Vortrag von Gerd Renker Als Delmenhorst sich gegen Nazis wehrte

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Erinnerte sich im Stadtmuseum an die Ereignisse im Jahr 2006: Gerd Renker. Foto: Vincent BußErinnerte sich im Stadtmuseum an die Ereignisse im Jahr 2006: Gerd Renker. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Die Stadt war 2006 im Ausnahmezustand: Ein rechtsextremes Schulungszentrum sollte entstehen. An die Ereignisse hat sich Gerd Renker gestern während eines Vortrags im Stadtmuseum erinnert. Er war einer der Gründer der Bürgerinitiative, die half, den Plan zu stoppen.

Der gebürtige Delmenhorster wusste noch genau, wie er in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung las: „Das Hotel am Stadtpark macht zu.“ Für 3,4 Millionen Euro wollte der Besitzer Günter Mergel die Immobilie verkaufen. Bei der Stadt habe sich dann bald ein gewisser ‚J. Rieger‘ gemeldet bezüglich der Bauakte, erzählte Renker. „Niemandem fiel auf, wer das sein könnte.“ Bis bekannt wurde, dass es sich um den Hamburger Jürgen Rieger handelte, laut Renker „ein hochintelligenter, rechtsradikaler Anwalt“. Delmenhorst sei auf einmal paralysiert und hilflos gewesen.

Wie „Für Delmenhorst“ entstand

Als sich bald darauf doch einzelne Gruppen bildeten, rief Renker seinen Bekannten Günter Feith an. Weil juristisch nicht viel gegen den Verkauf zu machen gewesen sei, entschlossen sich die beiden, die Bürgerinitiative „Für Delmenhorst“ zu gründen. Die Idee: Teilt man die Kaufsumme durch 80.000 Delmenhorster, muss jeder weniger als 50 Euro beisteuern, um die 3,4 Millionen Euro zu sammeln.

„Wir starteten leider mit einer Riesenpleite“, erzählte er weiter. Auf der Pressekonferenz sei die falsche Kontonummer für Spenden angegeben worden. Doch die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) habe das Geld spontan umleiten können. In der Zwischenzeit seien viele Unterstützer hinzugekommen. „Aber die Kommunalpolitik war mit ihrem Wahlkampf beschäftigt.“

Ein schädliches Gerücht

Ständig sei die Bürgerinitiative in den Medien gewesen, die Interviews seien um die Welt gegangen. Immer wieder sei jedoch das Gerücht aufgetaucht, dass Mergel und Rieger alles nur vortäuschten, um den Kaufpreis in die Höhe zu treiben. „Das schadete uns“, beklagte Renker. Das Gerücht konnte ihm zufolge nie bestätigt werden.

Christian Glaß, der als Gast zu dem Vortrag kam, war damals Vermittler zwischen Stadt und Mergel. Er ergänzte: Nazi-Sympathisant sei Mergel nicht gewesen, er habe aus einer finanziellen Notlage herauskommen wollen.

So ging der Streit aus

Letztendlich kaufte die GSG-Wohnungsbaugesellschaft die Immobilie mit finanzieller Hilfe von Stadt und Bürgerinitiative. Die „Saalwette“, wie Renker sie nennt, in 14 Tagen, 3,4 Millionen Euro zu sammeln, schafften sie zwar nicht. Es wurden aber mehr als 900.000 Euro. Nach langem Überlegen wurde das Hotel 2009 abgerissen, heute ist dort die Bürgerwiese. „Es ist Gras über die Sache gewachsen“, sagte Renker.


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