Museum startet Ton-Projekt Ganz Ohr für die akustischen Seiten Delmenhorsts

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Wie klingt eigentlich Delmenhorst? Das will das Projekt „Mitschnitt Delmenhorst - Tonspuren einer Stadt“ des Norddeutschen Museums für Industriekultur jetzt herausfinden. Die Aufnahmebox wird in den nächsten Monaten an verschiedenen Standorten der Stadt Umgebungsgeräusche aufzeichnen. Foto: Bettina Dogs-PrößlerWie klingt eigentlich Delmenhorst? Das will das Projekt „Mitschnitt Delmenhorst - Tonspuren einer Stadt“ des Norddeutschen Museums für Industriekultur jetzt herausfinden. Die Aufnahmebox wird in den nächsten Monaten an verschiedenen Standorten der Stadt Umgebungsgeräusche aufzeichnen. Foto: Bettina Dogs-Prößler

Delmenhorst. Auf den Tonspuren Delmenhorsts ist ab diesem November das Museum für Industriekultur unterwegs. Mehrere Monate lang wird es besondere Geräusche der Stadt aufzeichnen.

Sicher, dass es in den Produktionsstätten der Nordwolle irre laut gewesen sein muss, kann man sich gut vorstellen. „Aber wie die für die Arbeiter so typische Geräuschkulisse tatsächlich geklungen hat, ist heute nicht mehr rekonstruierbar“, meint Dr. Carsten Jöhnk, Leiter des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur. Und so geht es bei dem neuen Projekt des Museums „Mitschnitt Delmenhorst – Tonspuren einer Stadt. Immaterielles Kulturgut sammeln, bearbeiten, auststellen“ nicht um gegenständliche Objekte, sondern um – den Klang der Stadt.

„Jede Stadt besitzt einen typischen Klang“

„In den letzten Jahren ist es für Museen immer wichtiger geworden, nicht nur Gegenstände zu sammeln, sondern auch immaterielles Material zu archivieren“, schilderte Jöhnk kürzlich bei der Projektvorstellung. „Jede Stadt besitzt einen typischen Klang. Der verändert sich jedoch im Laufe der Zeit, und wird von jedem individuell empfunden“, meinte Anne Angenendt, eine der beiden Leiterinnen des Projekts. Ab Mitte November wird Anne Angenendt zusammen mit Maike Tönjes mit dem Einfangen typisch Delmenhorster Geräuschkulissen beginnen. Ein Jahr lang werden sie und ihre Mitstreiter der akustischen Seite der Stadt auf der Spur sein. „In Phase eins dreht sich alles um die Aufnahme“, erklärte Angenendt. An unterschiedlichen Orten der Stadt wird dazu eine Aufnahmebox aufgestellt, die hochpräzise Aufnahmen von Umgebungsgeräuschen aufzeichnet. Manchmal mehrmals an selber Stelle, um den Wandel der Geräusche im Wechsel der Jahreszeiten festzuhalten.

„Außerdem führen wir Interviews dazu, wie die Menschen bestimmte Geräusche hier in Delmenhorst wahrnehmen und empfinden.“ Einen Lauschangriff müsse allerdings niemand befürchten. Angenendt: „Wir und unser Mikrofon werden immer klar zu erkennen sein.“

Mobile Ausstellung im Frühjahr 2020

In Phase zwei des Projekts geht es um die Bearbeitung von Klängen, Hintergrundgeräuschen und Tönen. Ein leer stehendes Ladenlokal in der Innenstadt soll hierfür als Sound-Werkstatt und Projektbüro dienen, in dem verschiedene Workshops und andere Veranstaltungen zu dem Thema angeboten werden. Zum Ende des Projekts ist dann im Frühjahr 2020 eine mobile Ausstellung mit den akustischen Eindrücken der Stadt Delmenhorst geplant, die in verschiedenen Stadtteilen zu hören sein wird. Zudem werden die Aufnahmen vom Museum archiviert. Möglich gemacht wird das Projekt durch Geld aus dem Fonds „Stadtgefährten“ der Kulturstiftung des Bundes. Insgesamt werden 150.000 Euro bereitgestellt. Unterstützt wird „Mitschnitt Delmenhorst“ zudem durch den Kreisverband Delmenhorst des Deutschen Roten Kreuzes, den Blinden- und Sehbehindertenverein Niedersachsen und den Autonomen Architektur Atelier (AAA) Bremen. Das Autonome Architektur Atelier ist mit dafür verantwortlich, dass „Mitschnitt Delmenhorst- Tonspuren einer Stadt“ aus dem Museum heraus in die Innenstadt geholt wird. „Mit dem Projekt wollen wir gleichzeitig auch neue Netzwerke rund um das Museum zu bilden, um die Themen der Stadt aufzugreifen und neue Besuchergruppen ins herzuholen“, sagte Anne Angenendt.

Wer Ideen zu besonders hörenswerten Orten und Stätten in Delmenhorst hat, ist aufgerufen, sich an die Projektleitung zu wenden. Unter anne.angenendt@mitschnitt-delmenhorst.de oder maike.toenjes@mitschnitt-delmenhorst.de können Vorschläge für den typisch Delmenhorster Klang eingereicht werden.


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