Ihr regionaler Immobilienmarkt

Fälle in Delmenhorst Wenn Mieter und Vermieter im Clinch liegen

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Wenn Mieter eine Wohnung suchen, sollten sie eine Selbstauskunft abgeben. Foto: Frederik GrabbeWenn Mieter eine Wohnung suchen, sollten sie eine Selbstauskunft abgeben. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Zwistigkeiten zwischen Mietern und Vermietern haben viele Gründe. Fälle davon gibt es immer wieder. Oft mangelt es Vermietern an Erfahrung, wie man sich absichern kann. Das zeigen aktuelle Delmenhorster Fälle.

Wohnraum vermieten ist ein Risiko. Das bemerken Vermieter zwar nicht alltäglich, aber es kommt immer wieder vor. Das sagt Ralf Rigbers, Geschäftsstellenleiter des Verbandes Haus und Grund Delmenhorst. Er rät zu einem guten Kennenlernen möglicher Mieter. Welche Zwistigkeiten es sonst geben kann, zeigen zwei Fälle.

Zehn Monate vor Gericht

Einen Fall schildert Rigbers: Ein Vermieter stellte schon im Jahr 2013 fest, dass sein Mieter die gemietete Wohnung zunehmend vermüllte. So wuchsen Befürchtungen, dass die Wohnung bleibende Schäden nehmen könnte. Der Mieter wurde mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass er wieder den vertragsgemäßen Zustand herstellen solle. Das geschah nicht, im Juli 2015 kam die Kündigung. „Und nichts passierte“, so Rigbers. „Im März folgte dann eine Klage. Und erst im Januar 2017 gab es dann schließlich die Räumung mit dem Gerichtsvollzieher.“ Zehn Monate also dauerte allein das Gerichtsverfahren.

Ziffern der Kontonummer vertauscht

Ein anders gelagerter Fall, der gerade erst zu einem Ende gebracht wurde: Ein Delmenhorster Rentner vermietet im März eines seiner Häuser an eine kleine Familie. Sie scheint nett, der Mann arbeitet, die Parteien unterzeichnen den Mietvertrag. Und dann sieht der Vermieter nicht einen Cent Miete, von Anfang an. Er mahnt, hakt nach. Die Mieterin meint, sie habe überwiesen, und wohl einzelne Ziffern der Kontonummern vertauscht. Das wiederholt sich. Schließlich gehen der Vermieter und seine Tochter zusammen mit der Mieterin zur Bank, damit sie die mittlerweile über Monate ausstehende Miete überweist. Sie regelt den Vorgang am Schalter allein, und legt dem Vermieter dann die Kopie einer Terminüberweisung vor. Er gibt sich zufrieden. Die Terminüberweisung wird freitags eingerichtet – für den folgenden Montag. Am Montag kommt kein Geld. Schließlich kündigt er.

Psychische Probleme als Resultat

Es dauert insgesamt sieben Monate, bis die Familie aus dem Haus ist. „Ich war wohl zu naiv. Die wirkten nett“, sagt der Delmenhorster Vermieter. „Jetzt habe ich monatelang nicht gut schlafen können.“ Sein Verlust sind die Miete und die Anwaltskosten. Ähnlich ging es auch schon den vorherigen Vermietern der entsprechenden Familie. Die bekamen auch nur vereinzelt Mietzahlungen, klagten auf Räumung, das Gericht entschied auf eine außergerichtliche Einigung. Das ausstehende Geld haben diese Vermieter immer noch nicht. Sie sind in finanzielle Schieflage geraten, der Mann hat jetzt psychische Probleme. Beide, der Delmenhorster Rentner und die jetzt finanziell klammen Vorgänger, sind unerfahren als Vermieter.

Wohnen bei Freunden

Auf der anderen Seite tun sich die Hintergründe auf Mieterseite auf: Die Mutter der Familie blockt zunächst das Gespräch mit dem dk ab. Dann weint sie. Sie hat noch keine Wohnung, wohnt bei Freunden, der Mann ist abgehauen. Für eine neue Wohnung werde sie Wohngeld beantragen müssen und ist somit darauf angewiesen, dass der nächste Vermieter eine Mietkostenbescheinigung ausfüllt. Sie will eine feste Basis und Normalität.

Selbstauskunft verlangen angemessen

Persönliche und psychische Probleme vermutet Ralf Rigbers, der Fachmann vom Verband Haus und Grund, hinter vielen Zwistigkeiten beim Mieten. Mit Zahlen untermauern kann er die Vermutung nicht. Er rät zumindest Vermietern zu einer guten Kontrolle möglicher Mieter. Dazu gehöre eine gute Selbstauskunft der Mieter, die darlegt, wie die Miete gezahlt werden kann. „Ist man schon so weit, dass man sich über das Mietverhältnis einig ist, kann man das durchaus verlangen“, sagt Rigbers. Außerdem solle ein Mieter eine Schufa-Auskunft abgeben. Und: Drei Monatsmieten als Kaution seien zulässig. „Wichtig ist immer das persönliche Gespräch“, sagt Rigbers. Darunter falle auch die Frage, warum ein Mieter aus seiner bisherigen Wohnung ausziehe. Persönliche Gespräche und sofortige Nachfragen, wenn es mit der Miete hakt, seien unerlässlich, um schnell mögliche persönliche Probleme, finanzielle Engpässe oder Ungereimtheiten zu bemerken.


Die Delmenhorster Wohnungsbaugesellschaft Delmenhorst, GSG, bemerkt wenige Fälle von nicht zahlenden Mietern. Etwa drei Viertel der Mieter, sagt Geschäftsführer Stefan Ludwig, bekommen Wohngeld vom Jobcenter – oder Geld für die sogenannten „Kosten der Unterkunft, die in Delmenhorst derzeit leicht erhöht werden sollen. Probleme seien deshalb nicht ausgeschlossen, so Ludwig: „Manche Mieter haben ein Problem, dieses Geld auch bei den entsprechenden Stellen zu beantragen, wenn es ihnen zusteht“, sagt der GSG-Chef. Dann bleibe das Geld aus, und mahnen helfe oft genug nichts. Noch ein Problem entsteht, wenn die Mieter der Wohnungen einen Job mit kleinem Einkommen annehmen, dann keine kommunale Hilfe mehr bekommen, und sie sich dann – trotz des Jobs – die Miete nicht mehr leisten können.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN