Wenn die Kleinsten schwänzen Forum zum Umgang mit Schulmeidung in Delmenhorst eingerichtet

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Delmenhorst. Der Umgang mit Schulmeidung stellt eine große Herausforderung dar, sagt die Stadt. Die Gründe für Schulmeidung seien vielfältig, aber es gebe immer Lösungsmöglichkeiten.

Es gibt Grundschulkinder, die den Unterricht schwänzen, weil sie zuhause ihre kranke Mutter pflegen. Es gibt Kinder, die dem Unterricht fern bleiben, weil sie Angst haben, in der Schule gemobbt zu werden. Oder die Sorge, dass sie den Unterrichtsstoff nicht bewältigen können. Es gibt Grundschüler, deren Eltern den Stellenwert der Schule trotz Schulpflicht noch nicht erkannt haben. Es gibt viele Gründe – und es gibt zu viele Schulmeider. Auch – und im Vergleich zu anderen Kommunen gerade – in Delmenhorst.

Hohe Dunkelziffer

40, 50 Fehltage im Schuljahr, in Einzelfällen sogar über 100: „Das Thema Schulmeidung ist dauerhaft aktuell und verbreiteter als viele Menschen ahnen. Die Fallzahlen steigen auch in unserer Stadt seit Jahren an. Und dies bereits bei Grundschülern“, sagt der Fachbereichsleiter Hero Mennebäck. Allein im Schuljahr 2016/17 sind 120 Bußgeldverfahren gegen Eltern von jungen Schulmeidern eröffnet worden. „Und die Dunkelziffer der Schulmeider an Grundschulen ist noch viel höher. Viele Kinder fehlen auch entschuldigt, obwohl sie nicht krank sind“, sagt Mennebäck.

Die Stadt reagiert auf das Problem und hat ein Beratungsforum für Beschäftigte aus Schulen und der Jugendhilfe eingerichtet. In dem Forum sind Experten versammelt. Experten wie Julia Fokken, Leiterin der Grundschule Am Grünen Kamp, sowie Vertreter der Sozialarbeit an Schulen, der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt und der Koordinierungsstelle Kinderschutz, die Christian Berends vertritt. Für ihn lautet die Kernfrage: „Wie schaffen wir es, Kinder wieder an einen regelmäßigen Schulbesuch heranzuführen?“ Denn es sei klar, dass die Grundschule für die Kinder ein guter Einstieg in die Schullaufbahn und nicht der Beginn einer problembehafteten „Schwänzerkarriere“ sein soll. „In der Grundschule fangen Dinge an und verfestigen sich, da wollen wir frühzeitig eingreifen.“

Gemeinsam Ideen für neue Perspektiven entwickeln

In dem Beratungsforum können Fälle anonymisiert vorgestellt werden. Dann werden gemeinsam Ideen für neue Perspektiven entwickelt. „Da sind stets individuelle Lösungen gefragt“, sagt Julia Fokken. Erfahrungen hätten bereits gezeigt, dass es Lösungen gibt. Der Umgang mit Schulmeidung stelle für Lehrerinnen und Lehrer, Sozialarbeit an Schulen, Jugendhilfe, die betroffenen Schülerinnen und Schüler selbst sowie Eltern eine große Herausforderung dar. „Wichtig ist, dass alle Akteure konstruktiv an einer Lösung arbeiten, um wieder einen regelmäßigen Schulbesuch zu erreichen“, betont Mennebäck. Das gehe meist nur über die Eltern. „Es gibt Eltern, denen klar gemacht werden muss, dass es nicht allein die Schulpflicht ist, die den Schulbesuch notwendig macht. Schule ist ein Lernort, sie schafft soziale Kontakte“, sagt Berends. Das Agieren in der Gruppe sei wichtig für die Entwicklung der Kinder. Schulleiterin Fokken ergänzt: „Wir müssen den Stellenwert der Schule in vielen Fällen deutlich herausstellen.“ Erste Erfahrungen zeigen laut Fokken, dass Eltern die ihnen im Einzelfall gebotene Hilfe dankbar annehmen. „Aber es gibt auch Fälle, in denen Eltern abweisend reagieren. ,Es ist mein Kind‘, heißt es dann“, sagt die Schulleiterin. Im Gegensatz zu älteren schwänzenden Schulkindern seien bei den Grundschülern 99,9 Prozent der Eltern darüber informiert, dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen. Sie decken die Schulmeidung oder verhindern sie zumindest nicht. Oft helfe es, den Familien Unterstützung zu bieten. „In Delmenhorst gibt es ein großes Netz“, sagt Mennebäck.

„Studien haben gezeigt, dass rechtzeitiges Handeln im Grundschulalter massive Verläufe von Schulmeidung in der weiteren Schullaufbahn verhindern kann“, betont der Fachbereichsleiter. Dort setze das Forum nun an.


Die Fachberatung zum Thema Schulmeidung wird an jedem zweiten Dienstag im Monat von 14.30 bis 15.30 Uhr in der Grundschule Am Grünen Kamp angeboten. Der nächste Termin ist am 13. November. Anmeldungen nimmt Christian Berends vom Allgemeinen Sozialen Dienst, Fachstelle Kinderschutz, unter (04221) 992530 oder per E-Mail an koordinierungsstellekinderschutz@delmenhorst.de an.

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