Delmenhorster Morde Angehörige bereiten sich auf Högel-Prozess vor

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Anwältin Gaby Lübben und Christian Marbach, Sprecher der Opferangehörigen, bei der Sitzung in Ganderkesee. Foto: Hanna HövermannAnwältin Gaby Lübben und Christian Marbach, Sprecher der Opferangehörigen, bei der Sitzung in Ganderkesee. Foto: Hanna Hövermann

Delmenhorst/Ganderkesee. Die Angehörigen der von Niels Högel getöteten Patienten in den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg bereiten sich auf den Prozess gegen den Todespfleger vor. Sie haben sich nun im Ganderkeseer Rathaus-Sitzungssaal getroffen. Der Prozess beginnt im kommenden Monat.

Hinter verschlossenen Türen haben sich am vergangenen Freitag, 14, September, über 70 Angehörige der vom Krankenpfleger Niels Högel in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst getöteten Opfer getroffen. Sie bekamen Informationen über den Prozess, ihre Rechte, und wie sie betreut werden können. Das Treffen fand im Sitzungssaal des Rathauses Ganderkesee statt.

Infos über Rechte der Angehörigen

Rechtsanwältin Gaby Lübben, die den Großteil der Nebenkläger juristisch vertritt, erklärte ausführlich, wie der Prozess, der wegen mittlerweile 99 Morden am 30. Oktober vor dem Landgericht beginnt, ablaufen wird. Unterstützt wird sie dabei von der Juristin Hanna Hövermann. Thema waren unter anderem Details über die mögliche Betreuung durch den Kriminalitätsopfer-Verband „Weißer Ring“ oder den Platz im Gerichtssaal. Christian Marbach, Sprecher der Opferangehörigen erklärt dazu, dass deutlich mehr Personen betroffen sind als diejenigen, die rechtlich Nebenkläger sein können – nämlich neben den nebenklageberechtigten Partnern und Kindern auch beispielsweise Enkel. Sie können beispielsweise Kontakt zu den Nebenklägern aufnehmen. Viele Fragen der Angehörigen ließen die große emotionale Belastung, die mit der Teilnahme am Mordprozess einhergeht, spüren, sagt Marbach.

„Wir schaffen das alle gemeinsam“

Gaby Lübben gab neben Informationen auch viel emotionalen Zuspruch. Sie sagte: „Wir schaffen das alle gemeinsam.“ Der Termin in Ganderkesee war langfristig vorbereitet und wurde bewusst nicht in Delmenhorst abgehalten, so Marbach. Und weiter: „Wir müssen leider weiterhin feststellen, dass der Oberbürgermeister, viele Ratsmitglieder und das Klinikum Delmenhorst gegen unsere Gefühle und Interessen agieren.“ Er hatte schon früher das Management der Klinik kritisiert, weil es Ärzte, gegen die offiziell Anklage wegen Totschlags durch Unterlassen erhoben wird, wieder patientennah eingesetzt hatte. Marbach und Gaby Lübben dankten der Ganderkeseer Bürgermeisterin Alice Gerken für persönlichen Zuspruch und Unterstützung.

Grußworte von Anwältin des vergangenen Prozesses

Intensive Betreuung im Prozess werden die Nebenkläger durch den Weißen Ring Oldenburg und Delmenhorst erfahren, der durch Kurt Werner seine Arbeit vorstellte und den Prozess mit mehreren Ehrenamtlichen begleiten wird. Rechtsanwältin Lübben übermittelte außerdem sehr persönliche und motivierende Grußworte von Kathrin Lohmann, die den letzten Mordprozess im Jahr 2014 juristisch erstritten hatte.


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