Delmenhorster Experte berichtet Wie man eine Ausbildung zum Heißluftballonfahrer macht

Von Jasmin Johannsen

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Jürgen Ehlers hat seine Ballonfahrer-Prüfung vor 33 Jahren bestanden. Heute bildet er selber aus und ist regelmäßig mit dem dk-Heißluftballon unterwegs. Foto: Jasmin JohannsenJürgen Ehlers hat seine Ballonfahrer-Prüfung vor 33 Jahren bestanden. Heute bildet er selber aus und ist regelmäßig mit dem dk-Heißluftballon unterwegs. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Seit 33 Jahren ist Jürgen Ehlers regelmäßig am Himmelszelt über der Region unterwegs. Der dk-Heißluftballonführer berichtet in der Serie „Ohne Schein geht es nicht“ von seinem außergewöhnlichen Hobby.

Wer an den lauen windarmen Sommerabenden in den Himmel geschaut hat, der konnte sie mit etwas Glück erspähen: Heißluftballone zogen in der Höhe ihre Bahnen über Delmenhorst. Obwohl sie ohne festes Ziel am Firmament treiben, werden die schwebenden Riesen stets kontrolliert.

„Der Ballonführer steigt immer als Erster in den Korb ein und als Letzter aus. Das lernt man schon zu Beginn der Ausbildung“, sagt Jürgen Ehlers. Der Delmenhorster hat seinen Ballonführerschein schon vor 33 Jahren erworben. Seit 2001 ist er regelmäßig mit dem dk-Heißluftballon unterwegs. Durch Zusatzqualifikationen darf er aber auch ausbilden und selbst Prüfungen abnehmen. Seine Schüler würden ganz verschiedene Vorkenntnisse mitbringen: „Die einen sind schon Flugzeugpiloten, die anderen wissen nicht einmal wie das Wort Ballon buchstabiert wird.“ Die meisten würden die Prüfung trotzdem schaffen. Nur eines ist wichtig: Höhenangst dürfe man bei diesem Hobby nicht haben. Der Ballon kann über 1000 Meter hoch in den Himmel steigen.

Nachwuchs fehlt

Die Vorkenntnisse seien es auch, die bestimmten, wie viel Zeit und Geld ein angehender Ballonfahrer in seine Ausbildung investieren muss. „Wer schon Pilot ist oder sich mit der Theorie gut auskennt, kann die Prüfung relativ schnell ablegen“, erklärt Ehlers. Luftrecht, Meteorologie, Navigation und Luftfahrtkunde sind nur einige der Sachgebiete, die im Multiple-Choice-Verfahren abgefragt werden. Neben anderen Möglichkeiten können die Schüler die Theorie auch während eines einwöchigen Kompakt-Lehrgangs einüben, dann allerdings eher im Süden oder im Westen Deutschlands. „Hier im Norden gibt es mangels Prüflingen kaum Ausbildungseinrichtungen, der Nachwuchs ist einfach nicht mehr da“, berichtet der Ballonführer. Ende der Achtzigerjahre seien im Großraum Bremen knapp 65 Ballons gefahren, heute wären es nur noch zehn.

Flugmedizinische Tauglichkeit überprüfen

Dabei könne die Ausbildung beinahe jeder beginnen und auch die praktische Prüfung sei mit etwas Übung gut zu bestehen. Voraussetzung ist unter anderem das Mindestalter von 14 Jahren und der Nachweis einer medizinischen Flugtauglichkeit. Dazu müssen wenigstens 16 Ballon-Fahrstunden mit dem Ausbildungsleiter absolviert werden. „Fahrtmanöver wie halten der Höhe sowie kontrolliertes Steigen und Sinken begutachte ich während der Prüfung immer“, berichtet Ehlers. Selbst nach abgeschlossener Ausbildung wird der Ballonführer regelmäßig auf seine flugmedizinische Tauglichkeit und seine fliegerische Qualifikation kontrolliert.

Lern- und kostenintensives Hobby

Ein lern- und kostenintensives Hobby also, zahlen die angehenden Ballonführer doch mindestens 3000 Euro für die Ausbildung und der Erwerb einer Ballon-Komplettausstattung mit Hülle, Korb, Brenner und Funkgeräten kann die 70000-Euro-Grenze schnell überschreiten. „Es sei denn man findet einen Sponsor oder kann in einem Verein fahren“, erklärt Ehlers. Trotzdem liebt der Pensionär sichtlich sein Hobby, zu dem er „wie die Jungfrau zum Kind“ gekommen sei. Seine erste Fahrt mit einem Heißluftballon im Jahr 1973 verlief nämlich mehr als holprig. „Danach wollte ich eigentlich nie mehr fahren. Zwölf Jahre später habe ich mich dann doch noch einmal getraut und es bis jetzt nicht bereut.“


Serie: Ohne Schein geht in vielen Bereichen gar nichts: In dieser Serie stellt das dk vor, für welche Freizeitaktivitäten eine Prüfung abgelegt werden muss, bevor man loslegen kann.

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