Tanzbar und Partys als Ersatz Nach Retro-Aus weiterhin Lücke im Delmenhorster Nachtleben

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Partys füllen die Lücke nach der Disco-Schließung teilweise: Das Publikum bei den 80er/90er-Partys in der Divarena ist seit der Retro-Schließung jünger geworden. Foto: Christoph BeckerPartys füllen die Lücke nach der Disco-Schließung teilweise: Das Publikum bei den 80er/90er-Partys in der Divarena ist seit der Retro-Schließung jünger geworden. Foto: Christoph Becker

Delmenhorst. Gerade ganz jungen Erwachsenen fehlt seit der Retro-Schließung in Delmenhorst eine Adresse zum Feiern und Tanzen. Tanzlustige über 25 Jahren finden eher Alternativen bei verschiedenen Party-Anbietern.

Ein Jahr ist seit der Retro-Schließung vergangen, ein Nachfolger für die einzige größere Disco der Stadt ist weiter nicht in Sicht. Wo zuvor im ersten Stock des Jute-Centers besonders jüngere Delmenhorster tanzten, stehen jetzt entkernte Räume für Büros und Praxen bereit. Die Lücke im Delmenhorster Nachtleben bleibt offen, Tanzwillige müssen auf kleinere Clubs wie die Tanzbar und auf Partys ausweichen – oder fahren zum Feiern nach Bremen oder Oldenburg. Ein Zustand, den vor allem Jüngere in Facebook-Gruppen beklagen.

Verlagerung in Nachbarstädte

Für Gastronom Manuel Mutlu, der seit 2016 die Tanzbar am Marktplatz betreibt, ist klar: „Dass das Retro zu ist, ist für die Gastronomiebetriebe hier nicht gut.“ Zum einen verlagere sich das Tanzen samt „Vorglühen“ nun teilweise in die Nachbarstädte, zum anderen fehle einer Stadt von der Größe Delmenhorsts ohne größere Disco „ein Stück weit etwas“. Der Zulauf in der Tanzbar, die nur samstags öffnet und neben Club-Nächten Mottopartys wie „I love R’n’B“ bietet, entwickle sich relativ gut: „Wir sind auf mittlerem Niveau zufrieden, aber in einer Stadt wie Delmenhorst wünscht man sich noch mehr.“ Das versucht Mutlu auch mit Specials wie der Secrets-Party am 10. November mit maskierten „heißen Engeln“ zu erreichen.

Hunderte tanzen auf Motto-Partys

Verschiedene Party-Veranstalter springen in die Bresche und bieten Tanzgelegenheiten, traditionell allerdings eher für ein Ü25-Publikum. „Aber unser Publikum ist seit der Retro-Schließung jünger geworden“, beobachtet Lisa-Marie Nistler, Teamleiterin Veranstaltungen bei der Divarena. Dort ist das auf einen Abend verkürzte Oktoberfest gut gelaufen, einige hundert Gäste haben Anfang Oktober bei der 80er- und 90er-Party getanzt. „Wir haben schon im Vorverkauf so viele Karten verkauft wie noch nie“, sagt Nistler. Viele fragten gleich nach der nächsten Party-Ausgabe, die am 16. Februar steigt.

Schierenbeck setzt auf Festbälle

„Es fehlt an einer festen, regelmäßigen Party-Adresse für ein Publikum ab 30 Jahre in einer gut erreichbaren Location“, beobachtet Bernd Schierenbeck, der sich mit seiner Heidkruger Gastronomie vor einem Jahr aus der Kartonage-Partyreihe verabschiedete. Das sei schade, da es im Einzugsbereich Delmenhorst, Ganderkesee und Stuhr eigentlich einen guten Markt dafür gebe. Schierenbeck selbst setzt inzwischen auf einzelne festliche Events wie den Reiterball in Kooperation mit mehreren Reitvereinen am 3. November, den Feuerwehrball mehrerer Wehren am 10. November und den Lions-Ball am 24. November. Sie alle sind für die Öffentlichkeit offen, allein zum Reiterball erwartet Schierenbeck rund 500 Gäste.

„Jede Stadt braucht Orte, wo Menschen feiern können“

Derweil laufen die Kartonage-Partys im Festsaal an der Elsflether Straße weiter, die nächste am 10. November. Und auch andere steigen in das Party-Geschäft ein, so hat das Riva kürzlich erfolgreich seine zweite „E Riva Espania“-Party für Schlagerfans ab 21 Jahre gefeiert. „Das Retro hat ein noch jüngeres Publikum angesprochen“, vergleicht Riva-Inhaber Tarik Cirdi, dem durch die Schließung der benachbarten Disco „der ein oder andere fehlt, der hier vorher was getrunken hat“. Generell sei der Wegfall der einzigen größeren Disco ein Verlust, durch den die Stadt an Attraktivität für junge Menschen verliere. „Jede Stadt braucht Orte, wo Menschen feiern können“, sagt der örtliche Vorsitzende des Gaststättenverbands Dehoga. Seine Konsequenz: „Wir planen vermehrt Konzerte und Motto-Partys, damit es wenigstens ein bisschen was zum Feiern gibt in Delmenhorst.“


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