Prävention in Delmenhorster Schule Die neuen Drogen heißen Smartphone und Playstation

Von Birgit Stamerjohanns

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Entspannter Stuhlkreis, knallharte Themen: Die Achtklässler der Oberschule Süd ließen sich von ehemals Drogenabhängigen berichten, was es bedeutet, süchtig zu sein. Foto: Birgit StamerjohannsEntspannter Stuhlkreis, knallharte Themen: Die Achtklässler der Oberschule Süd ließen sich von ehemals Drogenabhängigen berichten, was es bedeutet, süchtig zu sein. Foto: Birgit Stamerjohanns

Delmenhorst. An der Oberschule Süd in Delmenhorst geht es eine Woche lang um Prävention. Schutz vor Alkohol und andere Drogen spielt eine Rolle, aber auch Freundschaft und Sexualität sind Themen.

„Gänsehautmomente“ seien das, meint Christoph Rohr, wenn seine Schützlinge anfangen zu erzählen. Der Anti-Gewalt-Trainer der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn ist mit ehemals drogenabhängigen Jugendlichen zur Oberschule Süd am Brendelweg gekommen. Sie sollen Achtklässlern von ihren Erfahrungen berichten. Und die haben es in sich. Sie erzählen, wie Drogen sie fast umgebracht haben, wie ihr Leben komplett aus den Fugen geriet – und auch, wie alles angefangen hat.

Lust, einen über den Durst zu trinken

„Direkte Erfahrungsberichte können für Schüler präventiv wirken, weil sie sehen, wie sich eine Drogenabhängigkeit entwickelt“, sagt Christoph Rohr. Nämlich oft vermeidlich harmlos: „Ich habe gemerkt, dass ich oft Lust habe, einen über den Durst zu trinken“, formuliert es ein Achtklässler in der Runde. Von einem Alkoholproblem sei er aber weit entfernt, versichert er. Christoph Rohr kennt solche Geständnisse, die kommen oft vor, wenn Jugendliche über eigene Suchterfahrungen berichten sollen. Bei einem solchen Verlangen nach Alkohol sei es höchste Zeit, sich die Frage zu stellen: Wozu ist der Alkohol wichtig? Und vor allem: Könnte man auch etwas anderes machen, anstatt zu trinken?

Eltern sollen etwas tun

Aber nicht nur um Alkohol und Drogen geht es während der Präventionsprojektwoche für die sechsten bis achten Klassen, die bereits zum elften Mal an der Oberschule stattfindet. Auch um eine Sucht, die nach Angaben des Sozialpädagogen Volker Linge immer mehr um sich greift: die Abhängigkeit von Neuen Medien, etwa Computer und Smartphone. Ein Achtklässler bringt es auf den Punkt: „Ich sitze den ganzen Tag vor der Playstation!“ Eine Möglichkeit, dass sich das ändert, hat er auch gleich parat: Er müsste eigentlich seinen Eltern sagen, dass es so nicht weitergeht. Und dass die etwas tun sollen.

Täter und Opfer an einem Tisch

Viele Eltern aber haben überhaupt keinen Blick für die Mediensucht ihrer Kinder, so Volker Linge. Schließlich würde die Elterngeneration oft genug selbst den ganzen Tag auf das Handy schauen. Ein zunehmendes Problem sei unter Jugendlichen auch das Cyber-Mobbing, also Beleidigungen und Diffamierungen über so genannte soziale Medien. „Wir holen hier an der Schule Täter und Opfer zusammen und binden auch die Eltern mit ein“, erklärt der Sozialpädagoge, der seit Mai an der Oberschule Süd arbeitet. Dort sind Smartphones übrigens grundsätzlich tabu.

Viele Fragen zur Sexualität

Für die sechsten Klassen geht es während der Präventionsprojektwoche um das Thema Freundschaft. Zum Abschluss fahren die Schüler nach Thüle in einen Kletterpark, wo es auf gegenseitige Unterstützung und den Zuspruch anderer ankommen wird. In den siebten Klassen befassen sich die Schüler unter anderem mit Sexualprävention. Gerade in diesem Bereich haben Schüler oft viele Fragen, wissen aber nicht, wem sie die stellen sollen, haben die Pädagogen beobachtet. Unterstützt wird die Projektwoche am Brendelweg vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Damit werden Projekte zu Themen wie Freiheit, Demokratie, Menschenwürde und Gerechtigkeit gefördert.


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