Stück über Fall Niels Högel Angehörige kritisieren Theaterpläne vor Högel-Prozess

Der Fall Högel soll auf die Bühne: Opfer-Angehörigenvertreter Christian Marbach kritisiert das Vorgehen des Staatstheaters Oldenburg und der Werkgruppe2. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpaDer Fall Högel soll auf die Bühne: Opfer-Angehörigenvertreter Christian Marbach kritisiert das Vorgehen des Staatstheaters Oldenburg und der Werkgruppe2. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Delmenhorst. Der Fall Niels Högel soll auf die Bühne. Über Pläne des Staatstheaters Oldenburg zeigen sich Angehörige der Opfer „überrascht und schockiert“. Besonders der Zeitpunkt und die Art und Weise, wie das Theater vorzugehen gedenkt, stoßen auf.

Angehörige der Opfer Niels Högels kritisieren Planungen des Oldenburgischen Staatstheaters, den Fall Högel für eine dokumentarische Theaterinszenierung auf die Bühne zu bringen. Der ehemalige Delmenhorster und Oldenburger Krankenpfleger muss sich ab 30. Oktober vor dem Landgericht Oldenburg für 99 weitere mutmaßliche Morde verantworten.

Marbach: Angehörige sind „überrascht und schockiert“

Wie Christian Marbach, Vertreter der Interessengemeinschaft (IG) Klinikmorde, auf Nachfrage sagt, seien Angehörige der Opfer „überrascht und schockiert“ über die Ankündigung des Staatstheaters. Das Schauspielhaus hatte kürzlich vermeldet, den beginnenden Gerichtsprozess zusammen mit dem Theaterkollektiv Werkgruppe2 begleiten zu wollen. Demnach wollen Schauspieler, Musiker und andere Beteiligte Opferangehörige, Zeugen und Experten begleiten. Aus dem Material soll bereits Ende Februar 2020 ein dokumentarisches Bühnenstück fürs Theaterfestival „Banden“ entstehen. Auch in sozialen Netzwerken hat Marbach seine Kritik geäußert.

Fehlende Absprache bemängelt

Der Gedanke, dass Fall irgendwann einmal medial – und somit auch für die Theaterbühne – aufbereitet werde, sei erst einmal nicht abwegig, sagt Marbach auf Nachfrage. Der Zeitpunkt und die Art und Weise aber, wie Theater und Werkgruppe vorgehen wollen, gefalle den Angehörigen jedoch nicht. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Verantwortlichen sich zuvor an uns gewendet und uns über ihr Vorhaben informiert hätten“, so Marbach. Zudem halte er die „mediale Inszenierung des Täters“ für unangebracht. „Die Angehörigen möchten einfach Ruhe haben.“

Christine Post, Sprecherin des Staatstheaters, wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Die Einrichtung wolle zunächst den Kontakt zu Angehörigenvertreter Marbach suchen.

120 Plätze bei Prozess für Angehörige vorgesehen

Der Prozess kommende Woche behandelt 99 mutmaßliche Morde, die Niels Högel zwischen den Jahren 2000 und 2005 im Klinikum Oldenburg und im früheren Klinikum Delmenhorst begangen haben soll. Erst im September hatte sich die Gesamtzahl der Fälle um einen erhöht. Bei seinen Taten soll Högel Medikamente in Überdosis verabreicht haben, um die Patienten später in lebensbedrohlicher Situation wiederzubeleben. Damit wollte Högel vor Kollegen und Vorgesetzten glänzen. In vielen Fällen misslang dies. Wegen sechs Taten ist der Ex-Pfleger bereits zuvor zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Das Verfahren soll sich zunächst bis Mai 2019 hinziehen. Im Sitzungssaal in den Weser-Ems-Hallen sind allein 120 Plätze für Angehörige von Opfern Högels vorgesehen.


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