Kita-Einstieg in Delmenhorst Wo Idealismus und Verwaltung zusammengehen

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Sabine Conrady und Claudia Müller von der Netzwerk- und Koordinierungsstelle ziehen nach gut einem Jahr eine positive Bilanz. Foto: Marie BusseSabine Conrady und Claudia Müller von der Netzwerk- und Koordinierungsstelle ziehen nach gut einem Jahr eine positive Bilanz. Foto: Marie Busse

Delmenhorst. Seit gut einem Jahr läuft das Projekt „Kita Einstieg“ in Delmenhorst. Es hat zum Ziel so vielen Menschen wie möglich Zugang zu frühkindlicher Bildung zu Teil werden zu lassen. Am Donnerstag, 28. September, gab es ein erstes Treffen des beteiligten Kitas.

Eine Mutter zerrt ihr Kind aus dem Sandkasten. Sie vermutet Minen unter der Erde, schilderte Ute Möller-Kappauf, zuständig für die Tagespflege bei der Stadt, eine Situation aus dem Umgang mit geflüchteten, traumatisierten Familien. Eine Lage, die Mutter, Kind und Betreuer an die Grenzen bringt.

In der Ausbildung der Tagesmütter steht daher seit September interkulturelle Kompetenz auf dem Stundenplan. „40 Stunden sind dafür angesetzt“, sagte Möller-Kappauf. Finanziert von dem Programm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“. 560000 Euro kommen in der Zeit von 2017 bis 2020 vom Bund, und die Stadt legt davon noch ein Zehntel drauf. Ziel ist es, mehr Familien mit frühkindlicher Bildung zu erreichen.

Vier Kitas beteiligt

Neben der Tagespflege läuft das Projekt in Betreuungsgruppen in der Kaserne und im Wollepark, in einer Gruppe der Kita Süd und im Familienzentrum St. Christophorus. Und das mit Erfolg, wie sich auf dem ersten Netzwerktreffen der Kitas gestern zeigte. So weitete die Kita Süd ihr Sprachangebot aus. Auch Familienangehörige können nun in die Sprachfördergruppe kommen. Die Anmeldungen für die Eltern-Kind-Gruppe der St.-Christophorus-Kita haben sich verdoppelt, berichtete Leiterin Monika Schäfer beim Netzwerktreffen im Familienzentrum Villa.

Auf Betreuung vorbereiten

Es gehe darum, die Kinder auf den Alltag in einer Kita vorzubereiten und Vertrauen auszubauen. Die Kitas können das Angebot selbstständig erarbeiten. In den Kulturen, aus denen die Menschen stammen, seien Einrichtungen wenig bekannt, sagte Sabine Conrady von der Netzwerk- und Koordinierungsstelle und ergänzte: „Die Menschen haben sich nicht ins Flugzeug gesetzt, um hierher zu kommen.“ Oft gebe nach einer Flucht den Wunsch, immer eng mit den Kindern zusammen zu sein. Um den Schritt in die Kita zu erleichtern, haben alle vier Einrichtungen eine halbe Fachkraftstelle eingestellt.

Weitere Projekte geplant

Und Sabine Conrady und ihre Kollegin Claudia Müller haben noch viel vor. Im kommenden Jahr sollen interkulturelle Konfliktlotsen ausgebildet und weitere Tagesmütter in interkultureller Kompetenz geschult werden.


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