Mord-Prozess Kathrin Lohmann brachte Aufklärung im Fall Högel ins Rollen

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Brachten groß angelegte Ermittlungen gegen Niels Högel ins Rollen: Kathrin Lohmann (li.) und ihre Anwältin Gaby Lübben. Foto: Ingo Wagner/dpaBrachten groß angelegte Ermittlungen gegen Niels Högel ins Rollen: Kathrin Lohmann (li.) und ihre Anwältin Gaby Lübben. Foto: Ingo Wagner/dpa

Delmenhorst/Oldenburg Im größten Mordprozess der Nachkriegszeit wird gerne einmal vergessen, wer die groß angelegten Ermittlungen gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel ins Rollen brachte. Dieser Verdienst gebührt Kathrin Lohmann aus Berne.

Die mutmaßliche Mordserie durch den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel ist nicht nur eine Geschichte des Verlusts und des Leids – sie ist auch eine des Kampfes: Verdienst daran, dass Högels Taten überhaupt in dem Ausmaß, wie jetzt es die Anklage der Staatsanwaltschaft vermuten lässt, ans Licht kamen, trägt Kathrin Lohmann.

Lohmann verlor 2003 Mutter im früheren Klinikum

Die Frau aus Berne verlor ihre Mutter 2003 im damaligen Klinikum Delmenhorst. Nach dem Tod der Mutter hatte Lohmann stets ein ungutes Gefühl. 2008 las sie zufällig einen Zeitungsartikel über eine Verurteilung Högels wegen Mordversuchs. In dem Jahr stellte sie mit ihrer Delmenhorster Anwältin Gaby Lübben, die in dem jetzigen Prozess mehr als 100 Nebenkläger vertritt, Strafanzeige. Dies war der Anstoß für umfangreiche Ermittlungen: 2009 wurde der Leichnam von Kathrin Lohmanns Mutter exhumiert. In ihrem und vier weiteren Körpern ließen sich Spuren eines Medikaments nachweisen, das Högel seinen Opfern gespritzt hatte. Erst 2014 begann die Verhandlung gegen den Krankenpfleger, an dessen Ende, 2015, eine lebenslange Freiheitsstrafe stand.

Delmenhorster Zivilcouragepreis gewonnen

Für ihre Hartnäckigkeit, sechs Jahre lang für ein gerichtliches Verfahren gekämpft zu haben, ist Lohmann im März 2015 mit dem Zivilcourage-Preis der Stadt Delmenhorst ausgezeichnet worden. Oberbürgermeister Axel Jahnz, gerade erst wenige Monate im Amt, richtete im großen Saal des Rathauses tief bewegt diese Worte an die Bernerin: „Sie haben immer wieder Gerechtigkeit gefordert, haben einen Weg voller Leiden hinter sich. Dafür gebührt Ihnen allergrößter Respekt.“ fred


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