Bezirksverband Weser-Ems feiert Awo setzt deutliches Zeichen gegen AfD

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Die Holocaust-Überlebende Erna de Vries (sitzend Mitte) im Kreise der Awo und der Gäste des Festaktes zum 70. Jubiläum. Foto: AWODie Holocaust-Überlebende Erna de Vries (sitzend Mitte) im Kreise der Awo und der Gäste des Festaktes zum 70. Jubiläum. Foto: AWO

Delmenhorst. Mit einem Festakt hat der Bezirksverband Weser-Ems der Arbeiterwohlfahrt das 70. Jubiläum seiner Wiedergründung begangen. Ehrengast war die Holocaust-Überlebende Erna de Vries.

„Die Awo ist sich immer treu geblieben.“ Mit diesen Worten begrüßte der Delmenhorster Dr. Harald Groth, Vorsitzender des Bezirksverbands Weser-Ems, rund 170 geladene Gäste zum Festakt im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg. „Die Werte, die in den Gründungstagen 1919 wichtig waren, haben für uns bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren.“ Sie seien auch die treibende Kraft für die Menschen gewesen, die den während der Nazi-Diktatur verbotenen Verband Ende der 1940er Jahre wiedergründeten. Und gerade weil er „eine Besorgnis erregende Renaissance von rechten Umtrieben“ sieht, betonte Groth: „Wir lassen uns nicht unterkriegen, sondern werden da sein, wenn man uns braucht.“

Zahlreiche Glückwünsche überbracht

Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler überbrachte zum Jubiläum die Glückwünsche der Stadt Oldenburg. Sie lobte insbesondere das ehrenamtliche Engagement, das dazu beitrage, den sozialen Zusammenhalt in der Stadt zu sichern. Heiger Scholz, Staatssekretär am Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, bedankte sich bei der Awo und allen anderen Wohlfahrtsverbänden für ihr Engagement: „Sie ist ungemein wichtig, denn der Staat kann nicht alles leisten und überall einspringen.“

Gegen den Rechtsdruck

Wilhelm Schmidt, Präsident des Bundesverbands der Arbeiterwohlfahrt, kündigte Schmidt eine Überarbeitung des Grundsatzprogramms an, bekräftigte aber zugleich, dass der demokratische Sozialismus „selbstverständlich“ das Ziel des Verbands bleibe. Wie alle anderen Redner wandte er sich vehement gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft: „Wer sich zur AfD bekennt, hat in der Awo nichts verloren.“

Höhepunkt der Feier war ein Gespräch, das Moderatorin Sabine Schicke mit Erna de Vries führte. Sie war 1943 freiwillig mit ihrer Mutter ins KZ Auschwitz gegangen. Bevor diese in die Gaskammer gebracht wurde, führte sie ein letztes Gespräch mit ihrer Tochter. Erna de Vries, die noch immer in Schulen über die Gräueltaten der Nazis spricht, erinnert sich bis heute an jedes einzelne Wort: „Du musst dafür sorgen, dass die Menschen erfahren, was hier mit uns gemacht wird. Erzähle es überall.“ Die heute 94-Jährige fügte hinzu: „Das tue ich so lange ich kann!“ Die Gäste des Festakts dankten es ihr mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen.

„Engagement-Preis“ verliehen

Zum Ende der Veranstaltung betonte Dr. Groth, der Awo gehe es in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung neben Haltung auch um Aktion. Als Beispiel stellte er den erstmals ausgeschriebenen „Engagement-Preis“ vor, mit dem man sich „gegen das Vergessen“ wende. Geehrt wurden Initiativen, die sich gegen das Vergessen der NS-Diktatur mit ihren Gräueln engagieren. So die Initiative „Spurensuche Osnabrück“. Sie hat eine Gedenkstätte für verstorbene Kinder von Zwangsarbeiterinnen eingerichtet.

Ebenso der Arbeitskreis Gröschler-Haus aus Jever, der an das Leben der jüdischen Gemeinde in der Marienstadt erinnert. Ebenfalls besonders geehrt wurde der Arbeitskreis Erinnerungsgang in Oldenburg. Dessen Initiatoren erinnern in jedem Jahr am 10. November daran, dass 1938 rund 40 jüdische Männer von SA-Schergen durch die Innenstadt getrieben wurden. Einen Tag später wurden sie ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. „Das alles sind würdige Preisträgerinnen und Preisträger, die dazu beitragen, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät“, fasste Dr. Groth zum Abschluss zusammen.


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