Max-Planck-Gymnasium Wie Delmenhorster Schüler lernen sollen, Süchten vorzubeugen

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Beim Quiz rieten die Neuntklässler des Max-Planck-Gymnasiums am Mittwochmorgen eifrig mit. Foto: Vincent BußBeim Quiz rieten die Neuntklässler des Max-Planck-Gymnasiums am Mittwochmorgen eifrig mit. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Süchte spielen auch im Alltag von Neuntklässlern schon eine Rolle. Deshalb durchliefen die Schüler des Delmenhorster Max-Planck-Gymnasiums am Mittwoch, 12. September, Workshops zu den Themen Drogen, Medien und Glücksspiel.

„Was ist kein Anzeichen für Medienabhängigkeit?“ – diese Frage leuchtet als Erstes auf der Leinwand in der Aula auf. Angeregt beraten sich die Schüler des neunten Jahrgangs und schicken dann ihre Antworten per Fernbedienung ab. In einem Quiz werden sie abgefragt, was sie am Vormittag in den Seminaren gelernt haben. Die Lösung ist sofort zu sehen und löst Verwunderung aus: Oft stundenlang zu spielen, deutet nicht auf eine Sucht hin.

„Wenn das Spielen nur ein Hobby von vielen ist, ist das meist okay“, erklärt Tim Berthold von der Anonymen Drogenberatung in Delmenhorst. Am Max-Planck-Gymnasium ist Gesundheitstag und für die Neuntklässler geht es speziell um Suchtprävention.

„Wir wollen das Thema frühzeitig ansprechen“, sagt Bertholds Kollege Nils-Oke Bartelsen. „‚Frühzeitig‘ bedeutet aber nicht ‚so früh wie möglich‘.“ Aber einige Schüler hätten schon Erfahrungen mit Suchtmitteln gemacht. Denn das Einstiegsalter für Alkoholkonsum und Joints liegt laut Bartelsen zwischen 14 und 15 Jahren – für Tabak sogar schon bei etwa 13 Jahren.

Wie viel Medienkonsum ist zu viel?

Süchtigmachen können aber auch andere Sachen. Deshalb diskutieren die Experten von der Drogenberatung mit den Schülern auch über Medienkonsum. „Viele wollen wissen, wie man erkennt, wann es zu viel wird“, berichtet Mitarbeiter Steffen Fietz. Oft würden Eltern aber Regeln aufstellen, wie lange ihre Kinder vor Laptop und Smartphone hängen dürfen. Selbst um Glücksspiel geht es. Einige Schüler hätten nämlich bereits um Geld gepokert, sagt Simone Beilken. „Manche meinen, wenn sie es gut könnten, wäre es kein Glücksspiel“ – laut der Expertin ein Trugschluss.

Ein besonders ernstes Anliegen ist der sogenannte kompensatorische Konsum. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine 15-Jährige anfängt zu trinken, weil sie Probleme mit ihren Eltern hat“, erklärt Berthold. Weil es den Mitarbeitern der Drogenberatung wichtig ist, Alltagssituationen der Jugendliche anzusprechen, wechseln die Gespräche allerdings auf den Probierkonsum. So fänden viele der Gymnasiasten es überraschenderweise nicht in Ordnung, wenn ein Eltern eine Kiste Bier zum 15. Geburtstag stellen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Sucht?

Haben diese Einstellungen etwas mit dem Publikum zu tun? Laut einer Studie der Drogenberatung eher nicht, sagt Berthold: „Meist gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen Bildung und Sucht.“ Das Max-Planck-Gymnasium veranstaltet seit mehr als zehn Jahren den Gesundheitstag, die Drogenberatung spricht zum zweiten Mal über Suchtprävention. Schulleiterin Cordula Fitsch-Saucke möchte das Angebot beibehalten: „Für die Schüler ist es authentischer, wenn externe Experten dabei sind.“


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