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Delmenhorst. Auf dem Weg in eine finanziell sichere Zukunft sieht JHD-Geschäftsführer Friedel das Krankenhaus auf Kurs. Die Aufklärung der Morde Högels habe auch eine zentrale Bedeutung für das JHD.

Der Prozessbeginn gegen den Serienmörder Niels Högel, der auch den Namen des Klinikums in Delmenhorst wieder vermehrt in die Öffentlichkeit gebracht hat, hat laut Florian Friedel, Geschäftsführer des Josef-Hospitals Delmenhorst, keine Auswirkung auf die aktuellen Belegzahlen des Hauses. Auf dem Weg, das Krankenhaus wieder auf eine finanziell sichere Basis zu stellen, sei man voll im Plan. So habe man den Erlös pro Belegtag steigern können. „Da sind wir sogar schon weiter, als wir für diesen Zeitpunkt geplant hatten“, sagt Friedel. Detailliertere Ausführungen zum Stand der JHD-Entwicklung gibt der Geschäftsführer am Donnerstag, 8. November, in der öffentlichen Ratssitzung (18 Uhr, Markthalle).

Dass Högel nun in Oldenburg erneut vor Gericht steht, begrüßt Friedel. Auch Dr. Frank Starp, Ärztlicher Direktor des JHD, sagt: „Es ist für uns von zentraler Bedeutung, dass die Taten von Niels Högel vollständig aufgeklärt werden. Das ist ein wichtiges Signal für die Öffentlichkeit. Auch für die Angehörigen ist es wichtig, dass die Justiz hier mit aller Härte vorgeht.“

Sicherheitsnetz geknüpft

Wenn man im Detail verstehe, was damals vorgegangen sei, könne man darüber hinaus auch grundsätzliche Erkenntnisse gewinnen, wie sich die Patientensicherheit in deutschen Kliniken weiter verbessern ließe. Am JHD habe man inzwischen ein umfassendes Sicherheitsnetz aus Maßnahmen geknüpft, das im Verlaufe der Jahre immer größer und stabiler geworden sei. „Dazu gehört unter anderem die qualifizierte Leichenschau, die Delmenhorst bundesweit als erstes Krankenhaus eingeführt hat“, sagt Starp. Nach dem Tod eines Patienten werde nicht nur, wie sonst üblich, die Todesbescheinigung durch den den behandelnden Arzt ausgestellt. Es erfolge nun eine zusätzliche Leichenschau durch einen externen Rechtsmediziner.

Hinzu kämen unter anderem weitere Maßnahmen wie „Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen, ein Whistleblowing-System und die statistische Aufarbeitung des Arzneimittelverbrauches“.

Signal andie Familien der Opfer

Dem Ärztlichen Direktor ist es wichtig, noch einmal ein deutliches Signal Richtung Familien der Opfer zu senden: „Uns ist bewusst, wie schwierig die Situation für die Angehörigen ist. Ihnen allen gilt nach wie vor unser Mitgefühl. Ich möchte daher noch einmal anbieten, dass wir jederzeit gesprächsbereit sind.“

Er persönlich sei zu Zeiten Högels noch nicht im Haus gewesen, habe aber in den vergangenen Monaten bereits ein Treffen mit Angehörigen gehabt. „Ich hatte den Eindruck, dass das Besprechen einiger offener Fragen und die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema für die Betroffenen eine emotionale Hilfe war“, sagt Starp.

Aus Fall Högel Lehren gezogen

Das Krankenhaus an der Wildeshauser Straße habe durch die Taten Högels sicherlich Patienten verloren. „Die möchten wir nun auch wieder zurückgewinnen“, betont Starp. „Wir spüren aber keinen grundsätzlichen Vertrauensverlust in der Bevölkerung“, sagt der Ärztliche Direktor. Die überwiegende Zahl der Menschen in Delmenhorst und der Umgebung stehe nach wie vor zum Krankenhaus und wisse, „was für hervorragende Arbeit unsere Mitarbeiter Tag für Tag leisten“. „Wir alle haben aus diesem Fall gelernt. Auch die Mitarbeiter sind sensibilisiert und achten verstärkt auf Warnsignale“, sagt Starp.


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