Neues Verfahren möglich Freispruch nach Einbruchsserie in Delmenhorst und umzu

Von Ole Rosenbohm

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Eine Einbruchsserie ist jetzt vor Gericht verhandelt worden. Foto: imago/Jochen TackEine Einbruchsserie ist jetzt vor Gericht verhandelt worden. Foto: imago/Jochen Tack

Delmenhorst/Oldenburg. 120 Einbrüche in der Region sollen auf das Konto dreier Männer gehen – so der Verdacht. Vor Gericht sind dann aber nicht alle Taten verhandelt worden.

Das war eine spektakuläre Einbruchsserie, hinter der die Polizei vor einigen Jahren ermittelte: Drei Männer standen im Verdacht, rund 120 Einbrüche begangen zu haben – viele davon in Bremen, Stuhr und Delmenhorst. Weil die Beweislage nur selten eindeutig war, kam nur ein Bruchteil zur Anklage. Vor dem Landgericht Oldenburg musste sich im Juli 2017 ein heute 44-jähriger für 18 Taten verantworten. Verurteilt zu fünf Jahren Gefängnis wurde er lediglich für sieben Einbrüche. Nach Überzeugung des Gerichts war er extra aus Albanien eingereist, um Einbrüche zu begehen.

Glücksspielabende im Hinterzimmer

Sozusagen im Nachklapp verhandelte nun das Amtsgericht Delmenhorst am Donnerstag gegen einen 42-jährigen Bremer, ebenfalls Albaner aber schon Jahrzehnte in Deutschland lebend. Vorgeworfen wurden dem vermeintlichen Mittäter Beteiligungen an drei Einbrüchen. Aber mit dünner Beweislage.

Der Mann gab zu, den Haupttäter zu kennen. Er gab auch zu, Beutestücke erworben zu haben – bei Glücksspielabenden im Hinterzimmer einer Bremer Bar: Münzen, Silberbesteck, einen Laptop, ein Smartphone. Gesamtwert: keine 400 Euro. Der Angeklagte sagte aus, er habe sich denken können, dass diese Dinge nicht „ordnungsgemäß erworben waren“, er bestritt aber jegliche Beteiligung an den Einbrüchen. Weil Beweise fehlten, sprach ihn das Schöffengericht in allen drei Anklagepunkten frei.

Juristisches Nachspiel

Ganz zufrieden dürfte der Mann den Gerichtssaal nicht verlassen haben. Denn durch sein Geständnis, den Laptop an seine damalige Freundin verschenkt zu haben, könnte er noch eine Anklage wegen Hehlerei bekommen. Lieber hätten sein Anwalt und er es gesehen, wenn die Staatsanwaltschaft am Donnerstag eine Nachtragsanklage wegen der Hehlerei erhoben hätte, die im Prozess dann möglicherweise gegen Geldbuße eingestellt worden wäre. Damit wäre die Hehlerei vom Tisch. Jetzt könnte der Staatsanwalt den Bremer neu anklagen. Komplett juristisch aufgearbeitet ist die Einbruchsserie ohnehin nicht, da sich ein dritter Verdächtiger abgesetzt hat und offenbar immer noch flüchtig ist. Auch auf den Angeklagten soll noch mindestens ein Verfahren an einem anderen Gericht warten.


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