Auftritt in Delmenhorster Divarena Altmeister Hans Werner Olm hat es noch drauf

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Bühnen-Profi Hans Werner Olm ist seit rund 40 Jahren im Geschäft. In der Divarena hieß es:„Happy Aua“. Foto: Marco JuliusBühnen-Profi Hans Werner Olm ist seit rund 40 Jahren im Geschäft. In der Divarena hieß es:„Happy Aua“. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Über zwei Stunden gute Unterhaltung: Hans Werner Olm, Meister des geschliffenen Tabubruchs, hat es auch nach vier Jahrzehnten noch drauf.

Wenn einer seit Mitte der siebziger Jahre zu den führenden Köpfen der Blödelsparte zählt, dann darf man ihn ohne jeden Zweifel bereits zu den Klassikern zählen. Und wenn so einer dann wieder auf Tour ist, dann kommt das Publikum und fragt: Kann er es noch? Und bringt er auch all die guten Gags von damals? Hatta? Hatta? Eins vorweg: Hans Werner Olm kann es noch. Hatta? Hatta nicht immer. In der proppevollen Divarena hat er nämlich am Freitagabend seine Kultfiguren Günni Schwagalla, Luise Koschinsky, den Iff oder Paul Schrader in der Garderobe gelassen.

Klassiker ziehen noch immer

Aber Olm ist Profi genug. Eine gute Band aus den Siebzigern, die weiter erfolgreich tourt, spielt ja auch nicht nur neue Songs. Olm kann sich auf seine Klassiker verlassen. Wenn er zur Gitarre greift und den Reinhard Mey gibt („Mein alter Kühlschrank friert nicht mehr“), den Hans Hartz („Die gelben Zähne sind faulig“) oder sich als André Heller um den Verstand wienert, dann hat er das Publikum auf seiner Seite.

„Happy Aua“ heißt das Programm, mit dem Olm über zwei Stunden unterhält. Der Titel ist treffend. Olm geht dahin, wo es wehtut. Mit seinem größten Kapital, der Stimme, die er in tiefste Tiefen und durch zahllose Dialekte führen kann, zeigt er auf, was falsch läuft in unser allen Leben in der BRD, der Blöden Republik Deutschland. Eine „unabgewogene Auswahl altbewährter und neuer Rezepte für die Bewältigung unserer verstrahlten Existenz“ hatte das Programm versprochen. Olm hält Wort und drechselt fein geschliffene Sätze, die er immer zu einem Ende führt – und die auch deftig sein dürfen. Das nicht jeder Gag sitzt: geschenkt. Bei der Fülle, die Olm zu bieten hat. Viele Comedians unter 30 würde ihre Seele an den Teufel, sprich RTL, verkaufen, wenn sie nur einen Bruchteil des Könnens des Bühnen-Profis Olm hätten.

Die deutschen Werte

Olm ist ein wunderbarer Menschendarsteller, der – gern auch mit dem groben Pinsel – Miniaturen schafft, die es oft schmutzig auf den Punkt bringen. Den alten, weißen, heterosexuellen Mann, der die deutschen Werte hochhält – saufen, kotzen, kopulieren, die Frau kleinhalten – den hat er noch immer drauf.

Herrlich auch, wie Olm „Ich lass für Dich das Licht an, obwohl’s mir zu hell ist“ von Revolverheld und den ganzen „Wolke 4“-Quatsch zerlegt. „Krank!“, schreit er. „Dass sich Männer so sehr erniedrigen!“

Olms Weg ist noch nicht vorbei. „Früher habe ich große Hallen vollgemacht. Jetzt spiele ich in Delmenhorst. Dann Möbelhaus“, sagt er. Aber um Olm muss man sich keine Sorgen machen. In der Divarena mag ihm der Wille zum Wahnsinn gefehlt haben, der seine Live-Auftritte in den neunziger Jahren oft umgab. Zwei Stunden gute Unterhaltung, die schüttelt der 63-Jährige aber noch heute locker aus dem T-Shirt-Ärmel.


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