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07.11.2018, 09:23 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Adventskalender – Türchen zur Kindheit

Von Marco Julius

Adventskalender liegen im Trend. Dabei heißt es: Schokolade kann, muss aber nicht. Symbolfoto: Michael GründelAdventskalender liegen im Trend. Dabei heißt es: Schokolade kann, muss aber nicht. Symbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst. Keine 50 Tage sind es mehr bis zum Fest der Liebe. Weihnachten – kaum ein Fest fördert so viel Irrsinn zutage. Nehmen wir nur den Adventskalender. Eine neue Folge Quergedacht.

Den rätselhaften, ja oft widersprüchlichen Irrsinn der Welt zu akzeptieren und auszuhalten, ohne ihn immer gleich durchschauen zu können, das ist eine Fähigkeit, die bereits der englische Dichter John Keats im 19. Jahrhundert ausgiebig pries. Tut hier aber nichts zur Sache. Als die ersten Geschäfte aufmachten, die ganzjährig Weihnachtsartikel feilboten, da war das noch ein echtes Kuriosum, so wie Mitte der neunziger Jahre im Bremer Schnoorviertel. Heute hat man sich längst daran gewöhnt, dass es auch im Sommer überall schon Lebkuchen gibt. Und all der Schabernack soll nicht etwa helfen, die Zeit zu verkürzen, bis endlich die Bescherung beginnt. Nein, das Weihnachtsfest soll einfach auf Dauer gestellt werden. Weihnachten, so lang es eben geht. Hyggelig, schön gemütlich. Das Türchen zur eigenen Kindheit soll bitte immer ein wenig offen stehen.

Ein Kasten Bier

Das zeigt sich auch daran, dass die Verkaufszahlen von Adventskalendern von Jahr zu Jahr steigen. Und dabei werden längst deutlich mehr Kalender für Erwachsene als für Kinder verkauft. Sicher, der Mann wäre mit einem Kasten Bier schon ganz gut bedient. Der hat ja nicht ganz zufällig genau Platz für 24 Flaschen. Aber der Fantasie sind bei Kalendern längst keine Grenzen mehr gesetzt. Schokolade kann, muss aber nicht. Es gibt Kalender mit Parfümproben, mit 24 verschiedenen Teesorten, mit Chips und Co., mit nützlichem Kleinwerkzeug für den Haushalt und kleinteiligen Spielfiguren aus Plastik. Was sich hinter den 24 Türchen des Adventskalenders „Dildoking“ verbirgt, muss hier nicht weiter eingeführt werden. Gut, mag man sagen, der Inhalt dieser schokilosen Kalender macht wenigstens nicht dick. Er lässt aber das Portemonnaie dünner werden.


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