Landgericht spricht Angeklagten frei Delmenhorster Richter sagt als Zeuge in Drogenprozess aus

Von Ole Rosenbohm

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Geldstrafe statt Haft: Das Landgericht befand einen 55-jährigen Delmenhorster nicht für schuldig, seinen Söhnen Haschisch gegeben zu haben. Symbolfoto: Michael GründelGeldstrafe statt Haft: Das Landgericht befand einen 55-jährigen Delmenhorster nicht für schuldig, seinen Söhnen Haschisch gegeben zu haben. Symbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst/ Oldenburg. Mit einer Geldstrafe anstelle von fast drei Jahren Haft hat ein Delmenhorster eine Berufungsverhandlung verlassen. Das Landgericht schenkte dem 55-Jährigen mehr Glauben als seinen zwei Söhnen und seiner Ex-Frau, die ihn beschuldigten, die damals Minderjährigen mit Cannabis versorgt zu haben.

Dass Richter vor anderen Richtern als Zeugen aussagen, kommt nicht oft vor, das Landgericht Oldenburg erlebte aber am Dienstag so einen Fall. In der Berufungsverhandlung gegen einen 55-jährigen Delmenhorster war ein Richter des Amtsgerichts Delmenhorst als Zeuge nötig geworden, um von der erstinstanzlichen Aussage des Hauptbelastungszeugen zu berichten. Denn anders als vor dem Amtsgericht, wollte der jetzt im Berufungsprozess nicht mehr reden. Musste er als naher Verwandter auch nicht: Der Angeklagte ist sein Vater.

Nur Geldstrafe wegen Haschischfund bleibt

Dieser Vater erlebte jetzt nach viel Frust einen guten Tag im Gericht. Hatte ihn der (aussagende) Richter wegen der Weitergabe von Drogen an Minderjährige noch zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, wurde der 55-Jährige in Oldenburg freigesprochen – abgesehen von einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen a 20 Euro, weil Polizisten bei der Wohnungsdurchsuchung ein Plastiktütchen mit 0,7 Gramm Haschisch gefunden hatten.

Sohn berichtete von Cannabis im Wohnzimmerschrank

Angeklagt und verurteilt wurde er aber wegen viel mehr. Basierend auf der Aussage des heute 19- und zur Tatzeit 17-jährigen Sohnes (die der Delmenhorster Richter jetzt wiederholte) soll nämlich der Vater stets eine große Tüte Cannabis bei sich im Wohnzimmerschrank gelagert und diese monatlich neu aufgefüllt haben. Und der Sohn habe sich dort mit Billigung des Angeklagten bedienen dürfen.

Jahrelange Gefechte vor dem Familiengericht

Es war wohl anders, ist das Landgericht überzeugt. Und auch, dass die den Angeklagten belastenden Aussagen kaum glaubhaft erschienen – weder vom wohl wegen exzessiven Drogenmissbrauchs psychisch kranken Belastungszeugen, noch von dessen jüngerem Bruder, noch von dessen Ex-Ehefrau, mit der sich der Angeklagte jahrelange Gefechte vor dem Familiengericht liefern musste. Vielmehr schenkte es der Haushaltshilfe des Angeklagten Glauben, die aussagte, niemals Drogen in der Wohnung gesehen zu haben – nur im Zimmer des nur für einen Monat beim Angeklagten wohnenden Sohnes. Und es sah die Bemühungen des Vaters, den damals 17-Jährigen von seiner Psychose zu befreien – belegt durch mehrere Arzt- und Jugendamtsbesuche. Einmal holte er sogar die Polizei. „Schwer vorstellbar, dass das ein Straffälliger machen würde“, sagte sein Anwalt.

Fast hysterische gegenseitige Vorwürfe

Mehr als nach Drogenprozess sah der Fall ohnehin nach Familientragödie aus. Mutter und Vater überhäufen sich seit Jahren (und auch jetzt vor der Richterin) mit für Beobachter fast hysterischen gegenseitigen Vorwürfen, ein Sohn ist schwer krank, der andere hat sich vom Vater losgesagt – und der Vater auch vom Sohn.


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