Viel Applaus für Baumarkt-Musical Vier „Hammerfrauen“ mischen Männerdomäne auf

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Im Baumarkt geht es heiß her: Caroline Beil und Isabell Varell (v. r.) waren die prominentesten unter den Darstellern des Muicals „Hammerfrauen“ im Kleinen Haus. Foto: Melanie HohmannIm Baumarkt geht es heiß her: Caroline Beil und Isabell Varell (v. r.) waren die prominentesten unter den Darstellern des Muicals „Hammerfrauen“ im Kleinen Haus. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Vier Frauen in Sektlaune lassen es im Baumarkt krachen. Aber auch leise Töne hatte die Aufführung des Musicals „Hammerfrauen“ im Kleinen Haus in Delmenhorst zu bieten.

Es lebe der Baumarkt. Das letzte Refugium des Homo heimwerkensis, des Schlagbohrer schwingenden Mannes. Ausgerechnet hier übernimmt eine außer Rand und Band geratene Gruppe von unter „Obiphobie“ leidenden Frauen die Macht und veranstaltet eine ausgelassene „Ladies’ Night“. So inszeniert im Musical „Hammerfrauen“, das am Mittwochabend im Kleinen Haus aufgeführt wurde.

Beil und Varell unter den „Hammerfrauen“

Auf den Ankündigungsplakaten waren mit Caroline Beil und Isabel Varell zwei prominente Darstellerinnen in den Vordergrund gerückt worden, die einem breiten Publikum aus diversen Fernsehrollen bekannt sind. Diese Namen zogen, wenn auch das Theater mit rund 470 Zuschauern nicht ganz ausverkauft war.

Beil und Varell verkörperten jedoch nur zwei von vier höchst unterschiedlichen „Hammerfrauen“, die in der Produktion der Berliner Wühlmäuse einen gewöhnlichen Baumarkt kräftig aufmischen.

Fliesen legen bei Gratis-Sekt

Das Stück von Robert Löhr mit der Musik von Benedikt Eichhorn/Michael Frowin erzählt die Geschichte des schon krankhaft dem Do-it-youself-Wahn verfallenen Marc und seiner Verlobten Julia. Kennengelernt hat sich das Paar ausgerechnet im Baumarkt – dort wollte die alles andere als von Marcs Passion fürs Heimwerken begeisterte Julia eigentlich nur eine Klobürste kaufen.

Ihrem zukünftigen Gatten zuliebe, dem sie ihre Abneigung gegen sein Hobby verschweigt, schließt sie sich einem Heimwerkerkurs für Frauen an. Beim Fliesenlegen mit den Baumarkt-Platzhirschen Enno und Patrick trifft sie auf Yvonne, Cornelia und Kim, die zwischen Flexkleber und Fugenkreuzen Julias missliche Lage diskutieren. Bald entfaltet der Gratis-Sekt seine volle Wirkung und die „Hammerfrauen“ zetteln eine Baumarkt-Meuterei an.

Heimwerker-Klischees auf die Schippe genommen

Ziemlich rasant ging es im ersten Teil also zu, entsprechend dominierten flotte Melodien und schwungvolle Choreografien die gesungenen Parts. Nicht nur so manches Baumarkt- und Heimwerker-Klischee wurde genüsslich auf die Schippe genommen, auch gesellschaftliche Phänomene wie das „Cocooning“ wurden durch den Kakao gezogen. Beinahe keine Handwerker-Weisheit blieb unerwähnt, bis hin zum grundlegendsten aller Sprüche: „Was nicht passt, wird passend gemacht.“

Im zweiten Teil wartete das Comedy-Musical dann auch mit leisen Tönen auf, wurde hinter so manche Fassade geblickt: Die vermeintliche Lesbe im Karohemd will sich in Wahrheit nach dem Tod ihres geliebten Mannes die sexbesessenen Kerle vom Leib halten. Und Baumarkt-Macho Patrick erweist sich als heimlich flennendes Sensibelchen.

Leichte Unterhaltung mit Happy End

Zu behaupten, das Stück glänze mit Tiefgang, wäre dann aber doch eine Spur zu weit gegriffen. In erster Linie bot das Musical „Hammerfrauen“ leichte Unterhaltung mit obligatorischem Happy End, dargeboten von einem gut aufeinander eingespielten Cast, der eine stimmlich solide bis gute Leistung ablieferte. Das Publikum zeigte sich begeistert und und spendete lang anhaltenden, kräftigen Applaus.


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