Delmenhorster Stadtführer Jan Tut und Mett Siewers sollen überdauern

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Werden die Kostüme von Jan Tut und Mett Sievers langfristig an den Nagel hängen: Ortwin und Ursula Zielke. Sie hoffen bis dahin auf Nachfolger für ihre Rollen. Foto: Sascha Sebastian RühlWerden die Kostüme von Jan Tut und Mett Sievers langfristig an den Nagel hängen: Ortwin und Ursula Zielke. Sie hoffen bis dahin auf Nachfolger für ihre Rollen. Foto: Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst. Fast jeder in Delmenhorst kennt die Marktfrau Mett Sievers und den Nachtwächter Jan Tut. Wenn das Ehepaar Zielke aber in den Ruhestand geht, könnte die Stelle der inoffiziellen Botschafter der Stadt länger leer bleiben.

Das Ehepaar Zielke verdankt ihren Alter-Egos Mett Siewers und Jan Tut viele schöne Momente. „Wir hatten so eine schöne Zeit. Das ist so eine tolle Sache, immer mit Menschen zu tun zu haben“, schwärmt Ursula Zielke. Über die vielen Jahre haben beide ihre Rollen, die des Teilzeit-Nachtwächters und der histerischen, nein, der historischen Marktfrau perfektioniert. „Wir beide ergänzen uns – und frotzeln uns manchmal in unseren Rollen an“, verrät Ortwin Zielke. „Das kommt schon soweit, dass manche Gäste denken, das wäre ernst“, ergänzt Ursula Zielke.

Stadtoriginale werden nicht jünger

Aber wie lange die beiden Stadtoriginale die Innenstadt bei Führungen und zu besonderen Anlässen noch als ihre Bühne nutzen können, ist nicht sicher. „Man ist so alt, wie man sich fühlt. Mal möchte man kleine Bäume ausreißen, mal lässt man sie stehen“, sagt die 78-Jährige. Noch können die beiden durch die Stadt führen, aber „irgendwann ist Sense“, betont Ortwin Zielke. „Irgendwann kommen wir an den Punkt, an dem wir es nicht mehr machen können.“ Bis dahin könnten die beiden noch Nachfolger für ihre Rollen einarbeiten, Stammfolger für die beiden Persönlichkeiten, die in Delmenhorst kaum noch von ihren Darstellern zu trennen sind und heute unterschriebene Autogrammkarten dabei haben.

Langer Weg zu den Persönlichkeiten von heute

„Wir hoffen auf einen Ersatz, der das genauso mit Herzblut macht, wie wir. Am besten ein Paar“, sagt Ursula Zielke. Liebe zur Heimat, ein Interesse für Geschichte und ein gutes Auge für die eigene Umgebung seien wichtige Voraussetzungen für würdige Nachfolger. „Wir finden unterwegs oft etwas, dass wir später in Führungen einbauen können“, erklärt der 81-Jährige, der seit 18 Jahren in Delmenhorst als Jan Tut bekannt ist. Der zu werden, war ein langer Weg. „Der Mantel kommt von der Bundeswehr, die Hellebarde hat mein Cousin geschmiedet. Ich habe alles zusammen gesammelt“, erinnert sich der Jan Tut-Darsteller.

Nachtwächterrundgang mit den beiden Delmenhorster Originalen „Jan Tut“ und „Mett Siewers“. Foto: Andreas Nistler

Als seine Frau Ursula durch den Kontakt zur Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren, in der sich beide seit Jahrzehnten engagieren, den Weg zur Marktfrau Mett Siewers ging, warteten auch Tücken. „Für den Korb hatten wir erst Plastikeier besorgt, aber dann kam Wind auf und die flogen raus.“ Erst eine ladung Gips verbannte sie ins Körbchen. Auch die Einarbeitung in die Delmenhorster Geschichte, die vielen Skurrilitäten und Besonderheiten, nahm viel Zeit in Anspruch und stundenlange Lektüre verschiedenster Bücher. „Wir wollen gern beim Start helfen“, betont Ortwin Zielke. „Man muss sich sonst alles allein aneignen.“

Aussehen wird sich ändern

Klar ist: Ihre Nachfolger werden nicht in die Kostüme der beiden schlüpfen. „Die Gewandungen von Mett Siewers und Jan Tut sind unser Eigentum“ Vielleicht würden beide ihre Kostüme ans Industriemuseum spenden, das sich bereits interessiert gezeigt haben soll. „Aber ob die das kriegen? Mal sehen“, zeigt sich Ortwin Zielke untentschlossen. Entschlossen zeigt er sich aber, wenn es darum geht, seinem Nachfolger Starthilfe zu geben: „Ich bin bereit, einen trockenen Rundgang mit ihm zur Übung zu machen.“ Wie die Rollen zu spielen seien, würde auch keiner vorschreiben. „Wenn jemand eine ganz andere Vorstellung davon hat, bleibt das denen überlassen“, finden die beiden.

Wichtige Symbole für Delmenhorst

Unstrittig ist die Strahlkraft, die die beiden auch über die Stadtgrenzen für Delmenhorst entwickelt haben. „Die weiteste Anreise hatten wir aus Rio. Eine Besucherin aus Wien war schon öfter dabei.“ Dazu zeigt das Paar Flagge für Delmenhorst und schwitzt bei der Eröffnung des Kartoffelfests und friert bei der des Weihnachtsmarktes. „Wenn man uns sieht, kommt bei vielen ein Lächeln ins Gesicht. Jan und Mett haben steten Kontakt zur Delmenhorster Bevölkerung. Wenn das einschlafen würde, wäre das nicht so gut.“

Mehrere Freiwillige gemeldet

Im Juni hatte die Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft bei einem Pressetermin für Nachwuchs für das Gästeführer-Team geworben. Daraufhin hatten sich, wie die dwfg nun mitteilte, mehrere Personen gemeldet und Interesse für eine Gästeführer-Ausbildung bekundet. „Nachtwächter Jan Tut und Marktfrau Mett Siewers sind als Gästeführer Aushängeschilder und Werbung für die Stadt. Die Nachtwächterrundgänge sind bei Gästen sehr beliebt. Wir würden uns daher freuen, wenn wir geeignete Nachfolger für die speziellen Rollen von Ursula und Ortwin Zielke finden und so die Tradition der Nachtwächterrundgänge langfristig aufrecht erhalten können“, teilt dwfg-Kommunikationsmanager Eyke Swarovsky mit. „Wir sind selbstverständlich auch weiterhin offen für Leute, die daran interessiert sind, als Gästeführer zu arbeiten. Ob sie dann nach einer Kennenlernphase tatsächlich die Gästeführer-Ausbildung der „Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen“ beginnen und abschließen, liegt natürlich nicht in unserer Hand.“

Der nächste Nachtwächterrundgang findet am Mittwoch, 21. November, um 18 Uhr statt. Es ist eine Anmeldung unter (04221) 99 22 99 erforderlich.


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