Luftschutz im Zweiten Weltkrieg Delmenhorster Bunker waren kein Schutz gegen Bomben

Von Dr. Norbert Boese

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gegen direkte Treffer gab es keinen Schutz: Der folgenreichste Luftangriff auf Delmenhorst am 8. Oktober 1943 forderte 23 Tote in der Mädchenschule an der Stedinger Straße. Fotos: dk-ArchivGegen direkte Treffer gab es keinen Schutz: Der folgenreichste Luftangriff auf Delmenhorst am 8. Oktober 1943 forderte 23 Tote in der Mädchenschule an der Stedinger Straße. Fotos: dk-Archiv

Delmenhorst. Von Beginn an bereiteten die Nationalsozialisten die Bevölkerung auf die Gefahren des Luftkriegs vor - auch in Delmenhorst. Im Krieg zeigte sich, dass die Luftschutzbauten wenig effektiv waren.

Schon kurz nach der Machtübernahme in Deutschland durch die NSDAP begannen die Kriegsvorbereitungen. Der Luftschutz stand dabei sehr im Vordergrund. In der hiesigen Oberrealschule startete ein erster Ausbildungslehrgang am 12. Mai 1933. Im September dieses Jahres wurde eine Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes gegründet, geleitet von Bürgermeister Dr. Franz Anacker. Die erste Verdunkelungsübung erfolgte im April 1934.

Siebentägige Verdunklungsübung

Im Juni 1935 wurde das Luftschutzgesetz erlassen: Der Luftschutz wurde zur Reichssache erklärt, zuständig war der Reichsminister für Luftfahrt. Außerdem wurde eine Luftschutzdienstpflicht eingeführt, wonach alle Deutschen zu „Dienst- und Sachleistungen, Duldungen und Unterlassungen“ verpflichtet wurden, „die zur Durchführung des Luftschutzes erforderlich“ waren. Die Heranziehung zum Luftschutz wurde durch Polizeiverfügung ermöglicht.

Für den Luftschutzdienst wurden sodann in Delmenhorst Ortsgruppen organisiert, in den einzelnen Häusern gab es vereidigte „Luftschutzhauswarte“ mit ihnen zur Hilfe beigeordneten Hausbewohnern. Vom 5. September bis zum 2. Oktober 1937 fand auf Anordnung des Reichsführers SS und Chefs der deutschen Polizei eine erste und genau überprüfte Entrümpelung der Dachböden statt. Zeitgleich vom 18. bis 25. September 1937 wurde eine siebentägige Verdunkelungsübung, jeweils nachts von 19 bis 5 Uhr, durchgeführt.

Spionage- und Sabotagegefahr

Und ab Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurde die völlige Verdunkelung der Stadt angeordnet, sie sollte fünfeinhalb Jahre andauern. Von da an „lag Deutschland des Nachts im Finstern“, heißt es dazu in Edgar Grundigs „Geschichte der Stadt Delmenhorst“ (Bd. III, S. 157). Der Kommandeur des Flughafenbereichs Delmenhorst forderte ebenfalls am 1. September 1939 die Delmenhorster auf, sich abends ab Dämmerung „wegen einer Spionage- und Sabotagegefahr nicht mehr an den Zäunen der drei Delmenhorster Kasernen aufzuhalten. Zuwiderhandelnde würden festgenommen.“

Scheinwerfer und Flak-Geschosse sorgten während des Krieges nachts in Delmenhorst für ein gespenstisches Bild. Foto: dk-Archiv

Alle vor dem Krieg eingeleiteten Luftschutzmaßnahmen und Übungen stellten sich nach Kriegsbeginn jedoch überwiegend als nicht ausreichend und nicht effektiv genug dar. Soweit in den einzelnen Häusern Luftschutzkeller eingerichtet wurden, reichten sie nicht aus, sie waren meistens ungeeignet. Und die „Herrichtung ging nicht so schnell, wie man wollte, fehlte es doch dem Bauamt an Material wie Holz und Eisen und sogar an Verdunkelungsvorrichtungen“ (Grundig, S. 160), auch Sirenen zur Alarmierung fehlten weitgehend.

Geschäfte ins Umland verlagert

Für die Allgemeinheit sollten „Deckungsgräben“ hergestellt werden, die vor allem dem „Splitterschutz“ dienen und zum Teil auch vor herabfallenden Bomben schützen und dann „massiv ausgebaut“ werden sollten, sogenannte Bunker. Ab 1942 wurden „Ausweichunterkünfte für Notfälle“ bereitgestellt, zum Beispiel im Delmegrund, am Schlutterweg und am Lessingplatz. Die größeren Handelsgeschäfte verließen sich nicht auf die öffentlichen Maßnahmen, sie lagerten ihre Waren ins Umland aus, so Hohenböken nach Ganderkesee und Leffers nach Hoyerswege.

Nur behelfsmäßige Bauten

Eine Übersicht über „die aus Reichsmitteln errichteten Luftschutzbauten des Selbstschutzes“ im Gebiet der Stadt Delmenhorst, aufgestellt vom Delmenhorster Stadtbauamt am 6. Juli 1945 – also kurz nach Kriegsende –, gibt Aufschluss über Art und Zahl der Luftschutzbauten: Es gab keine „bombensicheren“ Luftschutzbauten! Erwähnt werden in der Rubrik „behelfsmäßig“ 4980 Kellerabstützungen auf öffentlichem und auch privatem Grund, 32 Unterstände aus Beton mit jeweils zwölf Sitzplätzen, alle auf Privatgrundstücken, sowie ein Holzunterstand mit zwölf Sitzplätzen und ein Stollen-Holzunterstand mit 15 Sitzplätzen, ebenfalls auf Privatgrundstücken.

Kein wirksamer Schutz

Im Mittelpunkt standen jedoch „trümmer- und splittersichere“ Luftschutzbauten in Form von „Deckungsgräben“. Davon waren 51 „Kleindeckungsgräben“ mit jeweils 25 Sitzplätzen je Bauwerk, 50 davon auf Privatgrund, 32 Kellerausbauten auf Privatgrundstücken mit jeweils circa zehn Plätzen und ein Kellerausbau für das Städtische Krankenhaus mit 200 Sitzplätzen. Die größte Zahl, 84, stellen jedoch die „massiven Deckungsgräben“ dar, die die Stadt alle in einzelnen Akten nach Bauwerks-Nummer MD 1 bis 91 erfasst hat.

Die massiven Deckungsgräben, auch Sperrgräben genannt, gingen auf das Luftschutz-Führerprogramm zurück, ihr Sinn war, die Zivilbevölkerung vor Splittern und Trümmern bei einem Bombenangriff zu schützen, gegen Bombentreffer selbst waren sie kein wirksamer Schutz.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN