FHH-Schutzgebiete Gewässerzüge in Delmenhorst sollen besser geschützt werden

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Graftanlagen, Landschaftsschutzgebiet soll zu FFH-Gebiet werdenGraftanlagen, Landschaftsschutzgebiet soll zu FFH-Gebiet werden

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Die Stadt und der Landkreis Oldenburg arbeiten gerade im Eiltempo daran, FFH-Schutzgebiete sichern. Schaffen sie das nicht bis Jahresende, drohen Strafzahlungen. Waldbesitzer im Landkreis drohen unterdessen mit Zutrittsverboten, sollten die neuen Schutzbestimmungen zu scharf ausfallen.

Mit Tempo arbeitet die Stadt derzeit daran, Naturschutzgebiete, sogenannte Fauna-Flora-Habitate (FFH), zu sichern. Dafür hat sie am Mittwoch und Donnerstag, 17. und 18. Oktober, je eine Sondersitzung des Umweltausschusses und des Ortsrates Hasbergen anberaumt. Bei dem Thema ist Eile geboten: Gelingt die Sicherung der Gebiete auf Betreiben der Europäischen Union (EU) nicht bis Jahresende, müssen Länder und Kommunen möglicherweise hohe Strafzahlungen leisten. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatte darum zuletzt den Druck erhöht. Auch auf die Stadt Delmenhorst, hatte die Verwaltung zu dem Thema im Mai erklärt, könnten Strafzahlungen zukommen.

23,73 Hektar im Stadtosten sollen neu unter Schutz gestellt werden

Die Schutzgebiete in Delmenhorst, um die es konkret geht, erstrecken sich entlang von Gewässerläufen auf drei Landschaftsschutzgebieten in der Stadt. So nimmt das gemeindeübergreifende FFH-Gebiet Nr. 250 insgesamt 23,73 Hektar der Stadtfläche ein. Dieses FFH-Teilgebiet „Untere Delme, Hache, Ochtum und Varreler Bäke“ liegt in den Delmenhorster Landschaftsschutzgebieten 8 (Ochtumniederung), 9 (Bywisch-Hullen-Schohasbergen) und 10 (Langenwisch Emshoop).

Ebenfalls ist das FFH-Teilgebiet „Delmetal nördlich Harpstedt“ als Splitter des größeren FFH-Gebiets Nr. 50 betroffen. Es nimmt im Delmenhorster Landschaftsschutzgebiet 1 „Wiekhorn-Graftanlagen“ eine Fläche von 1,73 Hektar ein. Dieses steht am 17. und 18. Oktober nicht zur Beratung, ist aber Teil des Gesamtkomplexes und wurde bislang im August im Umweltausschuss beraten. Beschlossen wurde aber noch nichts.

Schlauchartige Gebiete an Delme, Ochtum und Varreler Bäke

Beiden FFH-Gebieten ist gemein, dass keine großen zusammenhängenden Flächen sind, sondern sich eher schlauchartig an Gewässern entlangschlängeln. Und zwar entlang der Delme ab Schlutter bis zu den Graftringen und entlang der Delme nach der Hasberger Museumsmühle bis zur Ochtum sowie die Ochtum zwischen der Landesgrenze Bremen bis zur Gemeindegrenze Lemwerder. Hinzu kommt der Bereich entlang der Varreler Bäke ab Pultern bis zur Ochtum im Stadtnorden. „Die konkrete Änderung liegt nun darin, dass der Schutz von Pflanzen- und Tierarten neu aufgestellt werden muss. Hier müssen zum Beispiel alte Sammelverordnungen aufgelöst und neu gefasst werden“, sagt Katrin Stöver, Leiterin des Fachbereichs Stadtgrün. Am Ende sollen die Gebiete Teil des EU-weiten Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ sein.

Großer Beratungsbedarf in politischen Gremien

Die Pflicht, die Schutzräume zu sichern, hätte übrigens bis zum Jahr 2013 erfolgen müssen. Nicht nur Delmenhorst hängt hier hinterher. Denn die Beteiligung von privaten Landbesitzern, Landwirtschafts- und Naturschutzverbänden, Firmen und anderen hat Zeit gefressen. „Entsprechend groß war der Beratungsbedarf in den politischen Gremien“, sagt Stöver. Hier seien Vorlagen immer wieder abgelehnt worden. „Es ist eben nicht so, dass die EU etwas erlässt, und die Kommunen können es sofort umsetzen.“

Zugespitzte Debatte im Landkreis

Dieser Streit um die Schutzgebiete ist im Landkreis Oldenburg noch viel deutlicher. Denn dort sind Waldbesitzer alarmiert, dass mit den neuen Verordnungen der FFH-Gebiete die Baumernte schmaler ausfallen könnte, wie Günther Westermann, Vorsitzender Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Oldenburg-Delmenhorst sagt. Die Flächen, die von den neuen Richtlinien der FFH-Gebiete betroffen sind, sind im Landkreis weitaus größer als in Delmenhorst. Insgesamt sollen 15 Gebiete neue Schutzverordnungen erhalten. Bei sechs ist das schon geschehen, neun stehen noch aus. Nach der aktuellen Planung des Landkreises ist die Neuauflage des Schutzes bei vier Gebieten erst im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen – mögliche EU-Strafzahlungen würden den Landkreis also weitaus schärfer treffen, als die Stadt.

Waldbesitzer drohen mit Zutrittsverboten für Erholungssuchende

„Die Vorgaben der EU-Richtlinien werden erreicht, indem die Schutzverordnungen für Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete aktualisiert oder komplett neu ausgestellt werden“, sagt Claudia Kattau-Balke vom Amt für Naturschutz des Landkreises. Und bei Letzterem seien die Schutzbestimmungen strenger. Waldbesitzer Westermann wirft dem Landkreis nun vor, bei der Unterschutzstellung Naturschutzgebiete zu favorisieren. „Das ist für uns nicht zumutbar“, spricht er für die Mitglieder des FBG. „Eine Waldbewirtschaftung würde sich für uns nicht mehr lohnen.“ Schwerer wiegen für Westermann allerdings offene Haftungsfragen: Er befürchtet, in naturbelassenen Arealen nicht für die Wegesicherheit garantieren zu können. „Es würde Verletzungsgefahr etwa durch herabfallende, morsche Äste bestehen. Ich hafte dafür nicht“, sagt Westermann. Zutrittsverbote für Erholungssuchende in Privatwäldern, wie es an anderer Stelle bereits aufklang, hält er dann für unausweichlich.

Ob es dazu kommt, ist nicht sicher: Laut Westermann befinden sich Flächen der privaten Forstwirtschaft mehrheitlich in den Gebieten Poggenpohlsmoor (Dötlingen), Lethe (Ahlhorn) und Stühe (Ganderkesee). Die neuen Schutzverordnungen stehen hier noch aus. Die größten FFH-Schutzflächen nach Angaben des Landkreises im Hasbruch (690 Hektar), den Ahlhorner Fischteichen (259 Hektar), im Barneführer Holz (251 Hektar) und im Sager Meer (200 Hektar).


„Natura 2000“ ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten. Laut Bundesumweltministerium soll es die biologische Vielfalt der EU erhalten, indem es gefährdete Lebensräume und Arten schützt. Es setzt sich zusammen aus Gebieten gemäß der Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie. Aktuell umfasst „Natura 2000“ europaweit 27.000 Schutzgebiete auf fast 20 Prozent der Fläche der EU. Eine Nutzung der Gebiete durch den Menschen ist nicht ausgeschlossen, solange Arten und Lebensräume nicht beeinträchtigt werden.

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