Delmenhorster Heimatjahrbuch 2018 Umsturz verlief in Delmenhorst in gemäßigten Bahnen

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Delmenhorst. Das neue Delmenhorster Heimatjahrbuch schlägt einen weiten Bogen von der Weserrenaissance bis in die jüngere Vergangenheit. Den Schwerpunkt bildet diesmal der Erste Weltkrieg.

Er war die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“: Der Erste Weltkrieg beendete endgültig das lange gültige Kräftegleichgewicht in Europa, mächtige Reiche brachen im Ergebnis zusammen, Millionen Menschen starben. Der alles andere als Frieden stiftende Versailler Vertrag entpuppte sich als Faktor für das Heraufziehen einer noch größeren Katastrophe. Da ist es nur angemessen, 100 Jahre nach Beendigung des Völkerschlachtens über viele Kanäle das damalige Geschehen aufzuarbeiten.

Hier reiht sich das jüngst herausgebrachte Heimatjahrbuch 2018 des Heimatvereins Delmenhorst ein, das sich wie gewohnt als eine beeindruckende Sammlung von lokalhistorischen Beiträgen erweist. Der Band widmet sich schwerpunktmäßig dem Ersten Weltkrieg und den sich anschließenden revolutionären Umwälzungen.

Dramatische Ereignisse in Delmenhorst

Die sich überstürzenden politischen Ereignisse ab dem Herbst 1918 fanden auch lokal ihren Niederschlag. Sönke Ehmen schildert „Dramatische Tage in Delmenhorst“ und beleuchtet dabei den Ablauf, die Hintergründe und das Scheitern des Spartakusaufstands vom Januar 1919. Der Autor bedient sich dazu der persönlichen Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen zweier Zeitzeugen, die eine gänzlich verschiedene Perspektive einnahmen: hier der junge Wilhelm Schroers, Arbeiter bei den Otwi-Werken und Anhänger der sozialistischen Idee, auf der anderen Seite Armine Lahusen, Gattin des Nordwolle-Konzernchefs und mithin Teil einer Familie, die als Vertreterin der konservativen Ordnung angesehen wurde.

Im Strudel des Spartakusaufstands

Vom politisch gärenden Bremen aus gelangten die revolutionären Einflüsse innerhalb kürzester Zeit nach Delmenhorst, am 9. November 1919 wurde ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet. Mitte Januar 1919 wurde auch Delmenhorst in den Strudel des Spartakusaufstands gezogen. „Für einen Moment sah es so aus, als ob der Umsturzversuch durch die Bremer Revolutionäre glücken könnte. Dass er dann aber doch scheiterte, lag nicht zuletzt an der Furchtlosigkeit der Delmenhorster“, schreibt Ehmen. Anders als in Bremen oder Wilhelmshaven habe sich das Geschehen in Delmenhorst „in gemäßigten Bahnen“ bewegt.

Kriegszeit mit Postkarten beleuchtet

Insgesamt fünf Aufsätze im neuen Heimatjahrbuch widmen sich den Themen Erster Weltkrieg und Revolution 1918/19. Gleich zweimal bilden Postkarten die Grundlage der Darstellung. Dieter Rüdebusch zeichnet anhand zahlreicher Feldpostkarten von der Ostfront aus den Jahren 1916 bis 1918 die Korrespondenz des Delmenhorster Drechslermeisters Arend Oetken mit seiner kleinen Tochter Bertha nach. Auch Franz-Reinhard Ruppert bedient sich dieses Mittels, um die Jahre des Ersten Weltkriegs aus der Sicht einfacher Kriegsteilnehmer, aus Böhmen stammender Nordwolle-Arbeiter, die nun die Soldatenuniform in der deutschen und der österreichisch-ungarischen Armee trugen, zu erhellen.

Weiter Themenbogen

Das Heimatjahrbuch hat darüber hinaus eine bunte Themenvielfalt zu bieten. Sie reicht in diesem Jahr von der Weserrenaissance – Herta Hoffmann berichtet über ihren spektakulären Archivfund, eine farbige Fassadenzeichnung des Delmenhorster Schlosses aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die das Cover des Heimatjahrbuches ziert – bis zu Johann Siemers’ Schilderung seiner Lehrzeit als Schlachter in den 50er Jahren.

Zwei ungewöhnliche Menschen im Porträt

Zwei spannende Porträts ungewöhnlicher Persönlichkeiten finden sich unter den Aufsätzen. In einem zweiten Beitrag stellt Herta Hoffmann den Chronisten, Organisten und Dichter Heinrich Vollers (1583-1656) vor. Und Jochen Brünner hat sich auf die Spuren des in Delmenhorst geborenen Fotopioniers, Malers und Abenteurers Julius Hümme begeben, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Kanada emigrierte.


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