Aktionstag in der Markthalle Delmenhorster kämpfen gegen Plastik in der Hautcreme

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Viel zu schnell landen Lebensmittel heute in der Tonne. Wann sie noch gut sind und wo sie am besten im Kühlschrank gelagert werden, um lange zu halten, wurde am Stand des Regionalen Umweltzentrums Hollen erklärt.  Foto: Bettina Dogs-PrößlerViel zu schnell landen Lebensmittel heute in der Tonne. Wann sie noch gut sind und wo sie am besten im Kühlschrank gelagert werden, um lange zu halten, wurde am Stand des Regionalen Umweltzentrums Hollen erklärt.  Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. In Delmenhorst werden täglich 100 Tonnen Müll entsorgt. In der Markthalle haben neun Verbände am Mittwoch, 7. November, gezeigt, wie dramatisch die Situation inzwischen ist – und was jeder Einzelne tun kann, um Müll zu vermeiden.

Kniffe für die Abfallvermeidung im Alltag waren das zentrale Thema in der Markthalle am Mittwoch. Dazu haben Fachleute gezeigt, wie sie verhindern, dass es pro Tag in Delmenhorst zu wahren Müllbergen kommt – wie Christoph Sander. Der hat sich in den letzten vier Jahren eine Sache angewöhnt: Sich nicht entmutigen zu lassen, wenn etwas hartnäckig versiegelt ist. „Früher konnten Sie alle Geräte problemlos aufschrauben. Heute ist es fast unmöglich, ohne Probleme in das Innere eines elektrischen Gerätes vorzudringen“, sagt der Delmenhorster Rentner. Zahlreiche Methoden hat er in den vergangenen Jahren entwickelt, um Gehäuse zu öffnen, die der Hersteller eigentlich verschlossen halten wollte. „Für alles habe ich inzwischen mein Spezialwerkzeug“, sagt er. „Und wenn etwas verklebt ist, dann breche ich es eben auf.“

„Die Industrie will nicht, dass man noch an die Geräte rankommt“

Die Mission von Christoph Sander ist ehrgeizig. Zusammen mit seinen Mitstreitern repariert der Rentner ehrenamtlich elektrische Küchenmaschinen, Staubsauger, Waschmaschinen oder Wohnzimmerlampen, um so vor allem eines zu bewirken: Dass weniger Müll entsteht. „Die Industrie will nicht, dass man noch an die Geräte rankommt. Das ist die Problematik dahinter“, ist er überzeugt. Für Karl- Günter Ziesmer, dem Initiator des Delmenhorster Repair-Cafés, in dem die kaputten Gerätschaften wieder funktionstüchtig gemacht werden, ein Verbrechen. „Wo landet denn der ganze Schrott? Entweder im Meer oder in Afrika, wo er verbrannt wird, ohne dass sich irgendjemand um die gesundheitlichen oder umweltlichen Auswirkungen schert.“

Zusammen mit acht weiteren Organisationen und Verbänden haben Sander, Ziesmer und ihre Mitstreiter gestern Vormittag in der Markthalle gezeigt, was für schwerwiegende Folgen Müll auf unser Leben hat. Unter der Regie von Monika Grenzdörfer vom Fachdienst Umwelt hatte die Stadt zum achten Mal einen Aktionstag veranstaltet, um Wege aus der zunehmenden Vermüllung der Welt aufzuzeigen. Ob Mikroplastik, Lebensmittelverschwendung, Resteverwertung oder Auswirkung auf Tiere und Natur – umfangreich und detailliert haben die Aussteller über die Auswirkung von Müll und Abfall auf die weltweite Gesellschaft informiert.

Plastik in allen Pflegeprodukten

„Seit über zehn Jahren bin ich aus ethischen Gründen Vegetarier“, schildert Werner Klaus von den Grünen. „Da setzt man sich mit allen Lebensmitteln bewusst auseinander.“ Und auch damit, wie sie verpackt seien. Allerdings ist zunehmender Müll nicht nur ein Problem von in Plastik verpackten Lebensmitteln. „In fast allen konventionellen Kosmetik- und Pflegeprodukten, die wir täglich nutzen, sind Kunststoffe drin“, erklärt Klaus. Ob Duschgel, Haarshampoo, Peeling oder Gesichtscreme: „Als Mikroplastik landet es in unseren Meeren und schließlich in unseren Körpern.“

Computer für Hartz-IV-Empfänger herrichten

Dass ein bewusster Umgang mit Abfall schon in den eigenen vier Wänden stattfinden sollte, meint auch der SPD-Landtagsabgeordnete Deniz Kurku: „In Delmenhorst produzieren wir jeden Tag 100 Tonnen Müll.“ Mit einem veränderten Konsumverhalten könne jeder Einzelne dazu beitragen, diese Massen einzudämmen. „Auch, in dem er alte oder kaputte Geräte bei uns abgibt“, sagt Avni Peci vom PC-Team Nordwolle. In dem vom Jobcenter und dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft initiierten Projekt werden alte Computer und andere Elektrogeräte repariert und kostenlos an Hartz-IV-Empfänger weitergegeben. Peci: „So tun wir einerseits etwas Gutes, andererseits vermeiden wir so Müll.“ Mehr als sechs Tonnen Elektroschrott seien in diesem Jahr bereits aufbereitet worden.

Wie Christoph Sander, der mithilfe eines elektrischen Schaltkreises versucht, der Wegwerfgesellschaft an diesem Vormittag die Stirn zu bieten. „Meinen Enkeln habe ich die Zusammenhänge schon beigebracht“, sagt er. Damit die sich auch einmal selbst zu helfen wüssten. „Und nicht alles gleich auf den Müll schmeißen. Denn das meiste gehört da noch gar nicht hin.“


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