Junge Männer vor Landgericht Schlagen, treten, abziehen: Delmenhorster verurteilt

Von Ole Rosenbohm

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Mehrmals beraubten die Täter Opfer. Symbolfoto: dpaMehrmals beraubten die Täter Opfer. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Wegen Körperverletzung und Nötigung standen nun junge Delmenhorster vor dem Landgericht Oldenburg. Sie wurden zu einer Bewährungs- und einer Haftstrafe verurteilt.

Gefährliche Körperverletzung, schwere räuberische Erpressung, Raub und Nötigung: Das Landgericht Oldenburg hat zwei Delmenhorster im Alter von je 21 Jahren zu Gefängnis- und Bewährungsstrafen verurteilt. Ein 17-jähriger Delmenhorster wurde freigesprochen.

Kopfnuss und Spazierfahrt

Die erste der drei verhandelten Taten beging einer der 21-Jährigen alleine: Er hatte einem Gleichaltrigen in Delmenhorst im Sommer 2017 eine Kopfnuss verpasst und ihn zu einer Spazierfahrt zwingen wollen – Körperverletzung und Nötigung. Tage später das selbe Opfer: Diesmal wurde der eingeschüchterte junge Mann 70 Euro los. Während der Haupttäter das Geld im Auto des Opfers suchte, hielt der mitangeklagte 21-Jährige das verängstigte Opfer in Schach: Er komme aus dem Knast, sei gut bekannt mit Mafia-Clans. Ein gemeinschaftlicher Raub.

Extra harte Schlaghandschuhe

Zu dritt die dritte Tat. Diesmal in Bremen in einer Novembernacht, diesmal zulasten eines 40-Jährigen. Ein brutaler Überfall: Das Opfer wurde vom Haupttäter ins Gesicht getreten mit einem extra harten Schlaghandschuh auch mindestens dreimal geschlagen. Handy, Papiere und vielleicht Geld (das nicht gefunden wurde) nahm er nach Erkenntnissen des Gerichts seinem bewusstlosen und zerschundenen Opfer, das sich noch heute in psychologischer Behandlung befindet, ab. Eine besonders schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung.

Glück für 17-Jährigen

Für alle drei Taten verurteilte das Gericht den geständigen Angeklagten zu einer Jugendstrafe von 22 Monaten Haft auf Bewährung. „Sie haben Glück gehabt, Sie hätten auch einfahren können“, sagte Richter Dirk Reuter. Auch der 17-Jährige hatte Glück – wieder mal. Dieses Verfahren war schon sein viertes. Bisher wurden die Verfahren wegen Körperverletzungen und Sachbeschädigungen eingestellt, jetzt konnte man ihm eine Tatbeteiligung nicht nachweisen. Freispruch, obwohl er Beutestücke eingesteckt hatte – angeblich auf der Flucht vom 21-jährigen Haupttäter übergeben.

Haft-Schicksal mit Tat besiegelt

Der dritte im Bunde, der andere 21-Jährige, muss in Haft, weil er bereits eine zweijährige Bewährungsstrafe für Garagen- und Keller-Einbrüche offen hatte. Mit seiner Beteiligung am 70-Euro-Raub in Delmenhorst hatte er sein Schicksal so bereits besiegelt, sagte Richter Reuter – höher als zwei Jahre darf keine Bewährungsstrafe verhängt werden. Da war die Frage, ob er das Opfer in Bremen mit einem Tritt zu Fall gebracht hatte, gar nicht mehr so entscheidend, obwohl genau darum an drei Verhandlungstagen gerungen wurde. Der Angeklagte selber beschwor, abseits gestanden und telefoniert zu haben. Aber ein Zeuge widersprach. Und der wirkte glaubwürdig, auch wenn er die beiden Täter zunächst verwechselte.

2000 Euro Schadensersatz

Drei Jahre muss der junge Mann jetzt ins Jugendgefängnis, inbegriffen sind die zwei Jahre Haft aus dem früheren Verfahren. Die Staatsanwaltschaft hatte nur zwei Jahre und acht Monate beantragt. Das Opfer aus Bremen trat als Nebenkläger auf. Er soll jetzt 2000 Euro Schadensersatz vom Haupttäter erhalten, zahlbar in 25-Euro-Monatsraten. Vielleicht nicht beeindruckend viel Geld, aber der Mann wirkte nach dem Prozess schon so, als sei ihm eine Last abgenommen worden.


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